Category Archives: TV shows

It’s time, everybody is ready to feel better…not! The Leftovers oder das “Sad Film Paradoxon”

„Ich sehe traurige Filme dann gerne, wenn sie tragisch gut gemacht sind. […] Wenn man die Tiefen nicht hat, kann man die Höhen nicht beurteilen, und wenn man nicht weiß, was traurig bedeutet. Er [der Film] lässt mich an andere Menschen erinnern z. B., und das sensibilisiert mich dann eben […].“
(Rezipient trauriger Filme / Interviewperson, männlich, 30 Jahre alt)

Diese Aussage steht einleitend in einer 2007 veröffentlichten Diplomarbeit für das Fach Psychologie an der Universität Köln zu dem Thema „Selektionsmotive für traurige Filme und Analyse der spezifischen Rezeptionsmodalitäten. Untertitel: Eine qualitative Untersuchung zum Sad Film Paradoxon im Rahmen der Unterhaltungsrezeption“. Keine Bange, ich will jetzt niemanden mit langwierig psychologischen Abhandlungen über die Faszination von traurigen Filmen langweilen, möchte aber trotzdem auf das Phänomen hinweisen, dass es unter uns Zeitgenossen gibt, die sich an dem Elend, Leid, Unvermögen und letztendlich am Scheitern ihrer Mitmenschen nicht nur unterhalten, nein teilweise sogar daran wortwörtlich laben, erquicken und ergötzen. Seelen-Vampire. Wer mehr über diese düstere gesellschaftliche Entwicklung in Erfahrungen bringen möchte, sei explizit auf die oben stehende Diplomarbeit verwiesen, wobei der in der Einleitung zitierte Rezipient mit seiner Aussage sicherlich nicht sehr weit entfernt von den zugrundeliegenden Beweggründen und Motiven der „Betroffenen“ liegt. Deshalb erlaube ich mir an dieser Stelle den theoretischen Bereich zu verlassen, nicht ohne aber ergänzend anzumerken und letztendlich einzugestehen, dass der Schreibende selber schon länger auch von diesem schauerlichen Symptom betroffen ist und sich ebenfalls zu der Gruppe der „Leid-Watchers“ zählen muss…ja, ja, es ist schon traurig und phasenweise auch schockierend…yeahhhh!

Für diejenigen also, die sich jetzt in der Anonymität des Lesers persönliche Eingeständnisse machen müssen, derzeit aber noch hemmungslos diese Neigung ausleben möchten, muss die jetzt im deutschsprachigen Raum auf Blue Ray/DVD erschienen HBO Serie „The Leftovers“ zwingend empfohlen werden, den das seelische Leid und die Qualen der menschlichen Existenz wird dort über rund 550 Min. in allen nur möglichen Variationen zelebriert und dies – ganz nach dem Gusto des in der Einleitung zitierten Rezipient – tragisch gut gemacht. Oder nach den Worten von Matt Fowler (IGN Movies) „It’s a good pain“.

Als Grundlage dient das Neue Testament (Lukasevangelium) der Bibel, auf dem die sogenannte Lehre des Dispensationalismus aufbaut und im Groben die Prophezeiung der sogenannten Entrückung beinhaltet, worin sämtliche Christen urplötzlich von einem auf den anderen Moment von dieser Erde verschwinden, von Gott „heimgeholt“ werden. Zurückbleiben werden nur die Ungläubigen, die eine längere unangenehme Phase vor sich haben, voller Trübsal, Angst und Schmerz, in welcher der Teufel höchstpersönlich die Regentschaft übernehmen wird, bis dann Jesu Christi auf die Erde zurückkehrt um seine 1000-jährige Herrschaft anzutreten.

