Category Archives: Best of 2016

The Sheep’s Ultimate Best List Of 2016

1.  Arrival

Wir können uns nur vorstellen, was wir auch formulieren können. Die Grenzen unserer Sprache markieren die Grenzen unseres Bewusstseins. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn wir eine Sprache erlernen könnten, die das Universum mit seinen Parametern von Raum und Zeit anders strukturiert, sähen wir unsere Welt als eine andere, weil wir anders dächten.

Um diese hochspannende, aber sehr theoretische philosophische These zu einem emotionalen und nachvollziehbarem cineastischen Erlebnis zu verpacken, lässt Denis Villeneuve Ausserirdische, welche praktisch aus dem Nichts in acht über den Globus verteilten, an Monolithen erinnernde, gurkenförmigen Quasi-UFO’s erscheinen, die laut- und schwerelos knapp über der Erdoberfläche schweben und in der Folge die Menschheit, vertreten durch die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) und dem Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner), mit der Beschränktheit unserer Sprache und demzufolge unseres Bewusstseins konfrontieren.

„Arrival“, Denis Villeneuve’s („Incidents“, „Prisoners“, „Enemies“, „Sicario“) letzter Film bevor er dann im Herbst 2017 sein lang erwartetes „Blade Runner“-Remake auf die Leinwände bringen wird, ist sein bisher bestes Werk, was etwas bedeutet, da in seinem Oeuvre eigentlich keine qualitativen Ausfälle zu erkennen sind und er praktisch für jedes Filmgenre (Horror, Thriller, Action, Drama) seinen ganz persönlichen Knallerbeitrag beisteuerte, der – wenn nicht eine neue Bestmarke – so doch jedes Mal einen unauslöschbaren Fussabdruck markierte. So stellt er nun auch im Sci-Fi-Genre die jüngeren und durchaus respektablen Beiträge wie „Interstellar“ deutlich in den Schatten und platziert sich auf Anhieb auf Augenhöhe mit den ganz grossen Klassikern wie „2001“ oder „Solaris“. So sind es nicht nur die – wie immer bei Villeneuve – düsteren, befremdlichen und gleichzeitig hochästhetischen Bilder, unterlegt mit unheilschwangeren, bombastisch-schrägen, dieses Mal an Orka Wale gemahnende Töne oder teilweise eher Schreie, fliessend abgelöst von Max Richters („The Leftovers“) tieftraurigem „On the nature of daylight“, was fasziniert, sondern auch die erzählerische Struktur, die sich an dem philosophischen Exkurs orientiert, die Grenzen der linearen Strukturen aufreisst und schliesslich in einer simplen, wie aber auch bestechend zeitlosen und wahren Einsicht mündet: Der Wert des Momentes, der Zeit, gerade in Anbetracht unserer Endlichkeit.

In Anbetracht der philosophischen Natur dieses Stoffes und der kompletten Fokussierung darauf unter konsequenter Auslassung aller möglichen, reisserischen oder effekthascherischen Aspekte, die ja so ein „Invasion“-Stoff theoretisch bieten würde, der reduzierten poetischen Form des Erzählens, der feinen Zwischentöne, der nuancierten Betrachtungen und der zutiefst humanen Note, erstaunt es umso mehr, dass in dem heutigen möglichst auf Risikominimierung ausgerichteten Filmgeschäft über 50 Millionen Dollar in so ein ambitioniertes und intellektuell anspruchsvolles Projekt investiert wurden. Man kann es sich nur damit erklären, dass die Produzenten entweder die Absichten des Regisseurs nicht wirklich verstanden haben oder dass bei Denis Villeneuve einfach keine Fragen mehr gestellt werden. So oder so, die Welt – zumindest die der Cineasten – dankt. Denn durch die Diskussionen über diesen Film ist man gezwungen, über das zu sprechen, was man eigentlich nicht formulieren kann. Und bekanntlich genau das könnte unser Bewusstsein erweitern und verändern, zumindest nach der eingangs erwähnten Theorie. Ob es wirklich auch etwas bewirkt, werden wir ja noch sehen. Der dazu notwendige Film ist auf jedenfalls mal entstanden.

Arrival, USA 2016, 117 Min. Regie: Denis Villeneuve Mit Amy Adams, Forest Whitaker und Jeremy Renner

 

2. Nocturnal Animal

Es war von Anfang an absehbar, dass dieser Film zu den grossen Würfen im Kinojahr 2016 gehören wird. Wer die Arbeiten und Filme von George Clooney, Jack Gyllenhaal und Tom Ford ein wenig kennt, der weiss, dass alle drei ein exquisites Händchen für aussergewöhnliche Filmprojekte haben, die meistens auch abseits des Mainstreams angesiedelt sind. Und wenn die dann zusammen was anreissen (Clooney als Produzent, Ford als Regisseur und Gyllenhaal als Hauptdarsteller) und dies als eine Art Rape-Revenge-Thriller klassifiziert wird, mit mehreren Erzählebenen, der Jury-Preis in Venedig einheimst, die ersten durchsickernden Kritiken sehr kontrovers ausfallen, von totaler Ablehnung („Der Film ist so oberflächlich, wie die Oberflächlichkeit, die er anzuprangern meint“) bis hin zur komplett euphorischen Absolution („Filmkunst in Perfektion“), Zuschauer unter anderem das Kino entnervt verlassen, Buh-Rufe bis Applaus, dann kann man sicher sein, etwas Aussergewöhnliches serviert zu bekommen. So ist es dann auch.

Die erfolgreiche Galeristin Susan, die in L.A. mit Schlafstörungen und einer eingefrorenen Ehe in einem sinnentleerten Dasein vor sich hin vegetiert, kriegt eines Tages von ihrem Ex-Mann, zu dem sie seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, das finale Script zu seinem neuen Roman mit dem Titel „Nocturnal Animals“ zugesandt. Darin wird ein Ehepaar mit seiner Tochter im Teenageralter irgendwo in Texas in der Nacht von brutalen Outlaws von einer Landstrasse abgedrängt, Frau und Tochter entführt und der Mann in der Wüste ausgesetzt. Das mit den absehbar unausweichlich schrecklichen Folgen. Die durch die Lektüre aufgewühlte und sich bedroht fühlende Galeristin sieht sich gezwungen, sich mit den jahrelang verdrängten Gefühlen zu ihrem Ex-Mann und letztlich mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen.

Wie es von Tom Form nicht anders zu erwarten war, ist hier Ultra-Ästhetik Programm, beinahe jede Einstellung könnte auch in Susan’s Galerie in L.A. hängen, wobei Ford für jede Handlungsebene eigene stilistische und farbliche Konzepte entwarf, die sich gegenseitig wiederum möglichst hoch kontrastieren.

