The moon song

Sometimes I think I have felt everything I’m ever gonna feel. And from here on out, I’m not gonna feel anything new. Just lesser versions of what I’ve already felt. (Theodore, HER)

Liest man Artikel über wesenstypische  Eigenschaften, welche das Paarungsverhalten des Homo Sapiens beeinflussen können, begegnet man immer wieder – neben den bekannten physiognomischen Attributen –  dem Geruchssinn (oder den damit wahrgenommenen Düften), welcher als weniger offensichtliches Entscheidungskriterium bei der Partnerwahl ein massgeblicher Faktor zu sein scheint, da gewisse abgesonderte Düfte (Schweiss) als starke Lockstoffe gelten und angeblich schon fast animalische Triebkräfte freilegen können. Je nach Dossierung selbstverständlich. Und Zyklus. Bei Frauen wenigstens…

Aber welchen Stellenwert hat eigentlich die Stimme? Sicherlich hat jeder schon Aussagen à la „die hat aber ne sexy Stimme“ oder „rauchige Stimmen haben was erotisches“  vernommen oder aber, was fast noch häufiger anzutreffen ist,  eher negativ beladene Kommentare, welche bezüglich Wort-oder Stimmklang zu hören sind. Stichworte: Quitsch- oder Krächzstimmen, Männerstimmen (von Frauen) oder Frauenstimmen (von Männer) und was es sonst noch alles an nicht wohlklingenden oder erotisierenden stimmlichen Varianten gibt.  Aber wurde der Stimme wirklich je eine elementare Bedeutung beim Paarungsverhalten beigemessen?

Will man daher den wahren Stellenwert wissen,  welche die verschiedenen Einflussfaktoren (Olfaktorisch, Aestethik/Physiognomie/ Stimme/Charakter) auf dem Marktplatz der Geschlechter haben, muss man sich eigentlich nur zu jedem Punkt die Frage stellen, ob man sich in diesen alleine, von den anderen abstrahiert,  verlieben könnte. Also nur in einen (Schweiss-) Duft (Olfakorisch)? Oder allenfalls in Humor (Charakter) ? Allenfalls würden gewisse Zeitgenossen Grosszügigkeit anführen um bei den Charaktereigenschaften zu bleiben, aber auch dort könnte man wahrscheinlich nicht von einer rundum ganzheitlichen Vernarrtheit sprechen…

Wenn nach 125 min. der Abspann von „Her“, dem neuesten Werk von Spike Jonze, über den Bildschirm läuft und man – leicht paralysiert, hypnotisiert, entzückt oder entrückt –  versucht, das Geschehenen zu verarbeiten oder spezifischer, das Gesehene und Gehörte einzuordnen, wird bei vielen – zumindest bei den männlichen –  Zuschauern bald die Frage auftauchen: Habe ich mich da gerade in eine Stimme verliebt?

Sicher ist, beim Hauptdarsteller Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) war dies der Fall. Und noch besser, die Stimme auch in ihn. Glaubt er und wir jedenfalls. Und die Stimme irgendwie auch.

„Her“ spielt in nicht allzu ferner Zukunft und Theodore Twombly ist ein professioneller Briefschreiber, irgendwo im mittleren Alter, seit einem Jahr getrennt von seiner Frau, mit welcher er sein halbes Leben zusammen war. Da er diese Beziehung ganz und gar noch nicht verarbeitet hat, lebt er eher zurückgezogen und hat nur noch mit einer Jugendkollegin, welche mit ihrem Freund in der Nachbarschaftswohnung lebt, regelmässig persönlichen Kontakt. Bis er nach dem Erwerb eines neuen OS Betriebssystems, welches als revolutionäre Neuentwicklung permanent dazulernt und sich auf die Bedürfnisse des jeweiligen Users einstellen kann, sich in dessen weibliche Stimme verliebt und eine Liebesbeziehung mit „her“ beginnt.

Dieser Grundplot, welcher noch vor 10 Jahren allerhöchstens für eine durchgeknallte Science-Fiction Komödie verwendet worden wäre, wirkt trotz skurril anhörender Ausgangslage beängstigend real und echt und es sind erstaunlich wenige Momente in diesem Film, die einem den utopischen Aspekt – den es ja wahrlich noch gibt – bewusst werden lassen.  Es fliegen keine Autos oder Raumschiffe durch die Luft und die Leute tragen auch keine seltsamen weissen Schutzanzüge, sondern im Gegenteil, wenn man Joaquin Phoenix mit den bis zum Bauch hochgezogenen Hochwasserhosen mit rotem Holzfäller-Sporthemd und weissem T-Shirt darunter durch die Szenerie schlendern sieht, fühlt man sich irgendwie in die 70-er Jahre zurückversetzt, einfach vor dem Hintergrund einer Grossstadt-Kulisse, die wie eine seltsam warme Mischung aus L.A. und Tokyo anmutet (warm, da für sämtliche Innenräume und auch öffentliche Plätze und Orte freundliche Pastellfarben verwendet werden). Eine Art retro-futuristischer Stil als Designkonzept, welches dadurch aber den bewussten Bezug zur realen Welt in den Vordergrund rückt.

Schlussendlich ist dann auch die Zeitebene nur eine Randnotiz, genauso wie die – noch – utopische Annahme, dass Betriebssysteme eine quasi eigene Persönlichkeit entwickeln können.

Dass diese ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Mensch und Betriebssystem funktioniert und schlussendlich zutiefst berührt, ist zu einem Grossteil dem Drehbuch zu verdanken, welches Spike Jones mehr oder weniger im Alleingang im Verlauf von 15 Jahren geschrieben hat, welches gerade wegen dieser irrealen Ausgangslage das Wesen der Liebe an sich hinterfragen und behandeln kann und dies mit einer selten gesehenen Direktheit,  aber auch Feinfühligkeit  und Tiefe tut.  Zudem meistert die Geschichte meisterlich den Balanceakt zwischen subtiler Ueberzeichnung des technologischen Einflusses auf den gesellschaftlichen Alltag und der damit einhergehenden Isolierung des einzelnen Individuums kontrastiert mit dem unveränderten Bedürfnis nach persönlicher Nähe und der Suche nach einem erlösenden Seelenverwandten.  Das Drehbuch wurde dann auch fast unvermeidbar mit sämtlichen wichtigen Filmpreisen im 2014 ausgezeichnet (Oscar, Golden Globe, Writers Guild of America Award, Critics‘ Choice Award). Dies ist insofern bemerkenswert, als das Spike Jonze in der Vergangenheit nicht gerade durch zart-poetische Werke auf sich aufmerksam gemacht hat, sondern als Erfinder von der MTV-Serie „Jackass“ den internationalen Durchbruch feierte und mit seinem Spielfilmdebüt, der durchgeknallten Surreal-Komödie „Beeing John Malkovich“, seinen Ruf als unberechenbaren aber genialen Filmemacher begründete.