So beginnt die Erzählung, welche in Mapleton N.Y spielt, drei Jahre nachdem zwei Prozent der Weltbevölkerung oder 140 Mio. Menschen „verschwunden“ sind (darunter der Papst, Jennifer Lopez und Gary Busey…) und die „Leftovers“ irgendwie versuchen, das Geschehene, den Verlust der Liebsten, einzuordnen und in den Alltag zurückzufinden. Im Mittelpunkt steht der Polizeivorsteher Kevin Garvey, Jr., passend besetzt mit Justin Theroux, dessen Frau zwar nicht entrückt worden ist, er aber anderweitig „verloren“ hat und zwar an eine Sekte namens die „The Guilty Remnant“ (Die schulden Uebrigbleibsel…oder so), welche im Stadtbild von Mapleton in Form von kettenrauchenden, weiss gekleideten Mitglieder omnipräsent ist und als Mission quasi die Verhinderung des Vergessens an das schicksalhafte Ereignis haben und jegliche Form einer zukunftsgerichteten lebensbejahenden Perspektive nicht nur ablehnen, sondern auch dementsprechende Anstrengungen ihrer Mitbürger aktiv sabotieren, was ihr eigenes Dasein nicht ganz ungefährlich gestaltet. Kevin Garvey lebt somit alleine mit seiner pubertierenden Tochter, welche ihrerseits in einer passiv-aggressiv-depressiven Selbstfindungsphase steckt, während er verzweifelt versucht, nicht nur die Sicherheit der Stadt und seiner Bürger zu gewährleisten, sondern vor allem die Kontrolle über seine psychische Verfassung oder – konkreter – über seinen Verstand zu bewahren, was aber rein genetisch ein fast schon hoffnungsloses Unterfangen ist, da er eigentlich nur Polizeichef ist, da sein Vorgänger wegen hochgradiger Schizophrenie in die Klapse eingeliefert werden musste und dieser leider sein eigener Vater (Scott Glen) ist. Zudem verheissen seine nächtlichen Ausflüge, bei denen er schlafwandelnd die Hunde in seiner Nachbarschaft verschiesst, nichts Gutes, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass er bei diesem Unterfangen auch von einem imaginären Freund begleitet wird, der ihn diesbezüglich unterstützt, da es sich bei diesen streunenden Tieren eigentlich um bösartige „Zombiehunde“ handeln soll. Unterdessen sein Sohn den Kontakt zur „Familie“ ganz abgebrochen hat, da er – vom College abgehauen und eigentlich schwul – seine Zeit in der Wüste als Helfer eines schwarzen Heilsbringers verbringt, der für viel Geld magische „Umarmungen“ anbietet, die den Menschen Trost spenden und ihren stechenden Lebensschmerz zum Verschwinden bringen soll. Nebenbei beutet er noch minderjährige Mädchen sexuell aus.

Dass die doch sehr unerbauliche Szenerie immer wieder mal mit surreal-irrwitzigen Einlagen aufwartet, ist nur dem Effekt geschuldet, dass die darauf folgenden Szenen noch trauriger, noch dramatischer, noch schonungsloser „einkicken” können. Ein Konzept, das Damon Lindelof (Lost) zusammen mit Tom Perrota, auf dessem gleichnamigen Roman von 2011 die Serie basiert, konsequent durchzieht. Diesbezüglich darf auch wieder mal der Einfluss von David Lynch erwähnt werden, da – jetzt mal abgesehen von Justin Theroux, welcher ja sein Durchbruch in Lynch’s „Mullholland Drive“ erzielte – immer wieder Gestalten aus dem Lynchen’ Universe ganz nebenbei auf der grossen Trauerkulisse durchs Bild huschen (der Riese aus „Twin Peaks“, der schreiende Wohnwagenfahrer aus „Fire Walk with me“) und auch Mapleton, ein verschlafenes ur-amerikanisches Kleinstädtchen mit den seltsam wütenden Hirsche, die nächtens aus unerfindlichen Gründen die Wohnungen der Einwohnung verwüsten, den Rehen, die unmittelbar plötzlich irgendwo auf der Strasse oder in irgendwelchen Gärten stehen, verdächtig stark an Twin Peaks & Co erinnern. Ein absolut tragendes Element hierbei ist der Soundtrack von Max Richter („Waltz with Bashir”, „Perfect Sense“), der jüngst mit dem Europäischen Filmpreis für die beste Filmmusik zu „The „Duke of Burgundy“ ausgezeichnet worden ist und für „The Leftovers“ so minimalistische, wie effektive Melodien komponiert hat, die vor einer solchen Trauer triefen, dass die stillen Momente automatisch benutzt werden müssen um einfach mal krampffrei durchatmen zu können. Selbstverständlich ist das Sounddesign mit fein abgestimmten Popstücken von u.a. James Blake, Crowded House, Simon &Garfunkel, Rihanna etc. zusätzlich veredelt.

Und bei der Darstellerriege gibt es schlichtweg keine Schwachstelle. Neben Theroux brechen Liv Tyler („Armageddon“, „Stealing Beauty“), Amy Brenneman („Heat“), Carrie Coon („Gone Girl“), Christopher Eccleston („Dr. Who“, „The Others”), Sarah Margarte Qualley („Palo Alto“), geschlossen aus ihren darstellerischen Komfortzonen aus.

