Category Archives: Guido’s Soundbar

Rhodes: Snugly blanket & Norwegian Socks

Nach exzessiven und durchzechten Sommernächten mit leicht bekleideten, tanzenden Schönheiten am Pool ist nun die Zeit gekommen einen Gang runter zu schalten. Die Kissen ausklopfen, Schafsfelle bei Ikea kaufen gehen und gleich ein Duzend duftneutraler Kerzen in der bodenlosen, blaue Tasche mitschleppen. Es ist viel zu früh dunkel und morgens fällt das Aufstehen so schwer, als würde man unter einem Autoreifen begraben aufwachen.

Genau für diese deprimierende Zeit ist nun ein stimmungsvolles und mysteriöses Album erschienen: Rhodes: „Wishes“. Der 24jährige David Rhodes ist momentan einer der heissesten Neuentdeckungen in der britischen Musikszene. Sein Debut ist ein Klangteppich gewoben aus leichtfüssigen, charmanten Melodien und gut gewählten Wortlauten. Stellt euch Chris Martin vor, nehmt etwas von seiner Überheblichkeit in der Stimme raus und mischt Sam Smith dazu, lässt aber den Soul weg. Voilà!

Das Album „Wishes“ kann vor- und zurückgespult werden und eckt nicht an, schreckt nie auf und ist einfach wunderbar durchzuhören. Ein brillanter Song ist zum Beispiel „Close Your Eyes“. Traurig und melancholisch. Auch „Breath“ reiht sich in die Songs ein, die zu Hause auf dem Sofa in die Kuscheldecke eingehüllt und mit Norwegersocken an den Füssen und einer heissten Tasse Tee angehört werden sollten.

Der absolute Höhepunkt des Albums wird mit „Let It All Go“ erreicht. Dieser Song hat Rhodes mit Birdy eingesungen und Birdy mit Rhodes… Kurz, es gibt zwei Versionen. Einmal mit Birdy als erste Stimme und umgekehrt. Kein Song zelebriert den Trennungsschmerz so unvergleichbar gut und ist so unerträglich schön. Auch visuell wurde „Let It All Go“ in einer herbstlichen, nebelverhangenen und mit Nordlichtern angereichertem Video umgesetzt:

 

Toll ist, dass die Deluxe Version mit satten 20 Titeln gefüllt ist. Zusätzlich mit Live-Versionen und einem sehr gelungenen Cover des Taylor Swift Hits „Blank Space“.

Viel Spass bei unvergesslichen, kuschligen Stunden im Kerzenschein.

So Long!

Guido

 

Videos zu „Close Your Eyes“

 

Video zu “Breath”

Madonna – Nothing is indestructible

Madonna

Lange habe ich mit meinen Engelchen und Teufelchen gekämpft und nun doch, ich muss es loswerden. Es geht um das neue Madonna Album „Rebel Heart“ oder besser um die ganze Situation rund um einen etwas missglückten Album-Start.

Eine Künstlerin wie Madonna mag man oder man mag sie nicht. Es gibt wohl nichts dazwischen. Ich habe ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel und als Jugendlicher – als es noch schwarzglänzende Vinyl-Platten in 33‘‘ und 45‘‘ gab (am Plattenspieler musste man den Geschwindigkeitshebel betätigen) – kaufte ich mir die Maxi von „Like a Prayer“. Ein grossartiger Song! Es gab drei Versionen dieser Maxi-Single. Immer dieselbe skizierte Madonnen-Figur vorne drauf, jedoch einmal mit einem blauen, einem gelben und weissen Hintergrund. Ich musste natürlich alle haben. Ich denke, es war einer meiner ersten Maxi-Käufe. (FYI für die jüngeren Leser. Maxi-Singles waren Platten mit unendlich in die Länge gezogenen Versionen des ursprünglichen Songs drauf, meistens Disco-Versionen oder sogenannte Extended-Remixes. Mischwerke von angesagten DJs kamen erst später auf die Tonträger. “Normale“ Singles hingegen spielten auf der A-Seite nur einen Song ab – Radio-Version – und auf der B-Seite gab es meist einen unveröffentlichten B-Track – oft schlecht – oder eine instrumentale Version des originalen Songs)