Der andere Erfolgsfaktor dieses Streifens ist dann nicht zuletzt auch in der Besetzung zu finden, allen voran Joachin Phoenix (Gladiator, It’s all about Love, Walk the Line, The Master), der mit seinem höchst zurückhaltendem Spiel es schafft, dass sich sämtliche Gefühlszustände, welche er in dieser Tour de Force durchläuft, auf eine unaufgeregte Art und Weise in seinem Gesicht und durch sein Wesen reflektiert werden und dadurch die völlige Anteilnahme an dieser Geschichte ermöglicht, auch in den dialogfreien Momenten.

Zu guter Letzt wären wir wieder bei dem einleitenden Thema, genau, der Stimme. Gesprochen wird diese von Scarlett Johansson, welche erst in der Postproduktion dazu gestossen ist und Samantha Morton (Minority Report, Cosmopolis) ersetzte, nachdem diese den ganzen Film schon abgedreht hatte (gem. Jonze eine seiner schwierigsten Entscheidung in seinem Leben – welche er nicht begründen könne – reine Intuition). Mal abgesehen von der im Raum stehenden These, dass die Stimme einer bekannten Person, von welcher man ja die äussere Hülle schon kennt und demzufolge diese auch nur beim Wahrnehmen der Stimme projektziert,  sowie auch unter Ausblendung der sehr einfühlsamen Dialogen ihrerseits, welche sämtliche anziehenden Elemente, wie Humor, Unsicherheit, Neugier, Erregung, Freude und Trauer beinhalten und dadurch automatischen eine menschliche Wirkung entfalten, muss trotzdem einfach mal auf die rein stimmliche Qualität hingewiesen werden, welcher man unter dem visuellen Eindruck der Gesamtperson tendenziell sicherlich zu wenig Beachtung schenkt. Um sich jetzt nicht komplett der Lächerlichkeit preiszugeben und etwelchen Versuchen zu verfallen, die Stimme an sich jetzt lang und breit zu beschreiben, anbei eine Hörprobe von dem berührenden Stück „The Moon Song“,  welcher das musikalische Herzstück von „Her“ ist:(ursprünglich interpretiert von Karon O)

Ich überlasse es somit jedem Hörer, die einleitende Frage für sich abschliessend zu beantworten…

Konklusion: „Her“ ist eine zutiefst poetische, zärtliche und hochintelligente Versuchsanordnung über die Liebe in jeglicher Form, losgelöst von konventionellen Schranken und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen. Ein Balanceakt zwischen feiner gesellschaftskritischer Groteske über die Einflüsse der ausufernden technologischen Entwicklungen und melancholischer Liebesgeschichte, gespickt mit schonungslos, tieftraurigen Wahrheiten und wahren lyrischen Schönheiten….Irgendwann in naher Zukunft und irgendwo in einer grossen Stadt auf der Welt. Und darüber spielt „The Moon Song“.

Prescription for: Romantic-Manicas, Lovers, lovers’ grieve, Feeling lonely, poetic lovers, in love with Siri and/or I-Phone, phone sex lovers

Listening to: Anywhere I Lay My Head is the debut studio album by American actress Scarlett Johansson, released on May 16, 2008 by Atco Records (contains four songs written by Tom Waits, six songs written by Waits and his wife Kathleen Brennan,)

Her, USA 2013, Director Spike Jonze, 126 min. with Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Scarlette Johansson

 

 

Snobs get wild – The Riot Club

 

Der erste nennenswerte Film von dänischer Regisseurin  Lone Scherfig „Italienisch für Anfänger“ (2000) wurde konsequent nach den Dogma 95-Regeln gedreht. Im Vergleich zu den schrillen und rebellischen Dogma—Vorgängern wie „Das Fest“ (Thomas Vinterberg) oder „Idioten“ (Lars von Trier) war er schon ein fast besinnlicher Film über normale Menschen in der gewöhnlichen Umgebung. Auch ein Beispiel dafür, dass der innovative Dogma-Kodex sich genau so prächtig in stillen Gewässern entwickeln konnte.

Nun, nach ein paar weiteren erfolgreichen Filmen (An Education, One Day) ist der neuer Film „The Riot Club“ von Lohne Scherfig der aussagekräftigste, eine klare Fallstudie des Soziotops der reichsten Oxford-Studenten. Der Film basiert auf dem Theaterstück „Posh“. Seine Autorin Laura Wade hat es für Scherfig in ein Drehbuch umgeschrieben.

Die Ereignisse beobachten wir aus der Perspektive von zwei Ankömmlingen an der Oxford-Uni, die in einem berühmt-berüchtigten Riot Club aufgenommen wurden. Zwingende Grundvoraussetzungen dafür sind, dass man ein Absolvent der Eton, Clifton oder Harrow ist, aus reichen und/oder adligen Haus kommt und gewissermassen das grenzloses Vergnügen als oberstes Gebot zu verinnerlichen gedenkt. Die beiden Jungs, Miles (Jeremy Irons’Sohn Max) und Alistair (Sam Claflin) stürzen sich voller Neugier und Vorfreude in diese scheinbar von Freiheit und Erfolg umgarnte Welt.

Der Höhepunkt der Clubaktivitäten ist das jährliche Treffen der Mitglieder in einem traditionellen englischen Pub. Das Konzept dieses Treffens ist denkbar einfach –  sich zu feiern, ein Besäufnis zelebrieren, die Sau rauslassen, nach dem Motto:  Da wir in der Zukunft „grosse Tiere“ werden, können wir uns später keine Eskapaden erlauben. Also werden wir jetzt zu Tieren. Unsere Jugend, Attraktivität und Reichtum biegen schon den moralischen Skrupel zurecht.

Das exzessive Trinken und/oder Drogenkonsum ist kein Klassenphänomen an sich, sondern ist immer noch in vielen Kulturen und Gesellschaftsschichten verbreitet und wird dort auch kultiviert. Doch bei den Kids aus dem Riot Club stechen die menschen- und armutsverachtenden  Antriebe deutlich hervor.  Die eigene, quasi genetische Dominanz gräbt jeglichen emotionalen Bezug zum Rest der Welt unter.

Die drei weiblichen Figuren in Film haben das hemmungslose Treiben der selbsternannten Oxford-Elite rasch durchschaut. Als die Freundin von Miles Zeugin der zerstörerischen Wucht der Club-Kollegen wird, ist sie sofort der Ansicht: „Sie sind nicht deine Freude, Miles. Sie kennen keine Grenzen“. Die Tochter vom Wirt, kurz geblendet von der imposanten Erscheinung der jungen Männer, hat schnell erkannt, was diese im Schilde führen und sogar die beorderte Prostituierte ergreift kurzerhand die Flucht.

Ein leiser Wiederstand in dem als Bühne zum dekadenten Reigen dienenden Pub macht sich doch zunehmend breit. Die Stammgäste verlassen empört das Lokal, nach kurzem Zögern lässt sich auch der Wirt nicht bestechen und bietet den Bengeln die Stirn, was ihn fast das Leben kostet. Die staatliche Justiz erfühlt im 21. Jahrhundert ihren Zweck und obwohl die Club-Mitglieder den eigenen Sündenbock Miles ernennen, wird der Richtige verhaftet und aus der Uni verbannt. Daraufhin will Miles nichts mehr mit dem Club zu tun haben.