Im Unterschied zu Nicolas Winding Refn’s „Neon Demon“, der auch immer wieder als Vergleich zu „Nocturnal Animals“ herangezogen wird – wie auch „Lost Highway“ von David Lynch und „No Country for Old Men“ von den Cohen Brothers – ist dieser Film aber definitiv kein Zelebrieren der Form über den Inhalt. Im Gegenteil, die Story – nach einem Roman von Austin Wright („Tony&Susan“) – ist eine tief erschütternde Reflektion über verpasste Chancen und verlorene Liebe, über das ewige Dilemma von Herz und Verstand und die daraus entstehenden Konsequenzen. Wie Ford dies umsetzt, ist brutal, teilweise fast unerträglich intensiv und beklemmend, aber auch hochsensibel und letztlich tieftraurig. Tom Ford entpuppt sich nun definitiv als einer der begabtesten Filmemacher unserer Zeit mit einem ästhetisch Gespür und inszenatorischem Timing, das seinesgleichen sucht und von einer angeborenen Genialität zeugt. Dass Jack Gyllenhaal oder Amy Adams, die ja schon „Arrival“ praktisch alleine trägt – nicht zu vergessen auch Aaron Taylor-Johnson als verstörender Red-Neck-Sadist – hier zu Bestform auflaufen, trägt dazu bei, dass auch die höchsten Erwartungen nochmals gesprengt werden. Dass der Schluss eine grosse Deutungsbreite mit möglichst grossem Interpretationsspielraum über die Intention von Edward, ihrem Ex-Ehemann, zulässt, die das ganze Geschehen je nach Betrachtung in ein komplett anderes Licht rückt, mag für gewisse Leute unbefriedigend oder unbequem sein, spricht aber für die psychologische Komplexität des Stoffes. Als kleine Hilfe erwähne ich hier deshalb nur zwei Wörter: Goldene Kette. „Nocturnal Animal“ wird sich als der grosse Kultfilm dieses Jahres in der Filmgeschichte festschreiben. Sie werden unweigerlich daran denken, wenn Sie Ihre nächste Beziehung zu „dumpen” gedenken und wird Sie bis in Ihre Träume verfolgen. Wenn Sie dann überhaupt schlafen können…

Nocturnal Animals, USA 2016 116 Min. Regie: Tom Ford Mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon und Aaron Taylor-Johnson

 

3.  Paterson

We have plenty of matches in our house
We keep them on hand always
Currently our favourite brand
Is Ohio Blue Tip
Though we used to prefer Diamond Brand
That was before we discovered
Ohio Blue Tip matches
They are excellently packaged
Sturdy little boxes
With dark and light blue and white labels
With words lettered
In the shape of a megaphone
As if to say even louder to the world
Here is the most beautiful match in the world
It’s one-and-a-half-inch soft pine stem
Capped by a grainy dark purple head
So sober and furious and stubbornly ready
To burst into flame
Lighting, perhaps the cigarette of the woman you love
For the first time
And it was never really the same after that
All this will we give you
That is what you gave me
I become the cigarette and you the match
Or I the match and you the cigarette
Blazing with kisses that smoulder towards heaven
(Love Poem)

Es mag ja sein, dass die Storyline von einem Busfahrer in Paterson, New Jersey, von dem sieben Tage in seinem Leben erzählt werden, in denen er mehr oder weniger zur selben Zeit aufsteht, anschliessend sein Müsli mit den Ringelcornflakes isst, zur Arbeit zum Busbahnhof geht, vor der Abfahrt Gedichtzeilen in sein „geheimes“ Notizbuch schreibt, bevor er dann den Bus wirklich startet um seine täglichen Routen abzufahren, dabei den typischen Alltagsgesprächen von seinen Gästen lauscht, am Mittag auf einer Parkbank ein Sandwich zu sich nimmt und weitere Gedichtzeilen in sein Notizbuch schreibt, am Abend wieder nach Hause läuft, sich mit seiner leicht durchgeknallten, immer voller neuen Ambitionen und Ideen steckenden, aber liebevollen und hübschen Freundin unterhält, besser, ihr eher zuhört, bevor sie dann ein von ihr zubereitetes immer kreativ-gesundes – nicht immer sein Geschmack treffendes – Dinner (Broccoli-Cheddar-Cheese Pie zum Beispiel) verspeisen, ehe er dann noch eine letzte Runde um das Quartier mit ihrer, ihm leicht feindselig gesinnten, englischen Bulldogge dreht, wo er noch einen letzten Abstecher in seine Stammbar für ein Abendbier einlegt, dort einen kleinen Schwatz mit dem Barmann, einem der Gäste oder gar keinen Schwatz hat, um sich nachher auf den Weg zur Nachtruhe macht und dies dann eben siebenmal in Folge, nicht zwingend jedermann in neugierige Übermut versetzt. Für diejenigen, die sich aber an diesen scheinbar langweilen und handlungsarmen Stoff heranwagen, denen darf ein Effekt in Aussicht gestellt werden, der einer tief entspannenden, entkrampfenden und zufrieden stellenden Tiefen-Meditation-Session in nichts nachsteht. Im Gegenteil. Allenfalls anfänglich leicht irritiert von der Entsagung sämtlicher gewohnter Spannungstreiber, ein wenig unruhig von der Gemächlichkeit des Erzähltempos, eventuell kleine Juckreize von all den ständigen Repetitionen und Nebensächlichkeiten verspürend, verfällt man nach und nach in einen unmerklich sich aufbauschenden und unwiderstehlichen Sog der erhabenen Ereignislosigkeit, der puren Schönheit der kleinen alltäglichen Dingen, bis man am Schluss beim Abspann sich wünscht, einfach sitzen zu bleiben und sich ewig von diesen magischen und irgendwie glücklich machenden Wogen mitziehen zu lassen. Mit seinem dreizehnten Spielfilm liefert Jim Jarmusch, 64 Jahre alt, und bekannt als Meister der melancholischen Lakonie, sein Opus Magnum ab. Wohlgemerkt im besten zen-buddhistischen Sinne. Es scheint tatsächlich der Wahrheit zu entsprechen, dass Amazon, der grösste Konkurrent von Netflix, der ja auch zum Beispiel schon Woody Allen für sich gewinnen konnte („Crisis in Six Scenes”), keine, aber wirklich gar keine Vorgaben an die von ihm engagierten – zumindest bei den renommierten – Kulturschaffenden macht und somit Jarmusch ermöglichte, sein Meisterwerk unter Auslassung von sämtlichen, dem üblichen Spannungsbogen zuträglichen Ingredienzen, umzusetzen, um somit den eindeutig radikalsten Film von 2016 zu erschaffen. „Paterson“ ist kein Film über Poesie. „Paterson“ ist Poesie! Aber was genau ist Poesie? Fragen wir doch Paterson selber. „Poetry? Just words on water“. Punkt.