Zurück zu Madonna. Und ja, ich mag Madonna. Sie hat ab 1983 grossartige Musik veröffentlicht und ist seitdem aus dem Musik-Olymp nicht mehr wegzudenken. Sie räkelte sich im Hochzeitskleid als „Toy Boy“- Girl durch die sinkende Stadt Venedig, tanzte zwei Jahre später mit einer blonden Kurzhaarfrisur in Lederjacke durch Brooklyn, suchte danach verzweifelt nach Susanne und legte einen divenhaften Auftritt mit Mafiajäger Dick Tracy hin. Bei der „Blond Ambition Tour“ brachte sie als wohl erste Künstlerin eine Masturbationsszene auf die Bühne und knutschte mit Vanilla-Ice Ice Baby nackt in einem Erwachsenen-Bildband rum. Dort hat das mit den Zungenküssen wohl angefangen. Weitere geküsste sind Britney, Christina und gerade vor kurzem der amerikanische Rapper Drake. Googelt doch mal „Madonna kissing“! Zudem verärgerte sie als gläubige Katholikin immer wieder die Kirche. Chapeau!

Die „Rebel Heart“ Situation fing kurz vor Weihnachten 2014 an. Das damals noch unbenannte 13te Studio Album wurde auf März 2015 angekündigt. Ein Augenzwinkern später leakten auch schon die ersten Songs ins Internet. Madonna reagierte auf Instagram und Facebook sichtlich sauer über die Situation und bat die Fans darum, die Tracks nicht zu hören, da es sich um gestohlene, unfertige Demo-Songs handeln würde. Es gab später sogar eine Gerichtsverhandlung,  jedoch vermute ich eine geschickte PR-Strategie dahinter, tauchten doch plötzlich immer mehr Songs auf. Und mit mehr Songs meine ich mehr als 30 Tracks! Dass ein Song leakt ist heutzutage ja schon fast werbetechnischer Alltag, in diesem Ausmass kann man dies jedoch als etwas zu viel des Guten bezeichnen. Reaktion auf das Leaking war, dass Künstlerin und Management entschieden, am 20. Dezember 6 Tracks des finalen Albums zu veröffentlichen. Medien lästerten erst, danach kehrten sie ihre Meinung und sprachen lobend von einem „Beyoncé-Moment“. (Ein Beyoncé-Moment ist, wenn ein Künstler aus heiterem Himmel, also ganz überraschend ein komplettes Album auf iTunes veröffentlicht und dies ohne Ankündigung und Promo-Kiste. Die Göttergattin von Jay-Z raste dadurch im Dezember 2013 mit dem Album „Beyoncé“ die Charts hoch und überraschte alle) Madonnas Aktion hingegen wirkte – wenigstens meiner Meinung nach – etwas hilflos und schlecht kopiert. Selbstverständlich bin ich Madonnas Bitte nicht gefolgt und habe mir sämtliche vorab geleakten  Demo-Songs reingezogen. Ich freute mich aufs neue Album, denn was ich dort zu hören bekam, schmeckte nach mehr. Aus Loyalität zur Künstlerin setzte ich eine Vorbestellung des Albums auf und bekam dann vorab die erwähnten ersten 6 „offiziellen“ Songs, welche auch die ersten beiden Singles „Living for Love“ und „Ghost Town“ beinhalteten.

Aber damit nicht genug. Nicht dass es mit dem ersten Leaking der Demos genug war. Nein, im Januar des neuen Jahres war das komplette Album, diesmal fertig abgemischt, schon wieder im Internet geleakt. Fast zwei Monate vor dem offiziellen Release. Jedoch blieb der mediale (und juristische) Aufschrei dieses Mal aus.  Madonna instagrammte stattdessen Hash-Tags mit den bereits bekannten Song-Titeln und die Promo-Maschinerie rollte mit grossem Getöse heran. Die erste Single wurde auf Snap-Chat veröffentlicht, Auftritte wie bei den Grammys und Brit-Awards standen auf dem Programm. Der berühmte Bühnen-Unfall (sie stürzte bei den Brit Awards in der Londoner 02-Arena rückwärts von der Bühne) war aber – ausnahmsweise – nicht inszeniert. Dafür leg ich meine Hand ins Feuer.