Dennoch lässt der Film wenig Raum für Interpretationen. Die feinen Kerle der britischen Oberschicht sind nun mal so, sie halten den Rücken für ihresgleichen frei. Und sie haben nicht vor, daran irgendetwas zu ändern. Das selbstgefällige Grinsen des Alistair am Ende der Geschichte ist ein Appell an die Beständigkeit der Sitten. Der einzige Trost liegt in der Kraft des Filmes, uns davon zu berichten, was für Früchtchen das britische elitäre Bildungssystem zu züchten vermag, uns davor zu bewahren, hinter der glänzenden Fassade eine Aufrichtigkeit und geistige Gesundheit zu vermuten.

Die politische Elite des Großbritanniens besteht übrigens zum Teil aus den „Absolventen“ des Bullingdon Clubs, der ein reales Vorbild des Riot Clubs war:  David Cameron (Premier), George Osborn (Schatzkanzler) Premier, Boris Johnson (aktueller Bürgermeister von London)…

Konklusion: Für alle, die schon immer der britischen Monarchie misstrauten, den Snobismus für das Relikt aus vergangenen Tagen hielten und das sture Klassendenken verabscheuten. Abgesehen von politischen und sozialen Konnotationen, imponiert „The Riot Club“ mit schockierender Erzählungsintensität, klarer Struktur und naturalistischen Bildern des Abgrunds.

Prescription: friends of vulgarity, snobs, parents with too less money for sending their kids to a distinguished university and therefore get an excuse not to do so, for people highly interest in the youth and the grow up of David Cameron and Boris Johnson.

The Riot Club, GBP 2014, Länge 107 min., Director: Lone Scherfig with Max Irons, Sam Claflin, Douglas Booth

When Modern Art meets Cinema – Under the Skin

Wenn in nicht allzu ferner Zukunft die emanzipatorische Mission der Frauen ihr Ziel erfüllt hat und das Kräfteverhältnis zwischen Mann und Frau endlich in die naturgemäss korrekte Position gerückt ist, sprich die Männer ohne explizite Bewilligung ihrer Frauen die Häuser nicht mehr verlassen dürfen und sich das demokratische Wahlrecht nur noch auf das aufgeklärte weibliche Geschlecht beschränkt (auch Autofahren dürfen Männer nur noch an speziellen „Men-Fun-days“ ), könnte dem neuen Film von Jonathan Glazer „Under the Skin „ retrospektiv die prophezeiische Rolle zugesprochen werden, als erstes öffentliche Medium auf eine revolutionär unvermittelte Art den bevorstehenden gesellschaftlichen Wendepunkt der jahrhundertelang festgefahrenen Genderkonstellation aufgezeigt und gleichzeitig  – in einem gewissen Sinne – auch plausibilisiert zu haben.

Solche Gedanken schiessen einem beim Betrachten dieses Filmes spätestens dann durch den Kopf, wenn das von Scarlett Johansson verkörperte Alien scharenweise Männer nach kurzer Anrede in eine abgelegene verfügbare Unterkunft lockt und sie dort wie hypnotisierte ferngesteuerte Spielpuppen mit aufgerichtetem Marschkörper in eine schwarze, klebrige, undefinierbare Masse waten lässt, hinein in die eigene Selbstauflösung, in den sicheren Tod. Gefangen in ihrer biologischen Triebhaftigkeit, den Blick starr und geil auf das sich enthüllende Alienweibchen gerichtet, unfähig zur Erfassung weiterer Informationen. Stehengeblieben im Primatenstatut. Mann halt.

Dabei ist die naheliegende Thematik in diesem Film eine andere: Das erwähnte Alien fährt in einem weissen Van durch Schottland und gabelt wahllos Männer auf, welche dann das oben erwähnte Schicksal erleiden. Aber ihre Mission, so scheint es, ist nicht von bösartiger Natur, sondern mehr das Erkunden des Menschen oder des Menschseins aus der Sicht einer Ausserirdischen. Gefolgt wird sie von einem „Aufpasser“ auf einem Motorrad, welcher sicherzustellen scheint, dass sie ihre Aufgabe als Köder effizient und unbehindert ausführen kann. Dies klappt solange gut, bis das Alien selber emotionale Regungen anfängt zu verspüren und sich auch eine Form der Empathie mit ihren menschlichen Gegenübern einschleicht. Als sie ein schon sicheres Opfer aus Mitleid laufen lässt, wird aus der Jägerin plötzlich eine Gejagte…

Jonathan Glazer, nach seinem Regiedebut „Sexy Beast“ (2000) mit Ben Kinsley und „Birth“ (2004) mit Nicole Kidman als Regie-Shooting Star gefeiert, benötigte 9 Jahre um diesen Streifen zu realisieren. Einige davon alleine um sich selbst und Scarlett Johansson davon zu überzeugen, dass dies ein lohnenswertes Wagnis sein könnte. Was sicherlich gesagt werden kann ist, dass sich Scarlett Johansson mit der Zusage zu dieser Rolle einmal mehr von den meisten ihren derzeitigen weiblichen Shootings-Star-Kolleginnen  absetzt und selten gesehener Mut zur Radikalität auf der Leinwand zeigt. Und dies wahrhaftig überzeugend.

Gedreht wurde der Film u.a. mit Laiendarsteller und an öffentlichen Plätzen in Glasgow (teilweise ohne Drehgenehmigung). Im Einsatz waren auch versteckte Handkameras, zum Beispiel in den Szenen, in denen Scarlett Johansson aus dem Van hinaus völlig ahnungslose männliche Protagonisten nach dem Weg frägt und sie so in ein Gespräch verwickelt, oder auch wenn sie – und dies scheinbar völlig unerkannt – durch irgendwelche Shopping-Hallen wandelt oder vollgedrängte Discos besucht. Dieser rohe Authentizismus verleiht dem Film eine zeitweilen fast dokumentarische Note, welche dann aber wieder durch die experimentell und kunstvoll arrangierten Aufnahmen der vom „Alien“ wahrgenommen Sicht auf die Welt gebrochen wird.  Unterlegt ist dies alles mit der gespenstisch fremdartigen Klangwelt von Mica Levi, welche die Verwirrung, Orientierungslosigkeit und schlussendlich auch Einsamkeit des Aliens noch mehr hinausstreicht. Formal betrachtet würde es einen nicht verwundern, wenn „Under the Skin“ in ein paar Jahren als fixen Bestandteil im Repertoire des MoMa (Museum of Modern Art) oder an der Art Basel als permanente Video-Installation gezeigt werden würde.