Paterson, USA 2016, LZ 123 Min. Regie: Jim Jarmusch Mit Adam Driver, Golshifteh Farahani und Masatoshi Nagase

 

4.  The Affair

Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Fernsehserien im Begriff sind, den klassischen Kinofilm als Ort der Unterhaltung und der Flucht aus dem Alltag – zumindest in der Populärkultur – abzulösen oder ihn bereits abgelöst haben. Dass viele namhafte Filmschaffende, in letzter Zeit auch aus der anspruchsvollen Arthouse-Ecke, ebenfalls zu Netflix, Amazon und Co. abwandern, unterstreicht und beschleunigt diesen Trend umso mehr. Obschon effektiv einige cineastischen Perlen aus dieser Revolution entstanden sind („True Detective”, „Fargo“, „The Leftovers” etc.), ist der konzeptionelle Unterschied zwischen TV und Kino meistens noch zu offensichtlich – und oftmals natürlich auch Absicht – oft daran erkennbar, dass die Story dramaturgisch auf die einzelnen Folgen ausgerichtet ist, welche dann an jedem Ende irgendein möglichst spannender, schockierender oder provozierender Cliffhanger präsentiert, was dem Erzählfluss und der Geschichte insgesamt meistens nicht gerade zu erhöhter Konsistenz, Glaubwürdigkeit oder Authentizität verhilft, sondern eher einfach den Showeffekt des Gezeigten unterstreicht. Muss ja nicht per se schlecht sein, hätte aber auf dieser Bestenliste der cineastischen Werke eines Jahres nichts verloren. Nicht so aber bei dem bei uns in Europa immer noch nicht gestarteten und im Frühjahr 2016 nur auf DVD erschienenen Meisterwerk der sinnlichen Spannung. Die Serie „The Affair“, welche von Sarah Treem und Hagai Levi für den Sender „Showtime“ kreiert wurde, welche 2015 die Golden Globes als bestes Fernseh-Drama (gegen „Games of Thrones“, „House of Cards“ etc.) gewonnen hat, ist die bisher konsequenteste Verschmelzung von Arthouse-Kino und Fernseh-Serie, da diese auf die oben genannten dramaturgischen Spielereien konsequent verzichtet und sich vollumfänglich auf die Entwicklung der involvierten Figuren konzentriert, dies unaufgeregt, schlicht, authentisch und mit einer sehr selten anzutreffenden Tiefenschärfe, so dass man sich zeitweise eher in einem Roman als vor bewegten Bildern wähnt.

Die Geschichte um die Liebesaffäre zwischen dem Autor und Familienvater Noah Solloway (Dominic West) und der Kellnerin Alison Lockhart (Ruth Wilson), ihre jeweiligen Beweggründe und deren weitläufige Konsequenten werden in einem sogenannten Spiegelungsverfahren erzählt, das Akira Kurosawa in seinem Meisterwerk „Rashomon“ das erste Mal angewendet hat. Dieselben Ereignisse werden jeweils aus der Sicht von Noah und aus der Sicht von Alison erzählt. Dass die Rekonstruktion der Geschehnisse retrospektiv in einem separat geführten Polizeiverhör stattfindet, verleiht der ganzen Geschichte von Anfang an eine unterschwellig unheilvolle und anhaltende Spannung, die mit dem sonst sehr stillen und dramatischen Handlungsverlauf in einer betörenden Symbiose steht. Das subtil in den Handlungsbogen eingeflochtene Gesellschaftskaleidoskop vom Schauplatz Montauk, East Hamptons, dessen wirtschaftliche Entwicklung vom idyllischen Fischerdörfchen in eine Touristenhochburg von mehrheitlich vermögenden New Yorkern hier skizziert wird und die dadurch entstandenen ethnologischen Veränderungen, die sich drastisch in die Verhältnisse der dort seit Jahrzehnte herrschenden Clan-Strukturen auswirkten, verleiht dieser tragischen Liebesgeschichte zusätzlich zur lyrischen auch noch eine epische Qualität.

Unterstrichen wird dies noch durch die melancholischen ruhigen Klänge von Marcelo Zarvos und die formidablen Darsteller, die bis in die Nebenrollen exzellent besetzt sind. Die Main-Acts Dominic West und Ruth Wilson als das zwischen Lust und Schmerz agierende Liebespaar stossen das Tor zwischen Fiktion und Realität beängstigend weit auf. Dass man gar nicht anders kann, als sich in die von Ruth Wilson gespielte Alison Lockhard zu verlieben, ist schliesslich auch die dramaturgische Bedingung dieses Konzeptes. Und es geht auf. Egal welchem Geschlecht Sie angehören.

The Affair, USA 2014, LZ 500 Min. Idee: Sarah Treem & Hagai Levi Mit Dominic West und Ruth Wilson

 

5.  The Valley of Love

„Mise en abyme“, eine Spiegelkonstruktion von Bilder oder Bild-in-Bild Effekt, so nennt Guillaume Nicloux („Die Nonne“, „The Kidnapping of Michel Houellebecq“) das dahinterliegende Konzept zu seinem „The Valley of Love“. Warum? Der Film führt die beiden Kolosse des französischen Films nach 35 Jahren wieder zusammen. Kolosse im übertragenen und im buchstäblichen Sinn. Wir sprechen hier von Gérard Depardieu und Isabelle Huppert. Sie spielen ein geschiedenes Ehepaar, das in der sengenden Hitze des Death Valley unfreiwillig zusammentrifft, da der gemeinsame Sohn sich umgebracht hat und ihnen beiden per separaten Brief versprochen hat, ihnen noch einmal an diesem unwirtlichen Ort zu begegnen, um ihnen für ihr Versäumnis und Verzagen, sich um ihn zu seinen Lebzeiten zu kümmern oder sich auch nur für ihn zu interessieren, zu vergeben. Dies werde an einem der 20 Orte, welche willkürlich im Todestal verteilt sind, aber in den Briefen minutiös markiert, inklusive minimale Aufenthaltsdauer, passieren. Beide Eltern sind berühmte Schauspieler und haben ihre Lebenszeit ausschliesslich für den Aufbau ihrer Karrieren eingesetzt. Sie heissen übrigens auch im Film Gérard und Isabelle.

„Die Grenzen zwischen dem richtigen Leben und der Fiktion verwischen sich. Mit dieser Methode, diesem Alibi einer Fiktion, vermochte ich das Wort Dokumentarfilm loszuwerden. Man verwendet den Begriff immer synonym mit Wahrheit, aber er ist genau das Gegenteil: Nichts ist mehr Fake als das Dokumentarische. Die Wahrheit findet man nur in der Fiktion.“

In Maurice Pialats Film „Loulou“ von 1980 spielten Gérard Depardieu und Isabelle Huppert zwei Liebende aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, eine gutbürgerliche Ehefrau und einen proletarischen Hallodri, die feststellen müssen, wie sehr die Herkunft sie trennt.
Depardieu’s Sohn Guillaume verstarb bereits im Oktober 2008 im Alter von 37 Jahren an einer Lungenentzündung.

„The Valley of Love“ hält von Anfang an eine vibrierende, fesselnde Grundstimmung, was einerseits an der Metaebene dieser Geschichte liegen mag, die durch das elektrisierende Schauspiel der beiden Wiedervereinten absolute Glaubwürdigkeit erhält, wenn nicht sogar Verwirrung stiftet. Die Vertrautheit, die gefühlte vergangene Intimität, die Trauer und Verzweiflung des Verlustes ihres Kindes zeichnet sich in jeder Gestik, Mimik und jedem gesprochenen Wort ab. Die musikalische Untermalung besteht aus dem Musikstück „The Unanswered Question„ von Charles Ives, das zwischen 1906 und 1908 entstanden ist und als eines der Schlüsselwerke der musikalischen Moderne sowie als einer der originellsten amerikanischen Beiträge zur Musikgeschichte gehandelt wird. Die zusätzlich surrealen, teilweise sehr fremdartig- und schockierenden Traumelemente, die zunehmend übersinnlichen Momente, gepaart mit der anschwellenden Hilflosigkeit und Verwirrung der Hauptakteure, verleiht dem Film eine einzigartig mysteriös-dramatische Note, irgendwo zwischen Beziehungsdrama, Bussgang, existenzieller Wüstenmeditation mit einem Hauch Geisterspuk und einem Schuss Heavy Metall. Gemäss Regisseur entstanden gewisse Schlüsselszenen völlig ungeplant und demzufolge komplett improvisiert – ganz seiner Arbeitsweise enstprechend: „Ich möchte nur nach der Intensität und Energie eines Augenblicks greifen“. Das ist ihm in der Tat gelungen. Starker Tobak.