Meine Hoffnung auf ein zweites „Ray of Light“ Album, welches dazumal (1998) ein weiterer bahnbrechender und – auch musikalisch – überzeugender und fast schon radikaler Imagewandel  von Madonna darstellte, wurde jedoch enttäuscht. Das Album hat gute Momente, jedoch klingt alles sehr überproduziert. Was in der Demo-Version noch frisch, geerdet und vielversprechend klang, wurde in der finalen Version bis auf den kleinsten Ton abgemischt und somit einem grossen Teil der Authentizität beraubt. Und zudem mag ich die Stimme von Madonna nicht mehr. Oft quietsch sie und von den bei Evita erlernten Gesangskünsten ist leider nicht mehr viel zu hören. Zugegebenermassen war Madonna nie die grossartigste Sängerin, jedoch mochte ich ihre Stimme. Sie hatte irgendwas…liebliches…reines…jetzt irgendwie nicht mehr.

Vor ein paar Wochen erschien das offizielle Musik-Video zur zweiten Single „Ghost Town“. Madonna sieht toll aus, perfektes Styling. Die Szenen erinnern ein wenig an „I am Legend“ mit Will Smith. Bisschen Apokalypse mit zerstörten Gebäuden, Rauch und so. Auch ein Hund oder Wolf streift durchs brennende Set. Alles toll, jedoch habe ich Madonna noch nie so schlecht als Schauspielerin gesehen. Es gibt ein paar grosse Momente des Fremdschämens. Einziger Höhepunkt ist das Tänzchen am Ende des Clips mit dem Schauspieler Terrence Howard.

Schaut euch das Video doch mal an:

 

Und wenn ihr schon auf Youtube seit, anbei noch das Video zum mit Abstand besten Song auf “Rebel Heart” – Inside out (auch wenn hier ebenfalls die Demo Version nochmals um ein Quäntchen mehr gerockt hat)

Aber wie es so ist, echte Enttäuschungen können nur Künstler erzeugen, die einem etwas bedeuten und möchte deshalb  – als versöhnendes Schlusswort – nicht vergessen, meinen nach wie vor ungebrochenen grossen Respekt an diese grossartige Frau auszusprechen, die es immer wieder verstanden hatte, sich permanent neu zu erfinden und die Popgeschichte über Jahrzehnte zu prägen um nicht zu sagen,  zu dominieren. Und warte deshalb weiter – ausdauernd und doch zuversichtlich –  auf den nächsten grossen  „Ray of Light“ Moment. „Rebel Heart“ war ihn sicherlich nicht.

Um Euch die Wartezeit bis dahin zu verkürzen, habe ich Euch untenstehend noch die Liste mit den grössten und besten Songs, die Madonna je veröffentlichte, aufgeführt. Und kein Widerspruch!;)

So long und bis bald mal wieder!

Guido

 

– Time stood still (Soundtrack zu “The Next Best Thing” – 2000)

– You’ll see / Véras (Something to Remember – 1995)

– Nothing really matters (Ray of Light – 1998)

– I want you (Something to Remember – 1995)

– Frozen (Ray of Light –  1998)

– Like a prayer (Like a prayer – 1989)

– Papa don’t preach (True blue – 1986)

– This Used to be my playground (Title song for “A League of Their Own” – 1992 and Something to remember – 1995)

– Paradise not for me (Music – 2000)

– Sorry (Confessions on a Dance Floor – 2005)

– Masterpiece (MDNA – 2012)

– Vogue (I’am Breathless – 1990)

– Justify my love  (The Girlie Show – Live Down Under – 1993)

– Don’t cry for me Argentina (Evita – 1996)

 

 

 

 

 

 

 

 

Sia and the dancing hipster in skin-coloured panties

Erstmal möchte ich unseren Shepherd Matthias danken, dass ich euch zukünftig ein paar musikalische Perlen öffnen und über den Tresen reichen darf. Die Flaschen sind ins Regal geräumt, die Gläser poliert, das Barbesteck zurechtgerückt  und das Handtuch über die Schulter geworfen – es kann also los gehen.