„Under the Skin“ wurde an den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2014 präsentiert und erhielt neben zahlreichen Buhrufen und anfänglich hauptsächlich vernichtenden Kritiken, mit der Zeit immer mehr auch gegenteilige Resonanzen, welche das Werk als eines der grossen möglichen Meilensteine in der Kinogeschichte bezeichneten und sehr häufig wurde auch auf die – offensichtliche – Verwandtschaft mit  den Werken von Stanley Kubrick verwiesen. Die „Chicago Sun-Times“ nannte den Film als ein Werk, das in unsere Psyche eindringt und für immer dort bleiben werde und die „NZZ am Sonntag“  klassifizierte ihn, als den visionärsten Sci-Fi Film seit Kubricks „2001 Odyssee im Weltraum“. Ansonsten sind die Begriffe „verstörend, faszinierend, schockierend, erschütternd und rätselhaft“ die bevorzugten Adjektive bei den Rezensionen dieses Streifens.

Sicher ist, wer mit moderner Kunst im herkömmlichen Sinne nichts anzufangen weiss, wird auch hier keine lustvolle Zeit erleben. Wirklich nur für progressive Cineasten geeignet.

Konklusion: „Under the skin“ ist ein Versuch der Kern des Menschseins zu erfassen. Fast ohne Dialog, experimentell in der Form, radikal in der Umsetzung, aber nicht zuletzt tief berührend und zärtlich in der Aussage. Eine Ode an die Menschlichkeit. Wenn man sich darauf einlässt.

Prescription: alienation, loneliness, uptightness, intolerance, force to see Scarlett Johansson nude, anxiety for extraterrestrials, loss of humanity, modern art Lovers

http://undertheskinmovie.com/

Till Death Do Us Part – Gone Girl

 

Es gibt eine kleine erlauchte Gruppe von Regisseuren, wo man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass jedes ihrer Werke ein hohes Mass an unterhaltsamen spannenden Filmgenuss verspricht, selbst dann noch, wenn sie die Herbstedition des Neckermann-Kataloges verfilmen würden.

Einer von dieser Gruppe ist zweifelsohne David Fincher. Seine Filmografie liest sich wie die Auflistung der besten – oder die sich zuweilen am tiefsten ins Gedächtnis eingenisteten – Thriller-Klassiker seit den 90-er Jahren,  u.a. „Se7en“, „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“ und „The Girl with the Dragon Tattoo“. Zusätzlich sind da noch die “non-thriller” Evergreens à la „The Curious Case of Benjamin Button“, „The Social Network“ zu erwähnen, nicht zu vergessen die aktuell laufende vielgepriesene TV-Politshow „The house of cards“ auf Netflix.

Wenn also der ehemalige Werbe- und Musikclipregisseur einen neuen Film präsentiert, ist Grund zur Freude angesagt, sofern man Freude hat,  an düsteren, zynischen und abgefahrenen Ausflügen in die dunklen Seiten der menschlichen Existenz, welche von Fincher inszenatorisch immer mit einer distanziert kühlen,  wuchtig kraftvollen und hyper-stylischen Art umgesetzt werden, die bevorzugten Farbtöne sind Grau, Blau und Braun. Zudem zieht sich durch sein Oeuvre seine Vorliebe für „ungewöhnliche“ sprich unvorhersehbare Geschichten, welche gerne die konventionellen Erzählstrukturen strapazieren, die Erwartungshaltung der Zuschauer unterwandern und auch gerne zwischen verschiedenen Genres umherspringen und fast immer mit einem unterwartet abgefahrenem Ende aufwarten können.

So ist also auch „Gone Girl“, die Verfilmung vom gleichnamigen Bestseller-Roman von Gillian Flynn (welche auch das Drehbuch mitverfasste), wo ein Ehemann (Ben Affleck) aufgrund seiner am helllichten Tag spurlos verschwundenen Ehefrau (Rosamunde Pike) unter Mordverdacht gerät, in der Grundkonzeption als klassischer Whodunit Psycho-Thriller angelegt, er entwickelt sich aber dann schleichend immer mehr in Richtung eines Psychogrammes eines sich entfremdenden Ehepaares oder der Sezierung des zwischenmenschlichen Beziehungsschemas ganz grundsätzlich, versetzt mit Ansätzen einer Mediensatire, bis er dann über Fetzen von Horror-Slasher Versatzstücken in einem typisch zynisch-perfiden Fincher-Finale mündet…

Getragen wird der – keine Sekunde langweilige – 150 Min. lange Streifen absolut souverän von Ben Affleck und Rosamunde Pike (ex Bond Girl Miranda Frost – Die Another Day), „der dem Zuschauer in von den Twists, Ueberraschungen und der konsequenten Darstellung moralischer Verdorbenheit Schwindelgefühle verursacht“ (Empire Magazin).

By the way: Ausführende Produzentin ist Reese Witherspoon, welche sich die Recht an dem Roman als erste unter den Nagel gerissen hatte. Sie war auch im Gespräch – neben Nathalie Portman, Charlize Theron und Emely Blunt, die Hauptrolle der Amy Dunne zu übernehmen.

Conclusion: Fincher ist zurück mit der Demontage einer amerikanischen Vorzeigeehe. Hochspannend, perfide, abgedreht, verwegen, smart und stylisch gepaart mit einem gehörigen Schuss schwarzem Humors. Frisch verheirateten, glücklichen oder gar verlobten Paaren wird dringendst vom Konsum dieses Filmes abgeraten!

Prescription for: Lover’s Grief, marriage problems, problems with the parents-in-law, facing a media shit storm, people under pressure

http://www.gonegirlmovie.com/

Manos Sucias

Ein weiteres Highlight des diesjährigen ZFF Zürich Film Festival war die Kolumbianische Produktion „Manos Sucias“. Aufgrund meiner Liebe zum Land Kolumbien bin ich natürlich etwas voreingenommen – dennoch ist der Film absolut sehenswert. Ich selber habe mich in der Nähe des Schauplatzes 7 Tage lang aufgehalten und hatte während den 84 Film-Minuten ständig das Gefühl ich sei selber wieder vor Ort an der Küste in Kolumbien. Dem Regisseur Josef Wladyka ist mit seinem Erstlingswerk ein sehr realistisches Drama respektive spannender Thriller gelungen.

Zum Inhalt: Die beiden dunkelhäutigen Kolumbianer, der Fischer Jacobo und der Hobby-Rapper Delio, haben in der Hoffnung auf das schnelle Geld den Auftrag gefasst, eine grosse Menge Kokain mit einem Fischerboot zur Grenze Panamas zu schmuggeln. Je länger der Auftrag dauert, desto mehr erkennen sie die hoffnungslose und gefährliche Situation in die sich die beiden begeben haben. Als dann das ganze Kokain plötzlich weg ist, haben sie nur noch ein paar Stunden Zeit um das Kokain zurückzuerobern. Es beginnt ein spannender Wettkampf gegen die Zeit!