Valley of Love – Tal der Liebe, Frankreich 2015, LZ 92 Min. Regie: Guillaume Nicloux Mit Gérard Depardieu und Isabelle Huppert

 

6.  Brooklyn

Ganz grosse gelungene Melodramen im altmodischen Stil – dies wohlgemerkt positiv gemeint – sind selten geworden. Um „altmodisch“ kurz zu definieren: Gemeint sind die Art von Filmen, die generationenübergreifend funktionieren und in jedermann die grossen universellen Gefühle wecken, getrieben von moralischer Aufrichtigkeit, ohne verkommene Seitenhiebe an die Adresse der dunklen Seiten des Homo Sapiens.
Dies mag einerseits an der immer grösseren Nachfrage nach schnell konsumierbarem Gefühlskitsch, der keine grossen Nachwehen verursacht, liegen, die mit den diversen Sonntags-TV-Programmen (Rosamunde Pilcher) oder im Kino mit den seriell produzierten und mit hoher Kadenz auf die Leinwand gestrahlten Nicolas-Sparks-Verfilmungen („The last Song“, „The best of me“) – Herzschmerz nach Schema F – gestillt wird. Filme wie „The English Patient“, „Cinema Paradiso“, „Rain Men“ oder „Atonment“ liegen bereits eine Ewigkeit zurück. Nicht wirklich geglückte Versuche wie dieses Jahr „The Light between the Ocean“ gibt es natürlich immer wieder und eigentlich gelungene Überraschungen wie „Ain’t them body saint“ oder „I Origins“ (Sheep Bestenliste 2014/15) sind offensichtlich zu sperrig, um den Weg zu einem grösseres Publikum zu finden. Als rare Ausnahme kann der letztjährige „Carol“ von Todd Haynes mit Cate Blanchett und Rooney Mara genannt werden und der grosse Oscarfavorit 2017, „La La Land“ – der aber obskurerweise bei den Golden Globus in der Kategorie Musical/Comedy ausgezeichnet worden ist. Deshalb war die „freudige Trauer“ umso grösser, als beim Abspann von „Brooklyn“, eine britische-irische-kanadisch Koproduktion des irischen Regisseurs John Crowley („A boy“), nach dem gleichnamigen Roman von Colm Tóibín adaptiert von Nick Hornby („About a Boy“, „High fidelity“), unmittelbar die Erkenntnis sich festsetzte, ja, es ist endlich wieder einmal vollbracht, der ganz grosse Wurf im melodramatischen Genre im alten Stil ist vollständig gelungen! Das dies so ist, zeigt unter anderem auch die Tatsache, dass „Brooklyn“ bereits wenige Monate nach dem Kinostart in der 2016 erschienenen weltweiten BBC-Umfrage unter Filmkritikern zu den bedeutendsten 100 Filmen des 21. Jahrhunderts (48. Platz./Platz 1 ist „Mullholland Drive“ von David Lynch) gewählt worden ist! Die Geschichte der junge Irin Eilis (Saoirse Ronan), die in den frühen fünfziger Jahren Heimat und Familie hinter sich lässt, um in New York die Chance auf ein besseres Leben zu ergreifen, dort angekommen, am Heimweh fast zerbricht und sich am Ende zwischen zwei Männern, einer aus der neuen, der andere aus der alten Welt, befindet, ist derart bitter-zart, feinfühlig und ergreifend umgesetzt, dass der Taschentuch-Vorrat ab Beginn in Reichweite platziert werden muss. Zu keinem Zeitpunkt verfällt der Film aber in kitschiges oder prätentiöses Terrain, sondern besticht durch eine wunderschöne Inszenierung, welche sich durch Zurückhaltung und Bescheidenheit auszeichnet und den Schwermut der Immigrantin in wohldosierten Abständen mit feinem Humor bricht. Letztlich ist „Brooklyn“ aber ein Ein-Personendrama und Saoirse Ronan’s („Atonment”, „The Lovely Bones“) Wandlung von dem schüchternen und einsilbigen Mauerblümchen zu einer weltgewandten, wunderschönen und begehrenswerten Frau, deren wahrstes Inneres und deren Gedanken immer hinter ihren geheimnisvollen traurigen blauen Augen versteckt bleiben und nur erahnt werden können, ist dann auch der grosse Zauber dieses tief ins Herz gehenden intimen Epos. Grosses bewegendes Kino alter Schule!

Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten, England/Irland/Kanada 2015, LZ 112 Min. Regie: John Crowley Mit Saoirse Ronan, Emory Cohen, Domhnall Gleeson

 

7.  Frantz

Ein junge Frau sitzt im Louvre vor einem Gemälde eines Selbstmörders. Nach einer Weile setzt sich ein junger Mann neben sie und fragt, was sie an diesem Bild so reizvoll finde. „Es weckt die Lebenslust wieder in mir“, entgegnet sie. Die Schlusseinstellung von Francois Ozons („8 Femmes“, „Swimming Pool“, „Jeune et Jolie“) neuestem Meisterstück, das den bisherigen Glanzpunkt seines Schaffens darstellt, bringt die emotionale Verfassung seiner Protagonisten in diesem Remake von dem Ernst-Lubitsch-Klassiker „Der Mann, den sein Gewissen trieb“ von 1932, auf den Punkt.

Die Witwe des im ersten Weltkrieg, dem „Grande Guerre“, gefallenen Frantz findet an seinem Grab in Quedlinburg, Sachsen-Anhalt, im Jahre 1919 als der Friedensvertrag von Versailles die Bedingungen für eine Neuordnung Europas ausgehandelt wurden, einen jungen Mann, einen Franzosen, vor, der Blumen auf das Grab ihres Verlobten legt. Wer ist dieser Mann? Was tut ein Franzose nach dem Ende des grauenvollen Gemetzels in Deutschland, wo sich die Gemütslage der ländlichen Dorfbevölkerung nach der Schmach, welche Deutschland durch die Franzosen erfahren hat und trotz politischem Waffenstillstand, noch nicht wirklich aufgehellt hat? Was sind seine Absichten? Diese Fragen werden in diesem formal brillant umgesetzten Film sehr lange nicht aufgelöst und sorgen so für eine mysteriöse und verunsichernde Spannung, welche durch die scheinbare Gewissheit und Zutraulichkeit der Eltern von Frantz – nach anfänglicher unverhohlen feindseliger Skepsis – gegenüber dem französischen Mann, namens Adrien, eher noch verstärkt wird. „Haben Sie keine Angst, uns glücklich zu machen“, fällt da einmal von diesen zu Adrien, ihn auffordern, auf der Geige von Frantz ihnen was vorzuspielen, im festen Glauben dessen, was Adrien ihnen zu seiner Beziehung zu Frantz gesagt hat. Dass sie sich in Paris kennengelernt und beste Freunde geworden sind, da sie die Liebe zur Kunst und vor allem zur Musik geteilt haben.

