I own a dog – The Age of Adaline

Es gibt diese Geschichten, welche über die Anfänge erzählen, – glückliche, hoffnungsvolle… Die gemeinsamen Sorgen und Ängste liegen weit vorne – in der Zukunft… Nur das gemeinsame Streben nach Einzigartigkeit zählt… Die Jahrtausende alte Mythologie der Liebe trommelt ihre Leibeigenen zusammen, um den Triumph der Leidenschaft aufs Neu zu besingen… Obwohl mittlerweile immer weniger von Romantik und lebenslanger Perfektion auf der grossen Leinwand erzählt wird, entstehen vereinzelt Filme, die die alten Ideale auferstehen lassen und den Glauben an die außergewöhnlichen Wege der Liebe beleben.

Eine erfrischende Möglichkeit, solche Geschichten anderes aufzutischen, wäre sie in eine zeitrelevante Hülle zu verpacken: mal glaubwürdiger, physikalisch nachvollziehbarer („Interstellar“), oft völlig unergründlich,  mystisch („The Curious Case of Benjamin Button“ oder „The Age of Adaline“). In diesen Filmen spielt die Zeit die eigentliche Hautrolle, da sie oft verrückt spielt und den Menschen ihre natürlichen oder von jemandem zugewiesenen Lebensräume entzieht. Meistens sind solche Gebilde mit einer Tragik und Melancholie überzogen, die immer seltener im Kino anzutreffen sind. Deshalb berühren sie uns auf eine eigentümlich nostalgische Art und Weise.

Nach einem Unfall hört Adaline Bowman (Blake Lively – „Gossip Girl“) zu altern auf und bleibt seit 1933 29 Jahre alt. Damit das Geheimnis ihrer ewigen Jugend nicht auffliegt, ändert sie alle zehn Jahre ihre Identität und ihren Wohnort. Was wie ein Traum klingt, bedeutet für die Frau ein einsames und zurückgezogenes Leben. Nur ihre inzwischen ergraute Tochter kennt ihr Geheimnis. Das ereignisreiche Leben von Adaline ist von Anfängen, von Verliebtheiten, die in keiner Liebe ausreifen und mit einer Flucht enden, geprägt. Für die Frau, die nicht älter wird, gibt es keine Zukunftsaussichten . Wieso eigentlich nicht?

Ein vielversprechendes Thema: eine Greisin steckt  in einem jungen, vitalen Körper… Ein junges Gesicht strahlt Geheimnisse der vergangenen Jahrzehnten und Überdruss aus…Dennoch wurden alle diese Spannungsfelder nur oberflächlich behandelt und die grossen psychologischen Fragen nur flüchtig gestreift… Obwohl Adaline viel zu erzählen hat, tut sie das nie. Das einzige, was sie zum Beispiel bei einem Date von sich preisgibt, ist eine knappe Information – „I own a dog“. Man bemüht sich, ihrem Gesicht einiges abzulesen, doch es ist zu schön und zu jung, um die Erkenntnisse des langen Lebens zu beherbergen. Trotz aller möglichen philosophischen Projektionen bleibt der Film ziemlich konventionell. Er spielt in einer perfekten Welt ab, wo die Liebenden nach den Sternen greifen, die Eltern den Kinder nur das Richtige sagen und wo alles mit Sinn und Zweck erfüllt ist. Deshalb ist er nur ein hübsches Konstrukt, dem die wahren Lebenselixiere fehlen.

Umhüllt in Retro-Chic schwebt Blake Lively grazil durch die eigene Geschichte. Aus Harrison Ford, dem Liebhaber Elvis aus der Vergangenheit, ist ein gütiger Mann geworden, der zwar seiner alten Liebe Anabelle nachtrauert, doch beruhigende und anerkennende Worte für seine 40 Jahre mit ihm lebende Ehefrau findet. Michael Huisman, sein Sohn Ellis, ist die aktuelle Liebe von Adaline, die jetzt Jenny heisst, ein netter, humorvoller, natürlich absolut liebenswerter Kerl… Das Eigenartige ist nur, dass alle in „The Age of Adaline“ so vollkommen und aufrichtig sind. Deswegen geht es hier um eine klassische romantische Liebesgeschichte, die wir noch halbwegs abkaufen, weil sie diesen mässigen philosophischen Hintergrund hat – das Ringen mit der Zeit.

Dennoch birgt das Thema viel mehr Potenzial. Wie wäre es, wenn aus Elvis ein verbitterter hässlicher Mann geworden wäre, der gegenüber seinem Sohn Missgunst empfindet, seine Frau nicht ausstehen kann und sich an der Adaline rächen will? Wie wäre es, wenn Ellis ein gerissener Kerl wäre, wie etwa mit einer Neigung zum Alkoholismus oder Stalking? Wie wäre es, wenn die bildschöne, ewig junge und alles wissende Adaline ihre Schönheit, Jugend und Erfahrungen einsetzen würde, um eine Herrscherin zu sein – Salome, Medea oder wie Adaline aus San Francisco stammende Catherine Trameli aus „Basic Instinct“? Vielleicht wäre dann so ein Streifen für die Ewigkeit vorbestimmt und nicht nur für die romantischen Stunden zu zweit?

Konklusion: „The Age of Adaline“ ist eine nette melancholische, dennoch gut ausgehende Geschichte über die Liebe, das Alter und so manche Schicksalswenden. Sie erreicht keinesfalls Tiefen und Vielschichtigkeit des thematisch ähnlichen Liebesstreifen von David Fincher „The Curious Case of Benjamin Button“ (2008). Doch genau diese Art Tragik, welche die in verkehrte Richtung marschierte oder stehen gebliebene Zeit auslöst, ist auch hier zu spüren. Durchaus ist der Film  geeignet für diejenigen, die die romantischen Adern des alten Hollywood und die alles einschliessende Schönheit der Inszenierung schätzen. Ein bitter-süsslicher Film über die Tücken der Zeit, sowie die einleuchtende Kraft der Liebe und die Menschen, die daran glauben. Wenigstens solange sie im Kino sind!

Prescription for: melancholic mood, love venture, age, beauty, romantic lovers

The Age of Adaline, USA 2015, 112 min., directed by lee Toland Krieger, with Blake Lively, Michiel Huisman, Harrison Ford, Ellen Burstyn, Kathy Baker

One thought on “I own a dog – The Age of Adaline”

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    im Bestand hat die folgenden Komponenten

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