Die Gegend selber ist tatsächlich ein heisses Pflaster. Als ich mit meiner Freundin selber da war haben wir viele dubiose Gestalten kennengelernt, die vermutlich selber auch in ähnliche Geschäfte verwickelt sind. Bis vor wenigen Jahren war die Gegend für ausländische Touristen nicht erschlossen und viel zu gefährlich. Noch heute ist die Route an der Pazifikküste eine der wichtigsten Verbindungen des Kokain-Schmuggels Richtung USA. Die ganze Küste ist nur per Boot und kleinen Flugzeugen erreichbar. Wenn man das natürlich selber gesehen hat ist der Film noch packender.

Im Film kommen praktisch keine Frauen vor und um dieses Gleichgewicht ein bisschen auszugleichen hat der Regisseur absichtlich viele kolumbianische Lieder gewählt mit Frauengesang. Die Musik ist im ganzen Film sehr gut und passend gewählt, weshalb ich auch ein paar Lieder als Links verfügbar gemacht habe.

Der durch Spike Lee co-produzierte Streifen lief beim New Yorker Filmfestival „Tribeca“ und wurde dort sehr gut aufgenommen. Auch die Schweizer Presse hat den Film gelobt. Ob er schlussendlich in Europäische Kinos gelangt, ist leider noch nicht bekannt. Seit Anfang Oktober läuft er in Kolumbien und es bleibt zu hoffen dass er sich durchsetzen kann und es auch in die Schweizer Kinos schafft.

Wer gerne Südamerikanische Kost schaut und oft Fernweh verspürt der sollte Manos Sucias unbedingt schauen sobald er anläuft. Wer gerne spannende Thriller schaut, der wird auch auf seine Kosten kommen.

Bleibt mir noch zu sagen, dass Kolumbien in Wirklichkeit ein friedliches Land mit den (statistisch betrachtet) glücklichsten Menschen ist und leider hilft dieser Film nicht, den immer noch schlechten Ruf von Kolumbien zu verbessern. Immerhin ist es gelungen dadurch gute und realistische Unterhaltung zu schaffen!

Sofia’s World… like Angelina Jolie but even stronger

 

Zuerst muss mal klar vorangestellt werden, dass Sofia Coppola meine Lieblingsregisseurin ist, dies jetzt mal abgesehen, dass ich eigentlich nur 3 Regisseurinnen wirklich präsent habe (neben Sofia ist da noch Kathrin Bigolow – Point Break, Strange Days – und Susanne Bier – Brother, In a better World) Nicht nur, weil sie doch sehr adrett ausschaut – sie sieht mit zunehmenden Alter immer besser aus, da ich die gleiche Aussage, als sie die Cousine von Andy Garcia im 3. Teil der Godfather-Serie ihres Daddies Francis Ford Coppola spielte (im richtigen Leben ist sie die Cousine von Nicolas Cage) noch nicht getätigt hätte – und immer sehr geschmackvoll anzogen ist, sondern weil sie einer meiner absoluten All-Time-Favourite Movies gemacht hat und zwar „Lost in Translation“, wo sie der auch nicht gerade verunstalteten Scarlett Johansson zum internationalen Durchbruch verhalf und ich für Jahre einen filmischen Seelenverwandten (Bill Murrey) während den ganz einsamen Stunden auf meinen Geschäftsreisen im Laptop per Knopfdruck konsultieren konnte.

Der gute Geschmack von Sofie spiegelt sich aber nicht nur in ihrer Kleidung – ich würde sie als die stillvollste gekleidete Person im Hollywoodzirkus bezeichnen – sondern auch in ihrem Musikgeschmack, welcher bei sämtlichen Streifen von ihr eine tragende aber nicht aufdringliche Rolle spielt. Für ihren Durchbruchsfilm „The Virgin Suicides“ hat die französische Elektroband „Air“ ein eigenes gleichnamiges Album, auf welchem teilweise die Dialoge vom Film verwendet werden, veröffentlicht. Bei „Lost in Translation“ steuerte neben „Air“ auch „Phoenix“ zum Soundtrack bei. Für „Marie Antoinette“,  welcher so oder so ein auf spielfilmlänge ausgedehnter knallbunter Videoclip ist, untermalte „Air“, „Steve Severin“ (u.a. Gründer von Siouxsie and the Banshees und The Glove) und „New Order“ das Geschehen und in „Somewhere“ übernahm wieder „Phoenix“ das musikalische Zepter, mit dessen Leadsänger sie auch seit 2005 verheiratet ist (nach Spike Jonez – Regisseur von „Beeing John Malkovic“ und „Her“ und nach einer Affäre mit Quentin Tarantino, was ihr zumindest den Gewinn des Goldenen Löwen für „Somewhere“ an den Filmfestspielen von Venedig einbrachte, wo Tarantino den Vorsitz der Jury innehatte).

Und ihr guter Geschmack zeichnet sich nicht zuletzt auch in ihrem Stil aus, wie sie ihre Filme arrangiert und inszeniert, da man innerhalb kürzester Zeit ihre Handschrift bei jedem ihrer Filme sehr schnell erkennt. Es ist diese unbelastet unvermittelte und – dies im positiven Sinne gemeint – noch kindliche Art, die Welt und das Geschehen darin zu betrachten, neugierig, respektvoll, zärtlich und vor allem ohne jegliche Hast oder bedeutungsschwangeren Effekten oder sonstigen künstlerischen Spielereien. Eine völlig entschlackte Art des Erzählens, so als würde man einfach durch ihre Augen die Geschichten erleben und an denselben Stellen der Geschichte wie sie innehalten und dieselben Passagen wie sie einfach überspringen. Auf diese ungekünstelte Weise hat jeder ihrer Filme diese magische Balance aus nachhallender Intensität und federleichter Unbeschwertheit. Quasi das pure Gegenteil von ihrem Vater…wie so oft  in Familien.

Dies ist auch der Grund, hier ihr neuestes Werk zu erwähnen, obschon es in ihrer bisherigen Vita der deutlich schwächste Film ist, aber der schwächste Film von Sofia bewegt sich halt immer noch in den besten 10% von sämtlichen filmischen Ausflüssen.

Schwach ist „The Bling Ring“ deswegen, weil er wirklich keinerlei Ambitionen in sich trägt, an irgendeiner Stelle der Geschichte, irgendein – sei es wie immer gearteten – Tiefgang zu entwickeln, irgendwelche Fragen zu den Beweggründen der Handlungen der Hauptakteuren zu stellen, ja er verzichtet eigentlich sogar darauf, irgendeinem Protagonist dieses Filmes (und es sind doch ein paar) eine wirkliche Charakterisierung oder tieferen biographischen Hintergrund zu verleihen. Stark ist er wiederum genau wegen den oben genannten Punkten, da er in seiner konsequent wertfreien Schilderung einen schon fast dokumentarischen Touch hat, dies einfach kunstvoll arrangiert mit dem handwerklichen Talent von Mme. Coppola.

