Category Archives: Various Recommendations 2014

And some more unmistakable Crickets in the dark in 2014 by THE DREAMING SHEEP

Locke – Ein Mann sieht sich mit seiner auseinanderbrechenden Existenz konfrontiert und versucht dies zu verhindern. Hinter dem Steuer seines Autos, auf der 80-minüten nächtlichen Fahrt zu seiner Geliebten, die auf der Entbindungsstation in einem Spital liegt. Per Autotelefon. Nacht-Kammerspiel mit Tom Hardy. Kann auch als reines Hörspiel konsumiert werden. Auf jedenfalls eine erstaunlich spannende Erfahrung!

Locke, US/GB 2013, 85 min., from Steven Knight with Tom Hardy,  Tom Holland, Olivia Colman, Andrew Scott, Ruth Wilson

Mommy – Wunderkind Xavier Dalon zum 5ten.  Virtuos inszenierte, hochdramatische Mutter-Sohn Geschichte mit mitreissendem Soundtrack und ungewöhnlichem Arrangement.  Dalon reisst hier sprichwörtlich nicht nur die Leinwand auseinander, er katapultiert den Zuschauer emotional förmlich  aus dem Kinostuhl! Man fragt sich gespannt und doch leicht verängstigt, was dieser Wunderknabe in 10 Jahren für Filme machen wird.

Mommy, CAD 2014, 134 min., from Xavier Dolan with Antoine-Olivier Pilon, Anne Dorval

Ray Donovan – First Season – Ein Problem-Fixer für die Schönen, Reichen und Berühmten in L.A. im Spannungsfeld von seinem zu früh aus dem Gefängnis entlassenen Vater, seiner ihm entgleitenden Familie, seiner traumatischen Vergangenheit und amoralischer Tätigkeit. Dichtes Thrillerdrama mit vibrierender Performances von Liev Schreiber und Jon Voight. Atmosphärisch irgendwo zwischen Michael-Mann‘s „Heat“ , Tarantino‘s „Jacky Brown“ und Eastwoods „Mystic River“ angesiedelt.

Ray Donovan, US 2013, 635 min., created by Ann Biderman with Liev Schreiber, Jon Voight,Paula Malcomson, Eddie Marsan, Dash Mihok

Guardians of the Galaxy – Ein Dieb, der sich „Star Lord“ nennt, ein wütender Bodybuilder, ein schiesswütiger Waschbär und ein Baum, der nur ein Satz sagen kann, kommen in die ungewollte Lage, die gesamte Galaxie retten zu müssen. Sie tun dies untermalt mit 70er- und 80er- Jahre-Oldies die aus einem Kassettenrecorder im Bordcomputer ihres Raumschiff erklingen…äh, genau erraten…ein Feel-Good-Movie für Abende, wo man schon einen sitzen hat oder dies noch beabsichtigt! Zudem wollen wir möglichen Vorwürfen über diskriminierenden Tendenzen vorbeugen und dem umtriebigen Marvel-Studio doch auch eine Erwähnung gönnen.

Guardians of the Galaxy, US 2014, 122 min., from James Gunn with  Chris Pratt, Vin Diesel, Bradley Cooper, Zoe Saldana, Benicio del Toro

The Rover – Für Quentin Tarantino ist dieser australische Cannes Beitrag von 2014 „eine aussergewöhnliche visionäre Leistung und der beste post-apokalyptische Film seit Mad Max“. Und wenn sich jemand mit Kino auskennt ist es Quentin oder? Hypnotisches, karges,  nihilistisches Endzeitdrama mit einem überraschend aufspielendem Robert Pattinson als zurückgebliebener und von Anfang an verlorener „Junge“. Verstörender, aber nachhaltiger Beitrag in der inflationären Sektion der Dystopie-Visionen.

The Rover, AU 2013, 103 min.,  from David Michôd with Guy Pearce, Robert Pattinson

Finsterworld – Habe Sie schon mal Kekse mit von alten Damen entfernter Hornhaut gegessen? Haben Sie schon mal eine Kollegin bei einem Besuch einer KZ-Gedenkstätte spasseshalber in einen Krematoriumsofen eingesperrt? Pflegen Sie eine geheime Leidenschaft für Tierkostüme und schätzen an abgelegenen Orten mit Gleichgesinnten diese zu pflegen und mit diesen im Kostüm zu kuscheln? Würden Sie dies Ihrer Lebenspartner mitteilen? Wenn Sie solche Fragen mit „Ja“ beantworten können oder Sie Geschichten über Menschen interessieren, die diese Frage mit „Ja“ beantworten würden, dann verpassen Sie diese deutsche Perle ja nicht! Immerhin ausgezeichnet mit dem Goldenen Auge beim  Zurich Filmfestival 2013 in der Sektion „besten deutschsprachigen Film“.

Finsterworld, D 2013, 95 min., from Frauke Finsterwalder with Christoph Bach, Margit Carstensen, Jakub Gierszal, Corinna Harfouch.