Die mediale Resonanz war selbstverständlich mehr als nur gemischt, von einhelliger Lobhudelei wie es für Serien wie „House of Cards“, „Game of Thrones“ etc. gibt, kann hier nicht die Rede sein. Zuviel Depro ist ja auch zum guten Glück nach wie vor kein Mainstream. Stimmen wie die vom New York Magazin (“The Leftovers is all bleakness all the time, at the bottom of the first page of my notes, “sloppy handheld camerawork” is crossed out. Beneath it is “overwhelming pain.” Even animals feel the loss“) oder The New Republic („Emotional Violence“) unterstreichen dies exemplarisch. Vielleicht am prägnantesten beschrieb die Wirkung dieser Sad-Show Alan Sepinwall von Hit Fix „Many will hate it. But there will be viewers in whom it strikes a chord so deeply that they will feel themselves overwhelmed by it in the best possible way: not like they’re drowning in the misery, but like it’s teaching them a new way to breathe“ oder Karoline Meta Beisel von der Süddeutschen, welche The Leftovers als „eine einzige lange Therapiesitzung“, in der es „um Trauer, machtlosen Zorn und Wunden ohne Heilungschancen“ gehe, beschrieb.

Um es kurz zu machen. Wenn sogar die Tiere leiden und die Trauer und Verzweiflung an emotionaler Gewalt grenzt, so, dass wir sogar unser Atmen neu erlernen müssen, aber trotzdem ungeduldig den nächsten kathartischen Anfall kaum erwarten können, kann man das, was Damen Lindelof & Tom Perrota hier kreiert haben, eigentlich nur mit einem Wort passend beschreiben. Kult. The Sheep applaudiert. Voller süsser, bizarrer Trauer.

The Leftovers, US 2014, 558 Min,, Created by Damon Lindelof and Tom Perrotta with Justin Theroux, Christopher Eccleston, Liv Tyler, Amy Brenneman, Carrie Coon, Margaret Qualley, Scott Gleen 

The Knick – dark and intriguing

The show plays around the 1900s in New York City and centres around a hospital called the Knickerbocker. Clive Owen stars in the main role of the ill-tempered surgeon Dr. John Thackery, who revolutionises surgery on the forefront of science.

The series is brilliantly filmed, visually stunning and is tied in with highly unusual music. One cannot help but feeling emotionally exposed and vulnerable at times when watching. It touches on racial issues, racism and sexism of the era, which seem uncannily contemporary at times, and deals with drug abuse and class dived. Its’ tone is dark and moody and does not leave much room for romance and comfort. Certainly not a light watch.

All hospitals of the time have moved uptown only the Knickerbocker has stayed behind caring for the poor, struggling to keep the doors open in tough financial times while simultaneously, trying to compete at the scientific front. The Knicks’ leading surgeon Dr. Thackery (Clive Owen) is committed to the art of surgical science but is also tragically entangled in a dark web of drug addiction, which forces the storyline to erupt as the city’s opium and cocaine supplies run dry. (During those times cocaine was freely available in pharmacies, prescription free and widely used in medical procedures.)

Although there is to say that the series could have done more with the character of Dr. Thackery who basically is a 1900’s version of Dr. House, Clive Owen does play his character brilliantly. Especially as the season comes to conclusion his talent becomes intensely apparent.

Bono’s daughter (Eve Hewson) gives an excellent performance in the role of nurse Lucy Elkins, Dr. Thackery’s dewy eyed love interest. Her presence adds substance to the show and the relationship with the doctor is subtle and seems precious in a world where tenderness is far and few between.

Lucy Elkins

 

The Knick is a series that does not ease you into things. You need a good stomach to endure all the blood, racism and sexism that are constantly on display. But this in combination with the astounding artistic visual flavour makes it very unique and worth a watch.

What also makes a compelling argument for giving the Knick a try is its focus on two men’s relationship: Owen’s Dr. Thackery, and the African-American Andre Holland’s Dr. Algernon Edward. The latter comes to the Knick at the behest of Cornelia Robertson played by Juliet Rylance, the daughter of a progressive shipping magnate. The Robertson’s want Edwards to succeed and as the main donors of the hospital funds have the last word. This creates tension in the Knick and as the story unfolds and social unrests in New York take their toll.

