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Sofia’s World… like Angelina Jolie but even stronger

 

Zuerst muss mal klar vorangestellt werden, dass Sofia Coppola meine Lieblingsregisseurin ist, dies jetzt mal abgesehen, dass ich eigentlich nur 3 Regisseurinnen wirklich präsent habe (neben Sofia ist da noch Kathrin Bigolow – Point Break, Strange Days – und Susanne Bier – Brother, In a better World) Nicht nur, weil sie doch sehr adrett ausschaut – sie sieht mit zunehmenden Alter immer besser aus, da ich die gleiche Aussage, als sie die Cousine von Andy Garcia im 3. Teil der Godfather-Serie ihres Daddies Francis Ford Coppola spielte (im richtigen Leben ist sie die Cousine von Nicolas Cage) noch nicht getätigt hätte – und immer sehr geschmackvoll anzogen ist, sondern weil sie einer meiner absoluten All-Time-Favourite Movies gemacht hat und zwar „Lost in Translation“, wo sie der auch nicht gerade verunstalteten Scarlett Johansson zum internationalen Durchbruch verhalf und ich für Jahre einen filmischen Seelenverwandten (Bill Murrey) während den ganz einsamen Stunden auf meinen Geschäftsreisen im Laptop per Knopfdruck konsultieren konnte.

Der gute Geschmack von Sofie spiegelt sich aber nicht nur in ihrer Kleidung – ich würde sie als die stillvollste gekleidete Person im Hollywoodzirkus bezeichnen – sondern auch in ihrem Musikgeschmack, welcher bei sämtlichen Streifen von ihr eine tragende aber nicht aufdringliche Rolle spielt. Für ihren Durchbruchsfilm „The Virgin Suicides“ hat die französische Elektroband „Air“ ein eigenes gleichnamiges Album, auf welchem teilweise die Dialoge vom Film verwendet werden, veröffentlicht. Bei „Lost in Translation“ steuerte neben „Air“ auch „Phoenix“ zum Soundtrack bei. Für „Marie Antoinette“,  welcher so oder so ein auf spielfilmlänge ausgedehnter knallbunter Videoclip ist, untermalte „Air“, „Steve Severin“ (u.a. Gründer von Siouxsie and the Banshees und The Glove) und „New Order“ das Geschehen und in „Somewhere“ übernahm wieder „Phoenix“ das musikalische Zepter, mit dessen Leadsänger sie auch seit 2005 verheiratet ist (nach Spike Jonez – Regisseur von „Beeing John Malkovic“ und „Her“ und nach einer Affäre mit Quentin Tarantino, was ihr zumindest den Gewinn des Goldenen Löwen für „Somewhere“ an den Filmfestspielen von Venedig einbrachte, wo Tarantino den Vorsitz der Jury innehatte).

Und ihr guter Geschmack zeichnet sich nicht zuletzt auch in ihrem Stil aus, wie sie ihre Filme arrangiert und inszeniert, da man innerhalb kürzester Zeit ihre Handschrift bei jedem ihrer Filme sehr schnell erkennt. Es ist diese unbelastet unvermittelte und – dies im positiven Sinne gemeint – noch kindliche Art, die Welt und das Geschehen darin zu betrachten, neugierig, respektvoll, zärtlich und vor allem ohne jegliche Hast oder bedeutungsschwangeren Effekten oder sonstigen künstlerischen Spielereien. Eine völlig entschlackte Art des Erzählens, so als würde man einfach durch ihre Augen die Geschichten erleben und an denselben Stellen der Geschichte wie sie innehalten und dieselben Passagen wie sie einfach überspringen. Auf diese ungekünstelte Weise hat jeder ihrer Filme diese magische Balance aus nachhallender Intensität und federleichter Unbeschwertheit. Quasi das pure Gegenteil von ihrem Vater…wie so oft  in Familien.

Dies ist auch der Grund, hier ihr neuestes Werk zu erwähnen, obschon es in ihrer bisherigen Vita der deutlich schwächste Film ist, aber der schwächste Film von Sofia bewegt sich halt immer noch in den besten 10% von sämtlichen filmischen Ausflüssen.

Schwach ist „The Bling Ring“ deswegen, weil er wirklich keinerlei Ambitionen in sich trägt, an irgendeiner Stelle der Geschichte, irgendein – sei es wie immer gearteten – Tiefgang zu entwickeln, irgendwelche Fragen zu den Beweggründen der Handlungen der Hauptakteuren zu stellen, ja er verzichtet eigentlich sogar darauf, irgendeinem Protagonist dieses Filmes (und es sind doch ein paar) eine wirkliche Charakterisierung oder tieferen biographischen Hintergrund zu verleihen. Stark ist er wiederum genau wegen den oben genannten Punkten, da er in seiner konsequent wertfreien Schilderung einen schon fast dokumentarischen Touch hat, dies einfach kunstvoll arrangiert mit dem handwerklichen Talent von Mme. Coppola.