Dies wird nicht die letzte Lüge sein in einem Film, der die menschlichen Widersprüche und mäandernden emotionalen Standpunkte, die schlussendlich immer auch Ausdruck einer persönlichen Überlebensstrategie sind, mit einer selten gesehenen Eleganz, hochspannend, aber auch tieftraurig ausleuchtet und gleichzeitig ein Sittenbild des noch jungen zwanzigsten Jahrhundert entwirft mit einer Tiefenschärfe, wie es zuletzt nur Michael Haneke in „Das weisse Band“ geschafft hat. Nichts wirkt hier kulissenhaft oder aufgepinselt, kein Dialogsatz riecht nach Papier. Die streng durchkomponierten und düsteren Schwarz- Weiss-Bilder, die gelegentlich in Momenten der Hoffnung und des fragil aufleuchtenden Glückes durch einbrechende Farbe abgelöst werden, sparsam unterlegt mit den elegischen Streicherkompositionen von Philippe Rombi, machen „Frantz“ zu einer sinnlichen Dauerexplosion erster Güte, was nur noch durch Paula Beer, die erst 22 Jahre alte deutsche Schauspielerin („Das finstere Tal“), welche an den 73. Filmfestspielen von Venedig für ihre Rolle der Anna den Marcello-Mastroianni-Preis als beste Nachwuchsschauspielerin gewann und bereits als legitime Nachfolgerin von Romy Schneider gehandelt wird, überragt wird und so einen unauslöschbaren betörenden Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlassen wird. Und nach all dem Leiden, all dem Lügen und Täuschen bleibt die nüchterne und trotzdem irgendwie zuversichtlich stimmende Botschaft: Freund oder Feind, Hass oder Liebe sind nicht unbedingt einfach nur Gegensätze. Manchmal könnten sie auch nur der Widerschein des jeweils anderen sein – eine suggerierte Illusion. So ist denn auch das Unglück austauschbar, wie die Liebe auch.

Frantz, Frankreich/Deutschland 2016, LZ 113 Min. Regie: Francois Ozon Mit Pierre Niney und Paula Beer

 

8.  Mustang

Mit „Mustang“, dem Erstlingswerk der in Paris lebenden Tochter eines türkischen Diplomaten Deniz Gamze Ergüven gelang der Jungfilmerin einen mehr als furiosen Einstand. Der als reine Offenbarung gefeierte Film über fünf junge Geschwistermädchen, irgendwo im Nowhere in einem kleinen türkischen Dorf, die sich trotzig und mutig gegen den ihnen aufgezwungenen dort herrschenden archaischen Ehrenkodex auflehnen und sich unter Inkaufnahme aller Konsequenzen stoisch ihrem Schicksal widersetzen, räumte nicht nur den Europe Cinemas Label Award bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes 2015 ab, sondern holte sich auch die französische Nomination für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film und die Nomination als bester Film bei den Golden Globe. Zudem war die Presse voll des Lobes über die mutige Anklage gegen die Zustände im gegenwärtig repressiven türkischen Regime, welches Gleichstellungsfragen und gesellschaftlichen Fortschritt im Allgemeinen bekanntlicherweise nicht gerade zu seinen Top-Prioriäten zählt. Obschon – dies muss fairerweise auch erwähnt werden, gerade als Schweizer – das Frauenstimmrecht in der Türkei bereits 1930 landesweit eingeführt wurde.

Man würde „Mustang“ aber keineswegs gerecht werden, wenn man ihn in die Kategorie des anklagenden Sozialdramas, welches Missstände in fernen Regionen dramatisiert, presste, da dies nicht nur die Sicht auf den universellen Charakter dieses filmischen Zauberstücks völlig verstellte, sondern auch die Intentionen der Filmemacherin vernebelte, die gemäss ihren Aussagen von ihrem Lieblingsgenre „Gefängnisfilme“ und dem dortigen Kronjuwel „Escape of Alcatraz“ beeinflusst wurde und dies im Film mit diversen Seitenhieben und Referenzen auch ersichtlich ist. Nur ist es halt dieses Mal nicht der toughe Clint Eastwood, der sich mit einem Löffel seinen Weg ins Leben zurück kratzt, sondern es sind fünf höchst niedliche, mental erstaunlich reife, aber noch von der jugendlichen Lebenskraft und entgegen aller Widrigkeiten trotziger Willensstärke durchfluteten Mädchen, die sich wie ein einziger Leib mit fünf Körpern gegen den von ihrer Familie festgelegten Pfad aus Lustfeindlichkeit, Zwangsheirat und Dasein als mehr oder minder rechtlose Hausfrauen zur Wehr setzen. Sie tun das nicht mit ehrfürchtig verbissener Ernsthaftigkeit, sondern mit einem kindlichen naiven, übermütigen Starrsinn. Die teilweise spielerische Freude an der Auflehnung und das später resolute und verzweifelte Aufbäumen gehen fliessend ineinander über, wobei die engen Banden zwischen den Mädchen in jeder Geste und jedem Blick spürbar sind.

Natürlich ist die Regisseurin nicht nur von Clint Eastwood inspiriert worden, sondern auch von ihrer Kindheit, die sie als kleinstes Kind in einer Grossfamilie in einem türkischen Dorf verbrachte. So sind dann auch die meisten Begebenheiten an realen Erfahrungen von ihr selber oder an Leuten, die sie kannte, abgestützt. Da sie diese an sich tragischen Erlebnisse aber keinesfalls ebenso düster auf die Leinwand bringen wollte, inszenierte sie diese Geschichte in möglichst lichtdurchfluteten und sinnlichen Bildern, was dann auch der ständige Vergleich mit Sofia Coppolas „The Virgin Suicide“ evozierte, ein Film, den sie aber vorher – nach ihrer Aussage – noch nie gesehen hat. Zur überwältigenden Wirkung tragen in diesem schliesslich doch sehr intimen Beinahe-Kammerspiel die fünf jungen Hauptdarstellerinnen bei, von denen nur eine jemals vor einer Kamera gestanden ist, während die anderen in einem – zusammen mit der Regisseurin – spielerischen Prozess an ihre Rollen herangeführt wurden, geradezu organisch mit ihren Filmrollen verschmelzen.
Die Kleinste der fünf, Günes Sensoy, die auch sozusagen die Hauptrolle besetzt, hat eine Leinwandpräsenz, die die scheinbar amazonenhafte Ausstrahlung einer Angela Jolie in die Liga  eines verunsicherten Mauerblümchens degradiert. Und dies alleine nur mir ihrem Blick.

