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Manos Sucias

Ein weiteres Highlight des diesjährigen ZFF Zürich Film Festival war die Kolumbianische Produktion „Manos Sucias“. Aufgrund meiner Liebe zum Land Kolumbien bin ich natürlich etwas voreingenommen – dennoch ist der Film absolut sehenswert. Ich selber habe mich in der Nähe des Schauplatzes 7 Tage lang aufgehalten und hatte während den 84 Film-Minuten ständig das Gefühl ich sei selber wieder vor Ort an der Küste in Kolumbien. Dem Regisseur Josef Wladyka ist mit seinem Erstlingswerk ein sehr realistisches Drama respektive spannender Thriller gelungen.

Zum Inhalt: Die beiden dunkelhäutigen Kolumbianer, der Fischer Jacobo und der Hobby-Rapper Delio, haben in der Hoffnung auf das schnelle Geld den Auftrag gefasst, eine grosse Menge Kokain mit einem Fischerboot zur Grenze Panamas zu schmuggeln. Je länger der Auftrag dauert, desto mehr erkennen sie die hoffnungslose und gefährliche Situation in die sich die beiden begeben haben. Als dann das ganze Kokain plötzlich weg ist, haben sie nur noch ein paar Stunden Zeit um das Kokain zurückzuerobern. Es beginnt ein spannender Wettkampf gegen die Zeit!

Die Gegend selber ist tatsächlich ein heisses Pflaster. Als ich mit meiner Freundin selber da war haben wir viele dubiose Gestalten kennengelernt, die vermutlich selber auch in ähnliche Geschäfte verwickelt sind. Bis vor wenigen Jahren war die Gegend für ausländische Touristen nicht erschlossen und viel zu gefährlich. Noch heute ist die Route an der Pazifikküste eine der wichtigsten Verbindungen des Kokain-Schmuggels Richtung USA. Die ganze Küste ist nur per Boot und kleinen Flugzeugen erreichbar. Wenn man das natürlich selber gesehen hat ist der Film noch packender.

Im Film kommen praktisch keine Frauen vor und um dieses Gleichgewicht ein bisschen auszugleichen hat der Regisseur absichtlich viele kolumbianische Lieder gewählt mit Frauengesang. Die Musik ist im ganzen Film sehr gut und passend gewählt, weshalb ich auch ein paar Lieder als Links verfügbar gemacht habe.

Der durch Spike Lee co-produzierte Streifen lief beim New Yorker Filmfestival „Tribeca“ und wurde dort sehr gut aufgenommen. Auch die Schweizer Presse hat den Film gelobt. Ob er schlussendlich in Europäische Kinos gelangt, ist leider noch nicht bekannt. Seit Anfang Oktober läuft er in Kolumbien und es bleibt zu hoffen dass er sich durchsetzen kann und es auch in die Schweizer Kinos schafft.

Wer gerne Südamerikanische Kost schaut und oft Fernweh verspürt der sollte Manos Sucias unbedingt schauen sobald er anläuft. Wer gerne spannende Thriller schaut, der wird auch auf seine Kosten kommen.

Bleibt mir noch zu sagen, dass Kolumbien in Wirklichkeit ein friedliches Land mit den (statistisch betrachtet) glücklichsten Menschen ist und leider hilft dieser Film nicht, den immer noch schlechten Ruf von Kolumbien zu verbessern. Immerhin ist es gelungen dadurch gute und realistische Unterhaltung zu schaffen!

Vonarstræti / Life in a Fishbowl

 

Bereits zum zehnten Mal findet das ZFF Zürich Film Festival statt, für den Filmfreak die schönste Woche des Jahres. Als passionierter “Arthouse” Film Schauer und Liebhaber von Filmen fremder Kulturen komme ich an diesem Festival immer zum Genuss sehenswerter Filmperlen. Herausragend in diesem Jahr im “Internationalen Spielfilm” Wettbewerb war sicherlich der Isländische Streifen “Vonarstræti / Life in a Fishbowl” welcher meiner Meinung nach den Siegerpreis verdient hätte.

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Die drei parallel verlaufenden Erzählstränge verflechten sich im Verlaufe des Filmes immer enger miteinander. Zum einen die Geschichte der 24-jährigen alleinerziehenden Mutter und Kindergärtnerin “Eik”, die sich nachts als Prostituierte verkauft um so Ihren Kredit der Bank abzahlen zu können. Die zweite Geschichte erzählt die des Schriftstellers Mori, der zwar nie nüchtern angetroffen wird, aber in Wirklichkeit sehr intellektuell ist. Er hat soeben sein neustes Werk fertig geschrieben indem er seine Lebensgeschichte beschreibt und dieses Manuskript wird von seinem Verleger in den Himmel gelobt. Die dritte Erzählung beschreibt das Leben des Ex-Fussballer Sölvi welcher ein glückliches Familienleben führt und als sehr erfolgreicher Banker arbeitet.

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Nach und nach erfährt man mehr über die Gründe der Trunkenheit des Schriftstellers und wie er im Rausch vor Jahren seine Tochter verloren hat. Auch wird die düstere Vergangenheit von Eik aufgerollt und natürlich kommen sich Mori und Eik durch eine zufällige Begegnung näher und es entsteht eine Freundschaft und Eik vertraut dem Schriftsteller während ihrem 5-tägigen Florida Trip Ihre Tochter an. Zeitgleich befindet sich auch der Banker Sölvi mit seinen Arbeitskollegen in Florida und trifft dabei auf Eik. Viel mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten.

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Während den 130 Minuten Spielzeit reiht sich ein Puzzle Teil ans nächste und wird dadurch nie langweilig. Dem Regisseur Baldvin Zophoniasson ist ein bemerkenswerter Film gelungen den man weder einem Drama noch Liebesfilm zuordnen kann.  Zophoniasson hat mit der Wahl der Schauspieler ein goldenes Händchen bewiesen. Der Streifen ist zeitweise sehr hart und traurig aber nach kurzer Zeit immer wieder fröhlich und lustig. Dank einem sehr glücklichen Ende bleibt er einem  als Feelgood Movie in Erinnerung.

Zu hoffen bleibt, dass es der Film in die Kinos bringt und möglichst viele Leute zu sehen bekommen. Ich würde ihn sicherlich ein zweites Mal schauen gehen!