„The Bling Ring“ erzählt schlicht und einfach den auf einer „Vanity-Fair“- Story basierenden wahren Fall einer Jugendgang in den Hügeln von L.A., welche aus übermässiger Verzückung vom „In touch“-Promikult, verbunden mit einer chronischen Ueberfluss-Langweile und einem ganz leicht pathologischen Verlangen nach Luxus- und Markenartikel, beschlossen in deren Abwesenheit in die Anwesen von Paris Hilton, Lindsey Lohan & Co. einzusteigen (der Schlüssel liegt unter dem Teppich beim Eingang – Fakt!) um dort einerseits die Bleibe zu besichtigen und anderseits natürlich ein paar der persönlichen Gegenstände, anfänglich vor allem Kleider, Handtaschen und Sonnenbrillen, mit der Zeit aber auch Schmuck und Bilder „zu stipitzen“, nur beim Hausaffen von Paris Hilton, den sie schon am raustragen sind, halten sie inne und lassen für einen kurzen Moment den Restbestand ihrer im dortigen Moment noch aktiven Gehirnwindungen spielen und lassen ihn dann – in der Befürchtung das der Mehrwert dieser Beute doch eher limitiert sein könnte – dort.  Es versteht sich von selber, dass die ganze Geschichte vom lustigen Jugendstreich und quasi Mutprobe immer ausgeprägtere Formen annimmt und die ernsthaften Konsequenzen nur eine Frage der Zeit ist, zumal sie ihre Heldengeschichten auch in ihrer ganzen Clique mit stolzer Brust verkünden und auch gleich die erbeuteten Accessoires überall vorführen inkl. Bildchen im Facebook. Aber auch als dann über die amerikanischen TV Sender Bilder von ihren Raubzügen ausgestrahlt werden – aufgenommen von den jeweiligen Ueberwachungskameras der „Promi-Häuschen“ – und die Luft langsam dünn wird, treiben sie ihren Luxusrausch unbeiirt weiter, bestehend aus weiteren Raubzügen (u.a. auch Orlando Blooms Villa, die von Paris Hilton etwa 4 x) und den anschliessend Siegesfesten in den L.A. Clubs – selbstverständlich mit den obligaten Drogen, welche dann mit der Zeit auch einen immer grösseren Einfluss auf ihr Verhalten einnehmen…Sucht halt und so. Auch als dann nach fast 2 Jahren ungehemmten Party-Robbering mit einer immer grösser werdenden Gang (da jeder doch auch mal bei Paris zuhause an ihrer Polestange tanzen will) dann doch das FBI dem lustigen Treiben ein Ende bereitet und sämtliche Mitglieder festnimmt, stellt sich die grosse Einsicht und Reue immer noch nicht wirklich ein – zumindest nicht bei den coolen Girls, weil dies eigentlich ja zum Werdegang und Erfahrungsschatz eines jeden durchschnittlichen L.A. Collegegänger gehören sollte, da dies ja schliesslich auch wichtige charakterbildende Lebensbildungselemente beinhalte. Dies mündet dann auch in diesem weltpolitisch bewegenden Statement, welches eines der Hauptakteurinnen Alexis Neiers  (Harry-Potter Emma Watson) bei ihrer Verhaftung den Medien heroisch (und selbstverständlich ironiefrei) verkündet:

“I’m a firm believer in Karma and I think that this situation was attracted in my life because it was supposed to be a huge learning lesson for me to grow and expand as a human being. I don’t think the universe could have really chosen a better person than me because for this — it’s not just affecting me, it’s affecting the media, it’s affecting everyone — and I think that I’m meant to bring truth to all this.

“I think that my journey on this planet is to be a leader. I see myself being like Angelina Jolie but even stronger, pushing even harder for the universe and for peace and for the health of our planet.

“God didn’t give me these talents and what I look like to be sitting around and just being a model or be famous or whatever path I want. I want to do something that people notice, so that’s why I’m studying business because eventually I want to be a leader. I want to lead a huge charity organization. I want to lead a country, for all I know. I don’t know where I’m going just yet, but eventually I can see myself taking a stand for people.”

 

Dieses Statement wurde wortgetreu von Alexis Neiers übernommen, welches sie im Vanity Fair Interview spontan so geäussert hatte (trotz Versuchen Ihres Anwaltes sie zum Schweigen zu bringen) und man kann es wahrhaftig so stehen lassen. Die besten Geschichten (und Dialoge) schreiben wir halt immer noch selber.

Conclusion: The Bling Ring ist für Leute, die gerne Magazine wie das „In-touch“ und „Vanity Fair“ lesen (oder Glanz&Gloria gucken) und trotzdem mal einen Schulabschluss gemacht haben, im idealen Fall sogar einen Sensor für Ironie haben. Ebenfalls werden Leute diesen Film mögen, welche die Bücher von Bret Easton Ellis schätzen, aber einfach mal kein Bock auf etwelches Ausloten der menschlichen Abgründe und schockierende Elemente haben und auch für Leute, welche sich einfach ganz generell für Innendeko und Mode interessieren.

 Prescription for: fashion- and interior fetishists, hang-over, searching for a light und harmless Sunday eve entertainment, clebtomania, alcohol- and drug problems, LA./Beverly Hills/Bret Easton Ellis Mania, People-Magazine addicts, striving for endorsement

http://theblingring.com/

Vonarstræti / Life in a Fishbowl

 

Bereits zum zehnten Mal findet das ZFF Zürich Film Festival statt, für den Filmfreak die schönste Woche des Jahres. Als passionierter “Arthouse” Film Schauer und Liebhaber von Filmen fremder Kulturen komme ich an diesem Festival immer zum Genuss sehenswerter Filmperlen. Herausragend in diesem Jahr im “Internationalen Spielfilm” Wettbewerb war sicherlich der Isländische Streifen “Vonarstræti / Life in a Fishbowl” welcher meiner Meinung nach den Siegerpreis verdient hätte.

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Die drei parallel verlaufenden Erzählstränge verflechten sich im Verlaufe des Filmes immer enger miteinander. Zum einen die Geschichte der 24-jährigen alleinerziehenden Mutter und Kindergärtnerin “Eik”, die sich nachts als Prostituierte verkauft um so Ihren Kredit der Bank abzahlen zu können. Die zweite Geschichte erzählt die des Schriftstellers Mori, der zwar nie nüchtern angetroffen wird, aber in Wirklichkeit sehr intellektuell ist. Er hat soeben sein neustes Werk fertig geschrieben indem er seine Lebensgeschichte beschreibt und dieses Manuskript wird von seinem Verleger in den Himmel gelobt. Die dritte Erzählung beschreibt das Leben des Ex-Fussballer Sölvi welcher ein glückliches Familienleben führt und als sehr erfolgreicher Banker arbeitet.

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Nach und nach erfährt man mehr über die Gründe der Trunkenheit des Schriftstellers und wie er im Rausch vor Jahren seine Tochter verloren hat. Auch wird die düstere Vergangenheit von Eik aufgerollt und natürlich kommen sich Mori und Eik durch eine zufällige Begegnung näher und es entsteht eine Freundschaft und Eik vertraut dem Schriftsteller während ihrem 5-tägigen Florida Trip Ihre Tochter an. Zeitgleich befindet sich auch der Banker Sölvi mit seinen Arbeitskollegen in Florida und trifft dabei auf Eik. Viel mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten.