Thack and Al

The director, Steven Soderbergh who is responsible for movies such as “Oceans 11” and “Traffic” has once famously announced that he would retire after the end of shooting in 2012 of his hitherto last film “Behind the Candelabra” but later down played the comments and said that a sabbatical from filming would be more realist. His words would ring true as he reemerged with the Knick on the creative scene. He takes fantastic close up shots, let’s his actors speak volumes without words, plays with light and shade and has created an art work which no doubt is worth contemplating. However, it is dark and a bit depressing, it is thought provoking and rather gory at times.

Nevertheless, it has been already renews for a second season and it remains to be seen if all that passion will translate to the audience.

The Sheep will stay tuned.

Catharsis in the bleakness of a star-bright night somewhere in the south

Watch it and try not to loose your faith in live!

“To realize that all your life – you know, all your love, all your hate, all your memory, all your pain – it was all the same thing. It was all the same dream. A dream that you had inside a locked room. A dream about being a person. And like a lot of dreams there’s a monster at the end of it”

Mit diesen Worten endet die 3. Folge der 8-teiligen Miniserie „True detective“, welche im Frühjahr 2014 auf HBO seine Premiere feierte und im August in Europa auf DVD/BlueRay erschienen ist.

Es sind die Worte von Rust Cole – selber benannt als „The Michael Jordan of being a son of a bitch“ – einer der beiden titelgebenden „True“ Detektiven, welcher seine Umwelt in verlässlich regelmässigen Abständen mit teilweise zutiefst irritierenden, immer nihilistisch geprägten und vorzugsweise pessimistisch philosophischen Ergüssen beglückt, was zugleich auch das Herzstück und unverwechselbare Erkennungsmerkmal dieses Epic-Film Noir und vor allem Psychogramm zweier Männer über den Zeitraum von 17 Jahren ist, welcher der neu gewonnenen und geschätzten künstlerischen Freiheiten der TV-Serien Formate der amerikanischen Bezahlsender (HBO/Showtime/Netflix) nochmals eine neue Note verleiht und sich radikaler als die bisher bekannten und gelobten Formate (Mad Men, Breaking Bad, Games of Throne etc.) von den konventionellen Erzählstrukturen verabschiedet.

Der vordergründige Plot ist zwar eine klassische Whodunit Geschichte im Gewand eines düsteren Psychothrillers à la „Seven“, mit der obligat schaurigen Leiche am Beginn – wie immer eine junge Prostituierte, pathologisch-dekorativ und symbolbeladen in einem Maisfeld vor einer ausladenden Eiche unter dem kalt blau-grau eingefärbten Abendhimmel von Louisiana „arrangiert“, – und der anschliessenden klassischen Suche von 2 Mordermittler nach dem Täter, welcher – wie sich schon bald herausstellt – mit okkulten Ritualmorden in Verbindung zu stehen scheint. Die Serie schlägt ein sehr gemächliches ja schon fast meditatives Tempo ein und lässt sich viel Zeit für die Befragungen von Zeugen, erstes Zusammentragen von Indizien, Schilderungen über die lokalpolitische Auswirkungen in der betroffenen religiös konservativ verbrämten Kleinstadt, man darf sie guten Gewissens auch als Kaff betiteln (Cole: „This place is like somebody’s memory of a town, and the memory is fading. It’s like there was never anything here but jungle“) mit dem dazugehörigen Druck der politischen Machtstellen auf die Polizeibehörde für eine schnellen Auflösungen des Falles. Vor allem aber steht von Anfang an die Charakterisierung der 3 Hauptdarsteller, Rust Cole (Matthew McConaughey), sein Partner Martin Hart (Woody Harrelson)  und dessen Ehefrau (Michelle Monaghanj), welche alle 3 den ursprünglichen eingangs erwähnten Mordfall vor einer polizeilichen Untersuchungskommission – in die im Verhörraum aufzeichnende Kamera – kommentieren müssen, da dieser sich im Jahre 1995 ereignete und in 2002 vermeintlich „gelöst“ wurde, was sich aber mit den ersten gleichgelagerten Morden, welche ab 2012 wieder auftauchen, als Trugschluss erweist. Da Cole und Hart sich wegen eines heftigen Streites (was könnte der Auslöser sein…?) vor 8 Jahren trennten und nie mehr wieder sahen, beide zwischenzeitlich auch nicht mehr als Ermittler in Staatsdiensten tätig sind und Cole für Jahre komplett von der Bildfläche abtauchte und für niemand mehr auffindbar war, stellt sich bald heraus, dass ihn die Behörden beim Aufflammen der neuen Mordserie im Verdacht haben. So stellen sich die angekündigt informellen Befragungen schleichend als ein offizielles Verhör dar mit der Absicht Cole zu entlarven. Dieser war aber zu seiner aktiven Zeit selber als effektiver Verhörexperte berüchtigt, insbesondere wegen seiner manipulativ perfiden Technik…