Resultat ist ein berührendes Meisterstück, das ein bedrückendes Thema gerade durch seine zurückhaltende, verspielte Art und seine sinnliche und intime Inszenierung einen zutiefst nachhaltigen Eindruck vermittelt und der universelle Botschaft des unermüdlichen, mutigen und widerspenstigen Kampfes gegen die Unterdrückung ein humanes, zu aller Letzt aber auch Mut und Hoffnung spendendes Gesicht verleiht. Die Titelgebung mag in diesem Kontext metaphorisch überhöht erscheinen, wenn man aber die fünf Mädchen sieht, wie sie alle zusammen mit ihren wilden, langen Haaren einer mürrisch verbitterten Nachbarin nachrennen, wild entschlossen auf Rache, mit einem markdurchdringenden Schreien, da diese sie bei ihrer Familie wegen angeblich unzüchtigem Verhalten verpetzt hat, versteht man, warum dieser Film nicht anders heissen darf. Brennt durch ihr wilden, anmutigen Pferde und lasst euch nie mehr einfangen!

Mustang, Türkei/Frankreich/Deutschland 2015, LZ 97 Minuten, Regie: Deniz Gamze Ergüven Mit Güneş Nezihe Şensoy, Doğa Zeynep Doğuşlu.

 

9.  American Honey

Inmitten des amerikanischen Vorwahlkampfes und dem aufkommenden Thema des White Trash platzte urplötzlich an den 69. Fimfestspielen von Cannes so ein kleiner Low-Budget- Film ins Rampenlicht der Oeffentlichkeit und dies nicht nur, weil er den Preis der Jury gewann oder mit fast 3 Stunden Laufzeit doch schon fast epische Formen aufwies, sondern, weil er anscheinend genau diese Gesellschaftsschicht in den USA thematisierte, welche schon länger in den Fokus der Medien gerückt war, da diese als das grösste Risiko für einen Wahlsieg von Hillary Clinton – und noch nicht Putin – betrachtet wurden. Wenn man den Film aber mal gesehen hat, fragt man sich, ob da die Filmkritiker nicht wieder etwas zu vorschnell in die Tasten gehauen haben. Mal abgesehen davon, dass die Hauptperson, Star, eine junge Frau auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft, aus tatsächlich desolaten Zuständen stammt, da ihre Mutter starb und sie alleine in einem heruntergekommenen Viertel in Oklahoma auf ihre jüngere Schwester aufpassen muss, hat „American Honey“ mit White Trash nicht wirklich viel zu tun, zumal Star dann auch sehr rasch und kompromisslos – sie lässt ihre jüngere Schwester zurück – aus ihrem Leben entflieht und sich einer sogenannten Drückerkolonne anschliesst, eine Truppe von mehrheitlich Jugendlichen, die in einem Bus durch die USA brausen, um irgendwelche Abonnements für Zeitschriften auf Provision zu verkaufen. Das nebenbei noch wild abgefeiert wird und amouröse Verstrickungen geradezu programmiert sind, versteht sich von selbst. Angeführt wird die Truppe von Krystal, einer knallharten und zynischen „Bitch“, welche sich auch den männlichen Top Seller der Truppe, Jack, als Lover oder eher als Haussklaven hält, dessen Schnauze und protziges Verhalten umso ausgeprägter wird, je mehr er von seiner Lover-Chefin gedemütigt wird. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb verliebt sich Jack in die attraktive junge Neue, die er anfänglich auch mit seiner überdrehten Art in einem Supermarkt angesprochen und ihr die Möglichkeit, mit ihnen mitzufahren, angeboten hat.

So geht es dann auch in diesem Film viel mehr um den inflationär bemühten Mythos des American Dream und dessen Erfüllung, der sich ja vor allem über das schnell verdiente Geld und mit dem damit verbunden gesellschaftlichen Aufstieg, definiert. So sind dann auch die Parallelen von „Amercian honey“ zu „The Wolf of Wolf Street“ gross: Eine mit Zuckerbrot und Peitschen geführte Abzocker-Truppe, die den Leuten das Geld abquatscht und am Ende jedes Tages der Erfolgloseste von der Gruppe bestraft und der Beste belohnt wird. Das kollektive Besäufnis folgt so oder so. Was „American Honey“ von anderen, ähnlich gelagerten Filmen abhebt, ist, dass das ganze kapitalistische Treiben sehr oft von stillen Beobachtungen des heutigen Amerika unterbrochen wird, vermittelt durch die Augen der die grosse weite Welt entdeckenden Star, während den langen Busreisen: ungefiltert, roh, aber auch schwelgerisch und wunderschön. Wie es sich bei einem Film über Aufbruch und Träume gehört, ist die Musik der grosse emotionale Treiber und wird zur eigentlich kommentierenden Stimme der Befindlichkeit der Protagonisten. Von Country, über Rihanna, zu Rap, nichts fehlt, nichts ist zu viel.

Die Schauspielerriege in diesem Film von Andrea Arnold („Fish Tank“) ist so ungewöhnlich wie auch verblüffend frisch und unverbraucht, was sicherlich zu der authentischen Stimmung beiträgt. Zwar hat sie mit Shia LaBoeuf (Jack) einen ehemaligen A-Lister (u.a. „Transformer“- Reihe) besetzt. Dieser hat sich aber 2012 offiziell von der „korrupten“ Hollywood-Maschinerie losgesagt und will nur noch in Independent-Filmen, wie zum Beispiel in Lars von Trier’s „Nymphomaniac“ mitspielen (obschon ja „Fury“ von 2014 mit Brat Pritt kein wirklicher Indi-Film ist), wobei seine öffentlichen Wutausbrüche und sonstigen Eskapaden in den letzten Jahren für weit mehr Schlagzeilen als dessen Filmauftritte gesorgt haben. Trotzdem oder genau deshalb ist er für diese Rolle die Idealbesetzung, da jeder Moment von seiner scheinbar grenzenlosen Hybris, zügelloser Energie und latenter Unberechenbarkeit geprägt ist, die nur ein Schauspieler an den Tag legen kann, der bereit ist, sich vorbehaltlos und fatalistisch einer Rolle zu unterwerfen und eigentlich nichts mehr zu verlieren hat. Ihm zur Seite stehen mit der Elvis-Enkelin Riley Keough („Mad Max: Fury Road“, „Magic Mike“) als knallharte Rädelsführerin und Sasha Lane, als Star, die erst vor Drehstart von der Regisseurin beim Spring Break in Florida entdeckt worden ist, zwei völlig angstfrei und überzeugend aufspielende Persönlichkeiten zur Seite.

Mit einem kleinen Filmteam und den vielen Laiendarstellern fuhr die Regisseurin 56 Tage durch die USA und schuf so eine unmittelbare Bestandesaufnahme der USA und dem American Dream, eine Art Mischung aus Road-Move, Coming-of-Age-Geschichte, Kapitalismus-Satire und Sozialdrama. Serviert wird dieser einmalige Cocktail auf einer mitreissenden Musikcollage, flankiert von überzeugenden Neuentdeckungen und einem sich in Rage spielenden Shia LaBoeuf. Trotz allen Widerständen und Widrigkeiten wird unbeirrt – immer nach dem grossen Traum strebend – weitergekämpft, weitergeträumt und weitergefeiert. Und dies wütend, wild, verzweifelt und euphorisch. Bounce it!