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Während den 130 Minuten Spielzeit reiht sich ein Puzzle Teil ans nächste und wird dadurch nie langweilig. Dem Regisseur Baldvin Zophoniasson ist ein bemerkenswerter Film gelungen den man weder einem Drama noch Liebesfilm zuordnen kann.  Zophoniasson hat mit der Wahl der Schauspieler ein goldenes Händchen bewiesen. Der Streifen ist zeitweise sehr hart und traurig aber nach kurzer Zeit immer wieder fröhlich und lustig. Dank einem sehr glücklichen Ende bleibt er einem  als Feelgood Movie in Erinnerung.

Zu hoffen bleibt, dass es der Film in die Kinos bringt und möglichst viele Leute zu sehen bekommen. Ich würde ihn sicherlich ein zweites Mal schauen gehen!

Catharsis in the bleakness of a star-bright night somewhere in the south

Watch it and try not to loose your faith in live!

“To realize that all your life – you know, all your love, all your hate, all your memory, all your pain – it was all the same thing. It was all the same dream. A dream that you had inside a locked room. A dream about being a person. And like a lot of dreams there’s a monster at the end of it”

Mit diesen Worten endet die 3. Folge der 8-teiligen Miniserie „True detective“, welche im Frühjahr 2014 auf HBO seine Premiere feierte und im August in Europa auf DVD/BlueRay erschienen ist.

Es sind die Worte von Rust Cole – selber benannt als „The Michael Jordan of being a son of a bitch“ – einer der beiden titelgebenden „True“ Detektiven, welcher seine Umwelt in verlässlich regelmässigen Abständen mit teilweise zutiefst irritierenden, immer nihilistisch geprägten und vorzugsweise pessimistisch philosophischen Ergüssen beglückt, was zugleich auch das Herzstück und unverwechselbare Erkennungsmerkmal dieses Epic-Film Noir und vor allem Psychogramm zweier Männer über den Zeitraum von 17 Jahren ist, welcher der neu gewonnenen und geschätzten künstlerischen Freiheiten der TV-Serien Formate der amerikanischen Bezahlsender (HBO/Showtime/Netflix) nochmals eine neue Note verleiht und sich radikaler als die bisher bekannten und gelobten Formate (Mad Men, Breaking Bad, Games of Throne etc.) von den konventionellen Erzählstrukturen verabschiedet.

Der vordergründige Plot ist zwar eine klassische Whodunit Geschichte im Gewand eines düsteren Psychothrillers à la „Seven“, mit der obligat schaurigen Leiche am Beginn – wie immer eine junge Prostituierte, pathologisch-dekorativ und symbolbeladen in einem Maisfeld vor einer ausladenden Eiche unter dem kalt blau-grau eingefärbten Abendhimmel von Louisiana „arrangiert“, – und der anschliessenden klassischen Suche von 2 Mordermittler nach dem Täter, welcher – wie sich schon bald herausstellt – mit okkulten Ritualmorden in Verbindung zu stehen scheint. Die Serie schlägt ein sehr gemächliches ja schon fast meditatives Tempo ein und lässt sich viel Zeit für die Befragungen von Zeugen, erstes Zusammentragen von Indizien, Schilderungen über die lokalpolitische Auswirkungen in der betroffenen religiös konservativ verbrämten Kleinstadt, man darf sie guten Gewissens auch als Kaff betiteln (Cole: „This place is like somebody’s memory of a town, and the memory is fading. It’s like there was never anything here but jungle“) mit dem dazugehörigen Druck der politischen Machtstellen auf die Polizeibehörde für eine schnellen Auflösungen des Falles. Vor allem aber steht von Anfang an die Charakterisierung der 3 Hauptdarsteller, Rust Cole (Matthew McConaughey), sein Partner Martin Hart (Woody Harrelson)  und dessen Ehefrau (Michelle Monaghanj), welche alle 3 den ursprünglichen eingangs erwähnten Mordfall vor einer polizeilichen Untersuchungskommission – in die im Verhörraum aufzeichnende Kamera – kommentieren müssen, da dieser sich im Jahre 1995 ereignete und in 2002 vermeintlich „gelöst“ wurde, was sich aber mit den ersten gleichgelagerten Morden, welche ab 2012 wieder auftauchen, als Trugschluss erweist. Da Cole und Hart sich wegen eines heftigen Streites (was könnte der Auslöser sein…?) vor 8 Jahren trennten und nie mehr wieder sahen, beide zwischenzeitlich auch nicht mehr als Ermittler in Staatsdiensten tätig sind und Cole für Jahre komplett von der Bildfläche abtauchte und für niemand mehr auffindbar war, stellt sich bald heraus, dass ihn die Behörden beim Aufflammen der neuen Mordserie im Verdacht haben. So stellen sich die angekündigt informellen Befragungen schleichend als ein offizielles Verhör dar mit der Absicht Cole zu entlarven. Dieser war aber zu seiner aktiven Zeit selber als effektiver Verhörexperte berüchtigt, insbesondere wegen seiner manipulativ perfiden Technik…

Die Befragung der 3 Hauptpersonen in der Jetztzeit zum zurückliegenden Fall, ist dann auch einer der inszenatorischen Kniffs, da sich diese immer mehr zur Plattform für ausgiebige Monologe und Reflektionen über den Verlauf ihres eng mit dem Fall verknüpften privaten Lebens entwickelt, welches unvermeidbar mit schmerzhaften Brüchen, Enttäuschungen und Desillusionierungen durchsetzt ist und schlussendlich unausweichlich auch zum Auseinanderbrechen ihrer gemeinsamen Verbindungen führen musste. Dieser stetig kommentierende dramaturgische Unterbau, teilweise überlagernd oder parallel verlaufend zum Hauptplot, verleiht diesem eine philosophische Vertiefung und verschiebt die Geschichte weg vom konventionellen Psychothriller, hin zum intensiven, wortgewaltigen Kammerspiel und Psychogramm von 3 gescheiterten Existenzen, für welche sich aber die Möglichkeit zur seelischen Reinigung noch nicht komplett verschlossen hat…

