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The Sheep says Yes: Papertowns

 

Es gibt Momente, da tut Rückbesinnung auf die eigene Jugend gut und was könnte dabei hilfreicher sein, als ein Film, der es schafft, Empfindungen und Emotionen aufflammen zu lassen, die schon längst unter den Eindrücken und Strukturen des späteren, „realistischeren“ und oftmals desillusionierten Ballastes des Erwachsenenlebens irgendwo in den dunkelsten Ecken des Bewusstseins ins Vergessen geraten zu sein schienen.

„Paper Towns“ oder „Margos Spuren“ nach der Romanvorlage von John Green („Das Schicksal ist ein mieser Verräter) ist so ein Film.

Die Geschichte von Q, oder mit bürgerlichem Namen Quentin Jacobson, der sich als kleiner Bub unsterblich in das Nachbarsmädchen verliebt, die Kinderjahre dann auch mit ihr verbringt – sogar mal mit ihr eine Leiche findet – aber dann in der Highschool den Kontakt verliert, da er sich eher zu einem pflichtbewussten, ambitiösen Schüler entwickelt, während sie eher in Richtung unzähmbares, geheimnisvolles Wild Girl geht und sich dabei natürlich auch auf einer ganz anderen sozialen Hierarchiestufe im schulhausinternen Sozialranking bewegt als er, der noch nie wirklich an einer der berühmt-berüchtigten Saufgelagen in Häusern abwesender Eltern teilgenommen hat. Bis sie plötzlich eines Nachts bei ihm auf der Fensterbank vor seinem Schlafzimmer sitzt und ihn bittet, ihr bei einer nächtliche Rachetour – ihr Freund hat sie betrogen – Wache zu stehen, was er natürlich trotz seiner Natur nicht ausschlagen kann und er ihr im Verlaufe  dieser bewegten Nacht zum ersten Mal im Leben im romantischen Sinne nahekommt. Doch am nächsten Tag erscheint sie plötzlich nicht mehr in der Schule. Sie verschwindet spurlos. Q und seine Freunde entdecken aber überall kleine versteckte Hinweise zu ihrem möglichen Aufenthaltsort, die sie anscheinend speziell für Q hinterlegt hat….

Ein wenig Coming-of-Age Geschichte über die persönlichen Lebensträume und die Suche nach seiner Identität, ein wenig nachdenkliches High-School Drama über das unwiderrufliche Ende der Jugendzeit und den damit verbundenen Freundschaften, ein wenig Road-Movie und natürlich die Suche nach der grossen (Jugend-) Liebe…aber alles serviert mit einem witzigen und jugendlich-lockerem Unterton, unaufgeregt, lebensecht und ohne jegliche bedeutungsschwangeren oder sonstige hochtrabende  Regiekapriolen. Und mit Shootingstar Nat Wolf („Palo Alto“, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) und Topmodel Cara Delevinge  („The face of an Angel“) hoch sympathisch besetzt.

“Also, wie ich die Sache sehe, erlebt jeder irgendwann mal ein Wunder. Ich meine, es ist zwar unwahrscheinlich, dass ich vom Blitz getroffen werde oder einen Nobelpreis kriege, Diktator eines Inselstaats im Pazifik werde, an Ohrenkrebs sterbe oder mich spontan selbst entzünde. Aber wenn man alle unwahrscheinlichen Dinge, die passieren könnten, zusammennimmt, ist es wahrscheinlich, dass jedem von uns zumindest einmal etwas davon passiert.”

Eine Erkenntnis, an der Q am Ende des Filmes festhalten wird, obschon er sich eingestehen muss, dass er sich bei vielen anderen Dingen geirrt hat und seine Sicht darauf korrigieren muss. Dies nicht resignierend oder verbittert, sondern dankbar für all das Erlebte und die daraus resultierten Erkenntnisse. Und das Feuer brennt mehr denn je für den Rest seines kommenden Lebens.

effect: heart-warming, depression-reliefe, mental revitalising, rediscovering of boyhood memories

Paper Towns, US 2015, 109 Min., Directed by Jack Schreier, with Nat Wolf, Cara Delevinge