Meinen ersten Post widme ich einer grossartigen Songschreiberin und Sängerin: Sia. Die 39jährige Australierin wurde durch ihre Arbeit mit dem Ambient Duo  Zero 7 bekannt, ist dann gnadenlos dem Pop verfallen und hat bisher fünf Soloalben veröffentlich.  Erinnert ihr euch an den Sommerhit „Titanium“ von David Guetta?  Klar. Die Stimme zum Tanzparkettkracher kommt von Sia. Als Songschreiberin ist sie unter anderem für Rhiannas „Diamonds“ oder Britney Bitch‘s „Perfume“ verantwortlich. Mit dem vielversprechenden Titel: „1000 Forms of Fear“  veröffentlichte Sia im Sommer 2014 ihr sechstes Album. Der Überhit „Chandelier“ wurde von den Radiostationen gnadenlos an der Gurgel gepackt und ausgequetscht, wie man es nur mit Zitronen für einen  Whisky Sour macht. Ehrlich, „Chandelier“ kann ich nicht mehr hören!

Nun aber zum Hipster in hautfarbenen Unterhosen. Wir wissen ja, Hipster sind allgegenwärtig und je länger und ungepflegter der Bart, desto besser. Gilette hat sogar seine Marketingaktivitäten umgestellt und bewirbt jetzt Körperrasur weil sich kein Mann mehr das Fell aus dem Gesicht schneiden will. Leonardo diCaprio (er sieht echt gruslig aus momentan) gehören zu dieser Spezies und auch Shia LaBeouf der im neusten Video zu „Electric Heart“ eine grossartige Performance mit der 12 jährigen Tänzerin Maddie Ziegler abliefert. Ich habe selten ein so gut inszenierten und kraftvollen Tanz- / Kampf-Musikvideo gesehen:

 

Einen Song mit: “Und schon wieder beisst einer ins Gras…” (And another one bites the dust) zu beginnen ist grossartig. Ihr erinnert euch sicher an den Queen Hit von 1980… Man durchlebt die Enttäuschung und den Kampf in dem Song und geht mit erhobenem Haupte am Ende aus der Arena, oder aus dem Vogelkäfig.

Doch das Album „1000 Forms of Fear“ serviert mit “Big Girls Cry” oder “Fire Meet Gasoline” weitere potenzielle Hit-Single Auskopplungen, welche hoffentlich auch so gross in einem Video verarbeitet werden. Zudem ist Sia im heiss erwarteten Soundtrack von „Fifty Shades Of Gray“ mit dem Song: „Salted Wounds“ vertreten. Diesen OST werde ich mir dann sicher genauer unter die Lupe nehmen.

Und jetzt noch zum Whiskey Sour: Eiswürfel und 4,5cl Whiskey, 3cl Zitronensaft und  1,5cl Zuckersirup in einem Shaker kräftig schütteln und anschliessen in ein Tumbler (ist ein Glas, keine Social Media Plattform) sieben. Schmeckt echt sau sauer!

Stay tuned!

Another Premiere on TDS: Guido’s Soundbar – Expeditions to the world of music&more

The Dreaming Sheep ist stolz, neben den filmbezogenen “Listen to” Empfehlungen, mit der neuen Rubrik “Guido’s Soundbar” sporadisch die kommenden oder bereits veröffentlichten Perlen in der Welt der Klänge, Beats und Drums vorzustellen.

Selbstverständlich – wie es sich zu einem anständigen Barbesuch gehört – können die üblichen Ingredients wie Klatsch&Tratsch und sonstiges unnützes Wissen über die Theke gereicht werden…inkl. Rezepte für Cocktails!

Also chill out, relax und be prepared,

Guido’s Soundbar is extending a warm welcome Invitation!

It will happen soon….