Es ist beinahe obsolet zu erwähnen, dass das Schauspiel der 3 Hauptfiguren (McConaughey, Harrelson und auch Monaghani) sich hier auf höchster Ebene abspielt, wobei McConaughey schon alleine vom Plot und Charakterisierung dominant auf die Bühne gehievt wird, was er aber nicht nur mit einer erwartungsmässig starken Leistung (Oscarpreisträger für „The Dallas Buyers Club“ 2014) quitiert, sondern derart intensiv und abgefahren in seiner Figur aufgeht, dass er – falls dies kein TV – Konzept wäre – auch für den Oscar 2015 in der Pole-Position stehen würde. Sein Verkörperung dieses selbstzerstörerischen, nihilistischen Soziopathen, welcher im Dauerrasch, kettenrauchend, von Visionen geplagt, pessimistische Weisheiten à la Nitsche von sich rezitierend und trotz alledem komplett fatalistisch und obsessiv dem Täter nachjagendem menschlichem Wrack, ist gerade deshalb so wuchtig und kraftvoll, weil sein Spiel ungemein zurückhaltend, ja fast schon gespenstig abwesend aber umso mehr empfindlich und präzise angelegt ist. Es ist schon erstaunlich, wie sich dieser McConaughey vom stetig oben entblössten, kiefenden Bongospieler, dauergrinsend die Wunschwahl in schmerzfreien „Wohlfühl“-Romantic-Comedy Filmen à la „The Wedding Planner“, „The Womanizer“ oder „Wie werde ich ihn los in 10 Tagen“ zum monströsen agnostischen Misanthropologen mutierien konnte. Quasi die Verkörperung des diametralen Werdeganges von Nicolas Cage. Dies ist aber wieder ein anderes Kapitel (By the way, Wendepunkt in seiner Karriere war der 2012 erschienen Streifen „Mud“ von Jeff Nichols, welcher auch Chris Nolan davon überzeugte McConaughey in seinem Ende 2014 erscheinenden Sci-Fi Drama „Interstellar“ die Hauptrolle anzuvertrauen)

Geschrieben wurde der Plot zu True Detective alleine von dem amerikanischen Schriftsteller Nic Pizzolatto, geboren 1975, welcher für seinen Roman „Galveston“ von der New York Times mit Grössen wie James Ellroy verglichen worden ist und an der University of North Coarolina kreatives Schreiben unterrichtet. Erstaunlich und einzigartig ist diese Tatsache sicherlich insofern, dass normalerweise an solchen sehr kostspieligen Referenz-Serien der grossen US-Sender grössere Teams von Creative-writers arbeiten. Er war es auch, der unter anderem auch T-Bone Burnett ins Boot für das musikalische Konzept holte, T-Bone Burnett, der Altguru der amerikanischen Country- und Folkszene u.a. ehemaligen Produzent von Bob Dylen, Elvis Costello und auch Verantwortlich für Soundtracks von „O Brother, Where art thou“, „Inside Llewyn Davis“ (Coen-Brothers) , „Walk the line“ (Johnny-Cash-Biography) und „Crazy Heart“ (Oscargewinn).

Regie führte durchgehend bei allen Folgen Cary Joji Fukunaga, Sohn eines Japaners und einer Schwedin, welcher 2009 mit dem Film „Sin nombre“ der internationale Durchbruch schaffte  und 2010 „Jane Eyre“ mit Mia Wasikowska und Michael Fassbinder in die Kinos brachte. Erklärtes Vorbild und grösster Beeinflusser seines Schaffens sei ganz klar „David Lynch“ und dessen „Twin Peaks“.

„True detective“ ist als sogenannte Anthologie konzipiert, was bedeuted, dass in der geplanten 2. Staffel ein neuer Plot, mit neuen Darstellern (voraussichtlich Colin Farrell und Vince Vaughn) und neuem Set Up entwickelt wird.

„The man is the cruelest animal“ – Der Subliner, in welchem in den USA für die Serie geworben wird, trifft die Essenz haargenau (Pizzolatto wird sich wahrscheinlich auch für Vermarkting das „final go“ ausbedungen haben) und bringt die Radikalität dieser Serie auf den Punkt: Es sind nicht die gezeigten Brutalitäten, die Gräueltaten des Serienkillers, welche schockieren, auch nicht die relativ freizügigen Sexszenen oder die harsche unzensierte Wortwahl der Protagonisten, es ist schlussendlich die Abkehr von jedem Prinzip des Menschlichen und Tröstlichen, sei es Liebe, Gott, Familie, Kinder oder Moral, nennen wir es die humanistischen Eckpfeiler der Menschheit, die hier bis fast zur Unerträglichkeit durch Cole’s Zynismus ausradiert und zur Lächerlichkeit preisgegeben werden. Ist in den bisher bekannten Psychothriller immer noch der Ausgleich da zwischen dem perversen, unmenschlichen Täter und den gegenüberstehenden Ermittler, welche bisweilen auch mit moralischen Grundsatzfragen und allzu menschlichen Schwächen zu kämpfen haben, aber schlussendlich immer noch ihrem Glauben an Menschlichkeit und Gerechtigkeit nachfolgen, lösen sich in True Detective sämtliche moralische Trennlinien in nichts auf. Cole hat den Glauben an alles schon längst verloren und begründet die Tatsache, dass er am Morgen überhaupt noch aufsteht mit einem biologischen Reflex. Phasenweise löst seine radikale Verachtung des Lebens mehr Grauen aus, als das vermeintlich „Böse“ hinter dem er her ist. Aber wie wir wissen, müssen wir nicht nur uns selbst, sondern alles, an das wir seit je zu glauben dachten, verlieren, um das zu finden, was wir wirklich sind…ein Weg durch die Dunkelheit, schmerzhaft und verstörend…und nicht alle werden ans Ziel gelangen.

Nach dem Internetportal GIGA ist True detective ein „Meilenstein in der Entwicklung von Film und Fernsehen“ und, dass es das „Kino neu erfinde“. Ob dem so ist, wird man noch zu beurteilen haben,  da es fraglich ist, wie gross das Publikum für solche existenziellen, desillusionierenden Philosophiediskurse auf längere Sicht wirklich sein wird, denn eines ist klar, wer auf der Suche ist nach einem „spannenden“ Krimi oder einer schaurigen „Horrorstory“ ist, wird sich hier relativ rasch von den Geschehnissen lossagen. Wer aber an Schwermut, düsteren Gedanken und Lebensüberdruss leidet oder sich aber auf seiner Sinnsuche zwischen Zeugen Jehovas, Hatha Yoga, Geistheiler und Veganismus verirrt hat und die ersten schmerzhaften Enttäuschungen erleiden musste und wieder mal einen mentalen Reset benötigt, verbunden mit einer adäquat düsteren Story, elektrisierend trostlose Bilder und verlorenen Charaktere wird hier das richtige Programm vorfinden. Denn eines ist klar,

“The world needs bad men. We keep the other bad men from the door”. Cole.

Conclusion:

Apart from a world with love, relieve and moral integrity the truth is waiting for all of us. True Detective is from the conception a search for a murderer but in fact it’s the path to the darkness of humanity before capturing the capability to see the sparkles of the stars…a painful way to the light. Catharsis in its purity. And the opus magnum of the actor Matthew McConaughey.

Prescription for: depression, weariness of life, chronical pessimism, chronical happiness and naivety, addiction problems (tobacco and alcohol), marriage problems.

To listen: The Handsome Family – Far From Any Road

True detective, US 2014, 480 min. available in DVD/Blue Ray

Official website: Click here

 

 

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