Die Befragung der 3 Hauptpersonen in der Jetztzeit zum zurückliegenden Fall, ist dann auch einer der inszenatorischen Kniffs, da sich diese immer mehr zur Plattform für ausgiebige Monologe und Reflektionen über den Verlauf ihres eng mit dem Fall verknüpften privaten Lebens entwickelt, welches unvermeidbar mit schmerzhaften Brüchen, Enttäuschungen und Desillusionierungen durchsetzt ist und schlussendlich unausweichlich auch zum Auseinanderbrechen ihrer gemeinsamen Verbindungen führen musste. Dieser stetig kommentierende dramaturgische Unterbau, teilweise überlagernd oder parallel verlaufend zum Hauptplot, verleiht diesem eine philosophische Vertiefung und verschiebt die Geschichte weg vom konventionellen Psychothriller, hin zum intensiven, wortgewaltigen Kammerspiel und Psychogramm von 3 gescheiterten Existenzen, für welche sich aber die Möglichkeit zur seelischen Reinigung noch nicht komplett verschlossen hat…

Es ist beinahe obsolet zu erwähnen, dass das Schauspiel der 3 Hauptfiguren (McConaughey, Harrelson und auch Monaghani) sich hier auf höchster Ebene abspielt, wobei McConaughey schon alleine vom Plot und Charakterisierung dominant auf die Bühne gehievt wird, was er aber nicht nur mit einer erwartungsmässig starken Leistung (Oscarpreisträger für „The Dallas Buyers Club“ 2014) quitiert, sondern derart intensiv und abgefahren in seiner Figur aufgeht, dass er – falls dies kein TV – Konzept wäre – auch für den Oscar 2015 in der Pole-Position stehen würde. Sein Verkörperung dieses selbstzerstörerischen, nihilistischen Soziopathen, welcher im Dauerrasch, kettenrauchend, von Visionen geplagt, pessimistische Weisheiten à la Nitsche von sich rezitierend und trotz alledem komplett fatalistisch und obsessiv dem Täter nachjagendem menschlichem Wrack, ist gerade deshalb so wuchtig und kraftvoll, weil sein Spiel ungemein zurückhaltend, ja fast schon gespenstig abwesend aber umso mehr empfindlich und präzise angelegt ist. Es ist schon erstaunlich, wie sich dieser McConaughey vom stetig oben entblössten, kiefenden Bongospieler, dauergrinsend die Wunschwahl in schmerzfreien „Wohlfühl“-Romantic-Comedy Filmen à la „The Wedding Planner“, „The Womanizer“ oder „Wie werde ich ihn los in 10 Tagen“ zum monströsen agnostischen Misanthropologen mutierien konnte. Quasi die Verkörperung des diametralen Werdeganges von Nicolas Cage. Dies ist aber wieder ein anderes Kapitel (By the way, Wendepunkt in seiner Karriere war der 2012 erschienen Streifen „Mud“ von Jeff Nichols, welcher auch Chris Nolan davon überzeugte McConaughey in seinem Ende 2014 erscheinenden Sci-Fi Drama „Interstellar“ die Hauptrolle anzuvertrauen)

Geschrieben wurde der Plot zu True Detective alleine von dem amerikanischen Schriftsteller Nic Pizzolatto, geboren 1975, welcher für seinen Roman „Galveston“ von der New York Times mit Grössen wie James Ellroy verglichen worden ist und an der University of North Coarolina kreatives Schreiben unterrichtet. Erstaunlich und einzigartig ist diese Tatsache sicherlich insofern, dass normalerweise an solchen sehr kostspieligen Referenz-Serien der grossen US-Sender grössere Teams von Creative-writers arbeiten. Er war es auch, der unter anderem auch T-Bone Burnett ins Boot für das musikalische Konzept holte, T-Bone Burnett, der Altguru der amerikanischen Country- und Folkszene u.a. ehemaligen Produzent von Bob Dylen, Elvis Costello und auch Verantwortlich für Soundtracks von „O Brother, Where art thou“, „Inside Llewyn Davis“ (Coen-Brothers) , „Walk the line“ (Johnny-Cash-Biography) und „Crazy Heart“ (Oscargewinn).