Winterschlaf: Nuri Bilge Ceylans Film spielt in der Einsamkeit des anatolischen Kappadokiens, wo ein sechzigjähriger ehemaliger Theaterstar mit seiner geschiedenen Schwester und seiner wesentlich jüngeren Ehefrau ein bizarres Höhlenhotel betreibt und  Kolumnen schreibt.  Eine höchst ausgedehnte, meditative Charakterstudie über den Zerfall einer Ehe, den Zustand der derzeitigen türkischen Gesellschaft, aber auch ein Querschnitt über die Fehlbarkeit des Menschen an sich und die generelle Wortlosigkeit, welche auch hinter in den gnadenlosesten Dialoggefechten stecken kann. Verzweifelte Poesie der Frustration und Einsamkeit in der dies wiederspiegelnden trostlosen archaischen Landschaft. Man spürt hier Dostojewksi  und Anton Tschechow in jeder Szene.  Ein Film, der mit 196 Minuten nur was für geduldige Zuschauer ist. Aber wie man ja weiss, den Geduldigen gehört das Leben, die Liebe und vor allem die Kunst! Goldene Palme von Cannes 2014!

Winter Sleep, Türkei 2014, 196 Min, von Nuri Bilge Ceylan, mit Haluk Bilginer, Demet Akbag, Melisa Sözen

http://thedreamingsheep.com/winter-sleep/

Edge of Tomorrow – Zugegeben,  die Story eines  verweichlichten Public Relations Militärberaters, welcher sich plötzlich in einer Art Zeitschlaufe befindet, nachdem er in der Schlacht gegen die Welt einverleibenden Aliens tödlich verletzt wird, hört sich echt dämlich an, genau so dämlich wie auch das Coverbild des Filmes ausschaut und allenfalls genau so dämlich wie manche Leute den Hauptdarsteller dieses Streifens finden mögen.  Falls man aber gezwungen wird, oder aus Versehen in den falschen Kinosaal gelatscht ist, und diesen Streifen gesehen hat, muss man feststellen, dass dies der perfekt  getimte, intelligente Blockbuster ist. Jede Minute spannend,  witzig, emotional mitreissend und – dank einer enorm  attraktiven Emily Blunt – romantisch und sexy. Und die erschütterndste Feststellung: Auch Tom Cruise wirkt hier irgendwie cool und witzig. Da fragt man sich schon, wie mächtig und einflussreich können diese Scientologen eigentlich noch werden? Wie auch immer, ich sage nur: Rock ‚n‘ Roll!

Edge of Tomorrow, USA/GB, SK 2014, by Doug Liman, with Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton

At any price: Uraufgeführt zwar schon 2012 als offiziellen Wettbewerbsbeitrag bei der 69ten Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele in Venedig ist dieses Drama vom iranischen Regisseur Ramin Bahrani das klassische Beispiel eines Filmes, welcher durch sämtliche Distributionskanäle gefallen und in der Versenkung verschwunden ist. Da die Rezensionen anlässlich der Uraufführung sehr kontrovers waren, kam dieser Streifen schon gar nicht in die Kinos und wurde bei uns erst 2014 als Direct-to-DVD veröffentlicht (deshalb hier jetzt auf der Liste) . Dies zu Unrecht. Das klassische Motiv der Habgier oder dem unnachgiebigen Streben nach Siegen wird hier anhand eines Farmers im mittleren Westen der USA nachgebildet,  welcher den geschäftlichen Ehrgeiz über Freundschaft und auch Familie stellt. Der kürzlich verstorbene legendäre Filmkritiker Rogert Ebert verlieh diesem Werk noch die Höchstnote während kritischere Stimmen wie die “Variety” den Film „als kunstvolles pessimistisches Drama, das man eher bewundern als erfassen kann“ beschrieben.  Sicher ist, dass diesem Film die Aufmerksamkeit – und sei es halt jetzt nur nachträglich – geschenkt werden muss. Unter anderem auch wegen Dennis Quaid, welcher als leicht minderbemittelten, sturen, aber irgendwo doch herzensguter Farmer, die beste Leistung seiner Karriere abrufen konnte.

At any Price, US 2012, 105 min., from Ramin Bahrani with Zac Efron, Dennis Quaid, Heather Graham 

Tracks: Die wahre Geschichte der Robyn Davidson, welche 1977 nur mit 4 Kamelen und ihrer Hündin begleitet, 2700 Kilometer durch die australische Wüste wanderte – finanziert von der National Geographic – ist hauptsächlich ein meditativer Selbstfindungstrip einer jungen Frau, welche ihre Stellung in der Gesellschaft,  sowie auch den Zugang zu Ihren Mitmenschen noch nicht richtig gefunden hat. Die Story ist weder spektakulär noch spannend per se, ist aber so feinfühlig und meisterlich inszeniert,  dass man sehr schnell in das gemächliche Tempo reinkommt und bald auch – wie die Protagonisten – die brutale Einsamkeit aber gleichzeitig aber auch unendliche Schönheit der australische Wüste zu fühlen beginnt und in einen tranceähnlichen halluzinogenen Zustand versetzt wird. Ein bleibendes, sinnliches, fast schon spirituelles Erlebnis mit einer grandiosen Mia Warsikowska.

Tracks, AU 2013, 112 Min. from John Curran,  with Mia Warsikowska, Adam Driver, Emma Booth