American Honey, England/USA 2016, LZ 162 Min. Regie: Andrea Arnold Mit Sash Lane, Shia LaBeouf, Riley Keough

 

10.  The End of the Tour

Durch nichts entsteht ein intimeres Porträt, als wenn ein Mensch sich mit einer Vertrauensperson im existenziellen Zwiegespräch befindet. Dies im Gegensatz zu den zahlreichen auf Hochglanz stilisierten Hollywood-Biopics, die meistens einen Schnelldurchlauf durch die bedeutendsten Stationen im Leben der porträtierten Persönlichkeit vornehmen. Die viel unspektakulärere, aber dafür meistens aufschlussreichere Methode der Annäherung benutzte James Ponsoldt, um den Menschen hinter der Kultfigur und Ikone der amerikanischen Gegenwartsliteratur, David Foster Wallace, der sich im Alter von 46 Jahren aufgrund seinen schweren Depressionen das Leben nahm, zu ergründen. Basierend auf dem Buch „Although of Course You End Up Becoming Yourself“ von David Lipsky, der den Schriftsteller als Bewunderer und Reporter des „Rolling Stones“-Magazins auf dessen Promotionstour zu seinem Roman „Unendlicher Spass“ durch die Vereinigten Staaten begleitet. Die Gespräche zwischen den beiden, die Lipsky auf Tonband aufnahm, sind von hohem und bisweilen paranoischen Misstrauen und von der Ablehnung seitens des depressiven Schriftsteller geprägt. Die teilweise kurz aufblitzenden Momente der zaghaften Annäherungen und fragilem Zutrauen offenbaren aber kurze Einblicke in die gnadenlosen Abgründe und Ängste eines vom Erfolg verwöhnten und verzogenen, aber letztlich einsamen, nach Liebe und Zuneigung heischenden und für diese Welt schliesslich zu sensiblen Menschen. Die Dialogpassen in ihrer schlichten und wahrhaftigen Art sind denn auch das dramaturgische Herzstück des Films, was nicht erstaunt, da diese halt einfach auch echt sind.

Das kammerspielartige Drama, das komplett auf die Annäherung der beiden Protagonisten oder eher Antagonisten fokussiert und auf jegliche inszenatorische Ausschmückungen verzichtet und dadurch umso rauher und dichter daherkommt, wird von Jason Segel („Wallace“) und Jesse Eisenberg (Lipsky) kongenial, frei von aller Eitelkeit getragen.

Es ist die berühmt schicksalsträchtige Zufälligkeit, dass ein halbes Jahr vorher mit „Life“ von Anton Curbjin ein beinahe identischer Film über James Dean anlief, welcher kurz vor seinem Tod noch eine Freundschaft zu dem „Life“-Photograph Dennis Stock aufbaute, dies anlässlich zu einem Fotoshooting, woraus eines der meistreproduzierten Bilder aller Zeiten – James Dean an einem regenverhangenen Tag tief in den Kragen seines Mantels gebeugt und lässig mit einer Kippe im Mundwinkel kokettierend durch die Strassen Manhattans schlurfend – und dieser in einer ähnlichen Seelenschau durch die endlosen Gespräche der beiden mündete.

Obschon „The End of the tour“ deutlich tiefer geht und mit einer selten gesehenen, unaufgeregten und geerdeten Authentizität die Unsicherheiten und Ängste eines hypersensiblen und sich unverstanden fühlenden und depressiven Künstlers entlarvt und dadurch einen viel nachhaltigeren Eindruck hinterlässt, wurde „Life“ – der durchaus auch seine starken Momente hat, gerade durch die fotografische Qualitäten (ist ja auch von Corbjin) – in den Kinos ein Achtungserfolg, während Ersterer bei uns in Europa gar nie in die Lichtspielhäuser kam. Eine weitere verpasste Sternstunde des Kinos. Wenigstens Sichtbar auf DVD und Apple TV.

The End of the Tour, USA 2015, LZ 106 MIn. Regie: James Ponsoldt Mit Jason Segel und Jesse Eisenberg

 

Not to miss as well! 10 more irresistible movies in 2016!
The Leftovers – Season 2

Neben „The Affair“ gab es im Jahr 2016 aus der Sicht vom Sheep nur noch ein Grossereignis, das sich direkt am TV abgespielt hat – wobei hier natürlich die Qualität von anderen Top-Serien („Mr. Robot“, „GoT“, „Walking Dead“, „True Detective 2“, „Fargo 2“…) auf keinen Fall angezweifelt werden will. Aber die zweite Staffel von dem „Trauerspiel“ um die verbliebenen Seelen auf der Welt, nach der grossen Entrückung von Millionen von Menschen, erreicht mit formaler Brillanz, raffinierter Erzählstruktur, kultigen Figuren, intensivem Schauspiel, wohligen Provokationen und süffig-melancholischem Max-Richter-Sound die höchste Stufe des seriellen Erzählens. Eigentlich die inoffizielle Fortsetzung von „Twin Peaks“. Apropos: Mr. Lynch ist für seinen offiziellen Start in diesem Jahr mehr als nur gefordert.

The Leftovers 2, USA 2015, LZ 589 Min. Idee: Damon Lindelof, Tom Perrotta Mit Justin Theroux, Amy Brenneman, Christopher Eccleston und Liv Tyler.

 

The Gift

Wenn einem wieder mal die Lust auf einen schönen, fiesen Psychothriller mit gemeinen Schockeffekten und einem ganz perfiden – „Seven“-mässigen – Schluss befällt, dann bekommt man hier, was man sucht. Und das alles noch hochdekorativ mit Jason Bateman und Rebecca Hall, einem hochattraktiven Hauptdarsteller-Paar. Geheimtipp!

The Gift, USA 2015, LZ 108 Min. Regie: Joel Edgerton Mit Jason Bateman, Rebecca Hall und Joel Edgerton

 

The Revenant

Die überlieferte Geschichte von einem Pelzhändler, welcher sich hunderte Meilen weit, angebissen von einem Bären und sich eigentlich bereits in der Zwischenwelt von Leben und Tod bewegend, durch die unwirtlichen Wälder und Eiswüsten der Rocky Mountains schleppt, um den Tod seines Bruders und eigentlich auch den Mord an ihm selber zu rächen (unterlassene Hilfeleistung seiner Trapperfreunde), hat sich nicht nur bereits jetzt schon zu einem absoluten Kultfilm entwickelt, der alles, was es an Filmpreisen so zu gewinnen gibt, u.a. die Oscars (Kamera, Regie und endlich, endlich Hauptdarsteller Di Caprio), Golden Globes (Bester Film) abräumte, sondern hat auch gleich eine bereits verloren geglaubte philosophische Glaubensrichtung wiederbelebt und zwar den Stoizismus: Die Bewegung der Stoiker, also Leute, die das Leiden respektive das gelassene Aushalten des Leidens als Lebensziel verfolgen. Das Buch „The Obstacle is The Way“ hat sich bereits eine halbe Million Mal verkauft, Tim Cook und andere Prominente bekennen sich bereits leidend zu den Vorreiter-Leidensbrüdern. Und der neue Wummer von Mr. Birdman, Alejandro G. Iñárritu ist das was „Siddharta“ von Hermann Hesse für Buddhisten ist. Oder die Bibel für Christen. Lassen Sie sich also inspirieren und leiden Sie in Zukunft schöner!