„The Bling Ring“ erzählt schlicht und einfach den auf einer „Vanity-Fair“- Story basierenden wahren Fall einer Jugendgang in den Hügeln von L.A., welche aus übermässiger Verzückung vom „In touch“-Promikult, verbunden mit einer chronischen Ueberfluss-Langweile und einem ganz leicht pathologischen Verlangen nach Luxus- und Markenartikel, beschlossen in deren Abwesenheit in die Anwesen von Paris Hilton, Lindsey Lohan & Co. einzusteigen (der Schlüssel liegt unter dem Teppich beim Eingang – Fakt!) um dort einerseits die Bleibe zu besichtigen und anderseits natürlich ein paar der persönlichen Gegenstände, anfänglich vor allem Kleider, Handtaschen und Sonnenbrillen, mit der Zeit aber auch Schmuck und Bilder „zu stipitzen“, nur beim Hausaffen von Paris Hilton, den sie schon am raustragen sind, halten sie inne und lassen für einen kurzen Moment den Restbestand ihrer im dortigen Moment noch aktiven Gehirnwindungen spielen und lassen ihn dann – in der Befürchtung das der Mehrwert dieser Beute doch eher limitiert sein könnte – dort.  Es versteht sich von selber, dass die ganze Geschichte vom lustigen Jugendstreich und quasi Mutprobe immer ausgeprägtere Formen annimmt und die ernsthaften Konsequenzen nur eine Frage der Zeit ist, zumal sie ihre Heldengeschichten auch in ihrer ganzen Clique mit stolzer Brust verkünden und auch gleich die erbeuteten Accessoires überall vorführen inkl. Bildchen im Facebook. Aber auch als dann über die amerikanischen TV Sender Bilder von ihren Raubzügen ausgestrahlt werden – aufgenommen von den jeweiligen Ueberwachungskameras der „Promi-Häuschen“ – und die Luft langsam dünn wird, treiben sie ihren Luxusrausch unbeiirt weiter, bestehend aus weiteren Raubzügen (u.a. auch Orlando Blooms Villa, die von Paris Hilton etwa 4 x) und den anschliessend Siegesfesten in den L.A. Clubs – selbstverständlich mit den obligaten Drogen, welche dann mit der Zeit auch einen immer grösseren Einfluss auf ihr Verhalten einnehmen…Sucht halt und so. Auch als dann nach fast 2 Jahren ungehemmten Party-Robbering mit einer immer grösser werdenden Gang (da jeder doch auch mal bei Paris zuhause an ihrer Polestange tanzen will) dann doch das FBI dem lustigen Treiben ein Ende bereitet und sämtliche Mitglieder festnimmt, stellt sich die grosse Einsicht und Reue immer noch nicht wirklich ein – zumindest nicht bei den coolen Girls, weil dies eigentlich ja zum Werdegang und Erfahrungsschatz eines jeden durchschnittlichen L.A. Collegegänger gehören sollte, da dies ja schliesslich auch wichtige charakterbildende Lebensbildungselemente beinhalte. Dies mündet dann auch in diesem weltpolitisch bewegenden Statement, welches eines der Hauptakteurinnen Alexis Neiers  (Harry-Potter Emma Watson) bei ihrer Verhaftung den Medien heroisch (und selbstverständlich ironiefrei) verkündet:

“I’m a firm believer in Karma and I think that this situation was attracted in my life because it was supposed to be a huge learning lesson for me to grow and expand as a human being. I don’t think the universe could have really chosen a better person than me because for this — it’s not just affecting me, it’s affecting the media, it’s affecting everyone — and I think that I’m meant to bring truth to all this.

“I think that my journey on this planet is to be a leader. I see myself being like Angelina Jolie but even stronger, pushing even harder for the universe and for peace and for the health of our planet.

“God didn’t give me these talents and what I look like to be sitting around and just being a model or be famous or whatever path I want. I want to do something that people notice, so that’s why I’m studying business because eventually I want to be a leader. I want to lead a huge charity organization. I want to lead a country, for all I know. I don’t know where I’m going just yet, but eventually I can see myself taking a stand for people.”

 

Dieses Statement wurde wortgetreu von Alexis Neiers übernommen, welches sie im Vanity Fair Interview spontan so geäussert hatte (trotz Versuchen Ihres Anwaltes sie zum Schweigen zu bringen) und man kann es wahrhaftig so stehen lassen. Die besten Geschichten (und Dialoge) schreiben wir halt immer noch selber.

Conclusion: The Bling Ring ist für Leute, die gerne Magazine wie das „In-touch“ und „Vanity Fair“ lesen (oder Glanz&Gloria gucken) und trotzdem mal einen Schulabschluss gemacht haben, im idealen Fall sogar einen Sensor für Ironie haben. Ebenfalls werden Leute diesen Film mögen, welche die Bücher von Bret Easton Ellis schätzen, aber einfach mal kein Bock auf etwelches Ausloten der menschlichen Abgründe und schockierende Elemente haben und auch für Leute, welche sich einfach ganz generell für Innendeko und Mode interessieren.

 Prescription for: fashion- and interior fetishists, hang-over, searching for a light und harmless Sunday eve entertainment, clebtomania, alcohol- and drug problems, LA./Beverly Hills/Bret Easton Ellis Mania, People-Magazine addicts, striving for endorsement

http://theblingring.com/