Regie führte durchgehend bei allen Folgen Cary Joji Fukunaga, Sohn eines Japaners und einer Schwedin, welcher 2009 mit dem Film „Sin nombre“ der internationale Durchbruch schaffte  und 2010 „Jane Eyre“ mit Mia Wasikowska und Michael Fassbinder in die Kinos brachte. Erklärtes Vorbild und grösster Beeinflusser seines Schaffens sei ganz klar „David Lynch“ und dessen „Twin Peaks“.

„True detective“ ist als sogenannte Anthologie konzipiert, was bedeuted, dass in der geplanten 2. Staffel ein neuer Plot, mit neuen Darstellern (voraussichtlich Colin Farrell und Vince Vaughn) und neuem Set Up entwickelt wird.

„The man is the cruelest animal“ – Der Subliner, in welchem in den USA für die Serie geworben wird, trifft die Essenz haargenau (Pizzolatto wird sich wahrscheinlich auch für Vermarkting das „final go“ ausbedungen haben) und bringt die Radikalität dieser Serie auf den Punkt: Es sind nicht die gezeigten Brutalitäten, die Gräueltaten des Serienkillers, welche schockieren, auch nicht die relativ freizügigen Sexszenen oder die harsche unzensierte Wortwahl der Protagonisten, es ist schlussendlich die Abkehr von jedem Prinzip des Menschlichen und Tröstlichen, sei es Liebe, Gott, Familie, Kinder oder Moral, nennen wir es die humanistischen Eckpfeiler der Menschheit, die hier bis fast zur Unerträglichkeit durch Cole’s Zynismus ausradiert und zur Lächerlichkeit preisgegeben werden. Ist in den bisher bekannten Psychothriller immer noch der Ausgleich da zwischen dem perversen, unmenschlichen Täter und den gegenüberstehenden Ermittler, welche bisweilen auch mit moralischen Grundsatzfragen und allzu menschlichen Schwächen zu kämpfen haben, aber schlussendlich immer noch ihrem Glauben an Menschlichkeit und Gerechtigkeit nachfolgen, lösen sich in True Detective sämtliche moralische Trennlinien in nichts auf. Cole hat den Glauben an alles schon längst verloren und begründet die Tatsache, dass er am Morgen überhaupt noch aufsteht mit einem biologischen Reflex. Phasenweise löst seine radikale Verachtung des Lebens mehr Grauen aus, als das vermeintlich „Böse“ hinter dem er her ist. Aber wie wir wissen, müssen wir nicht nur uns selbst, sondern alles, an das wir seit je zu glauben dachten, verlieren, um das zu finden, was wir wirklich sind…ein Weg durch die Dunkelheit, schmerzhaft und verstörend…und nicht alle werden ans Ziel gelangen.

Nach dem Internetportal GIGA ist True detective ein „Meilenstein in der Entwicklung von Film und Fernsehen“ und, dass es das „Kino neu erfinde“. Ob dem so ist, wird man noch zu beurteilen haben,  da es fraglich ist, wie gross das Publikum für solche existenziellen, desillusionierenden Philosophiediskurse auf längere Sicht wirklich sein wird, denn eines ist klar, wer auf der Suche ist nach einem „spannenden“ Krimi oder einer schaurigen „Horrorstory“ ist, wird sich hier relativ rasch von den Geschehnissen lossagen. Wer aber an Schwermut, düsteren Gedanken und Lebensüberdruss leidet oder sich aber auf seiner Sinnsuche zwischen Zeugen Jehovas, Hatha Yoga, Geistheiler und Veganismus verirrt hat und die ersten schmerzhaften Enttäuschungen erleiden musste und wieder mal einen mentalen Reset benötigt, verbunden mit einer adäquat düsteren Story, elektrisierend trostlose Bilder und verlorenen Charaktere wird hier das richtige Programm vorfinden. Denn eines ist klar,

“The world needs bad men. We keep the other bad men from the door”. Cole.

Conclusion:

Apart from a world with love, relieve and moral integrity the truth is waiting for all of us. True Detective is from the conception a search for a murderer but in fact it’s the path to the darkness of humanity before capturing the capability to see the sparkles of the stars…a painful way to the light. Catharsis in its purity. And the opus magnum of the actor Matthew McConaughey.

Prescription for: depression, weariness of life, chronical pessimism, chronical happiness and naivety, addiction problems (tobacco and alcohol), marriage problems.

To listen: The Handsome Family – Far From Any Road

True detective, US 2014, 480 min. available in DVD/Blue Ray

Official website: Click here