 

The Revenant – Der Rückkehrer, USA 2015, LZ 156 Min. Regie: Alejandro G. Inarritu Mit Leonardo Die Caprio, Tom Hardy

 

Umimachi Diary – Unsere kleine Schwester

Drei Schwestern treffen an der Beerdigung ihres Vaters auf ihre 14-jährige Halbschwester und nehmen diese ganz selbstverständlich bei sich auf. Sie essen Makrelen, lachen und leben den Moment. Hirokazu Koreedas („Like Father, Like Son“) der japanischste aller japanischen Filmemacher adaptierte die Manga-Serie der Zeichnerin Akimi Yoshida („Umimachi Dary“), das Tagebuch der Küstenstadt, von welchem seit 2007 bereits sechs Bände erschienen sind und deren Schauplätze in Kamakura inzwischen mehr Touristen als alle Tempel der Stadt anziehen. Die Verfilmung des gänzlich Undramatischen der äusseren Geschehnisse dürfte dem Ort nun den grössten Besucherstrom seit 1333 (Schlacht von Kamakura – Ende des Hojo Clas) bescheren – als ein Wallfahrtsort für die Fans des Unspektakulären.

Zen-Buddhismus als gelebte filmische Vision. Durch einen Tunnel aus rosafarbenen Kirschblüten und Wunderkerzen bei einer nächtlichen Kimono-Party werden Sie das Glück wieder finden. Einer der schönsten japanischen Filme ever!


Umimachi Diary, Japan 2015, LZ 127 Min. Regie Hirokazu Koreeda Mit Haruka Ayase, Masami Nagasawa, Kaho

 

Demolition

Jack Gyllenhaals kongeniale Fast-One-Man-Show, als Investmentbanker, der nicht um seine verstorbene Frau zu trauern weiss. Sein phasenweise absurd teilnahmsloses und destruktives Verhalten verstört nicht nur seine Schwiegereltern, sondern teilweise auch den Zuschauer. Aber genau das macht diesen Film so stark, denn nur was aufwühlt, fordert auch und zwingt einem, eine eigene Haltung einzunehmen. Denn es gibt nichts Individuelleres und Unabsehbareres als die Reaktion des einzelnen Menschen auf Extremsituationen. Was der plötzliche Tod eines Geliebten ja auch ist. Reifer, sehenswerter, aber auch komischer und berührender Film zu einem schwierigen Thema, der sich getraut Widersprüche stehen zu lassen. Zudem starker Soundtrack.

Demolition, USA 2015, LZ 100 Min. Regie Jean-Marc Vallée Mit Jake Gyllenhaal, Naomi Watts und Chris Cooper

 

The Hateful Eight

Wenn pausenlos geflucht wird, rassistische Sprüche am Laufband abgefeuert werden, Frauen verprügelt und so viele Kugeln verschossen werden, dass am Schluss meistens keine Menschenseele mehr übrig bleibt und die Kritiker und das Publikum weltweit in einer seltenen Einhelligkeit diesem Treiben zujubeln, dann, ja dann kann es sich nur um einen Tarantino-Film handeln. Auch sein achter hält ein, was der Name Tarantino verspricht. Dieses Mal ein in sechs Kapiteln strukturiertes nicht linear erzähltes Western-Kammerspiel mit Musik von Ennio Morricone, das vor allem dem grossen Kinski-Klassiker „Il grande Silencio“ seinen Tribut zollt. Einfach nur grossartig! You shot me down, peng, peng!

The Hateful Eight, USA 2015, LZ 168 Min. / 187 Min. (Originalfassung) Regie: Quentin Tarantino Mit Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Tim Roth, Michael Madsen, Jennifer Jason Leigh, Bruce Dern, Channing Tatum

 

Der Schamane und die Schlange

„El abrazo de la serpiente“ ist die kolumbianische Variante von „Apocalypse Now“. Tief im Amazonas verfallen und begegnen der deutsche Anthropologe Theodor Koch Grünberg Anfangs des 20. Jahrhunderts und dreissig Jahre später der Biologe Richards Evans Schultes auf der Suche nach der sagenumworbenen Yakruna (Ayahuasca) Pflanze dem Wahnsinn und dem Tod. Basierend auf den realen Tagebüchern der beiden, gefilmt in betörend schönen Schwarz-Weiss-Bildern, ist dieser Film wie ein Fiebertraum von einer anderen, bedrohlich-faszinierenden Welt. War nominiert für den Oscar 2016 als bester fremdsprachiger Film.

El abrazo de la serpiente, Kolumbien 2015, LZ 125 Min. Regie: Ciro Guerra Mit Jan Bijvoet, Brionne Davis

 

Room

Eine Mutter, die zusammen mit ihrem 5-jährigen Sohn jahrelang in einem kleinen Raum unter der Erde gefangen gehalten wird, plant ihre Flucht…Trotz schwerer Thematik und unangenehmen Assoziationen (Kampusch) ist dieser Film eine Ode an die Schönheit des Lebens und an unsere Welt. Gewisse Szenen sind das Bewegendste, was man seit Langem auf der Leinwand sehen konnte und rauben einem schlicht den Atem. Es ist selten so still im Publikum gewesen, wie nach der Vorstellung von „Room“, der einem längere Zeit nicht mehr aus dem Kopf und dem Bauch geht. Zurecht einer der grossen Preisabräumer im letzten Jahr inklusive Oscar- und Golden-Globe-Nominierung als bester Film und den Gewinn dieser Auszeichnungen für Brie Larson als Mutter.

Room, Irland/Kanada 2015, LZ 118 Min. Regie: Lenny Abrahamson Mit Brie Larson, Jacob Tremblay, Joan Allen, William H. Macy.

 

California City / Above and Below

Ein namensloser Moskitojäger streift durch die post-apokalyptisch anmutende Geisterstadt California City in der Mojave-Wüste, welche 1965 flächenmässig als drittgrösste Stadt in Kalifornien angelegt worden ist, aber nur noch gerade 13’000 Einwohner hat. Erinnerungen an eine verflossene Liebe verfolgen ihn, er sucht Rat bei Hellsehern und verliert schlussendlich sogar noch die Verbindung zu seinem Arbeitgeber, sein einzig verbliebener Draht zur “realen” Welt.

Rick&Cindy leben in den Flutkanälen tief unter den funkelnden Strassen von Las Vegas,  Dave in einem verlassenen Bunker und eine Gruppe von quasi NASA Aspiranten befindet sich in der steinigen Wüste Utahs und exorzieren jahrein-, jahraus eine mögliche Marsmission.

Der deutsche Bastian Günther und der Schweizer Nicolas Steiner porträtieren mit unterschiedlichen formalen Konzepten (Spielfilm/Dokumentarfilm) die wahren vergessenen Gruppen und Parallelgesellschaften in den USA, die trotz den obskuren und fremdartigen Lebensumständen uns weit näher sind, als wir dies oftmals glauben wollen. Und trotz aller Widrigkeiten ungemein poetisch erzählt mit einem lang nachhallenden Effekt. Open your Eyes!

Hierfür kriegte Nicolas Steiner den Deutschen Filmpreis für den besten Dokumentarfilm.

Above and Below, CH/D/USA 2015, LZ 118 Min., von Nicolas Steiner


California City, D 2015, LZ 84 Min. Regie: Bastian Günther Mit Jay Lewis, Chelsea Williams