The Sheep’s Favorits from 2015

1. Birdman or The Unexpected Virtue of Ignorance

Wenn in 1000 Jahren – falls es dann überhaupt noch jemand interessiert – über die grössten Filmmacher aller Zeiten resümiert wird, besteht die reale Chance, dass der Name Alejandro González Iñárritu noch vor solchen wie Hitchock, Fellini oder Kubrick genannt werden könnte. Nach seiner Death Trilogie (Amores Perros, 21 Grams, Babel) ist „Birdman „ auf jedenfalls der entscheidende Knockout-Punch, welcher ihn unter Himmelsposaunen an die Weltspitze der zeitgenössischen Regisseure katapultierte. Die satirische Jazz-Tragödie über die Reise in den Wahnsinn eines ehemaligen Hollywood-Superstars (Michael Keaton) ist eine kreative Knallorgie, unüberhörbar, grössenwahnsinnig, polarisierend, arrogant, zynisch und misanthropisch, aber vor allem halt schlicht genial. Nur der fast penetrante Awardregen (u.a. 4 Oscars, 2 Golden Globes, Independent Spirit Award etc) störte hier ein wenig, da der Film unter anderem auch eine ätzende Momentaufnahme der Filmindustrie ist, welche sich aber scheinbar in jüngster Vergangenheit nach dem Grundsatz verhält: Wen Du nicht besiegen kannst, musst Du umarmen. Oder schütte ihn mit Preisen zu. Und wie man hört, könnte sich dies auch 2016 mit seinem naturalistischen Abenteuerfilm mit Leonardo DiCaprio „The Revenant“ schon bald wiederholen.

USA 2014, LZ 119 Min., Directed by Alejandro González Iñárritu. With Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Emma Stone, Naomi Watts

http://www.thedreamingsheep.com/the-genesis-of-an-everlasting-cult-classic-or-why-we-are-always-confusing-love-for-admiration/

2. Victoria

Mehr eine Art Experiment, als klassischer Spielfilm. Eine Spanierin trifft im Ausgang in Berlin auf eine Gruppe junger Männer und gerät mit diesen auf eine anarchische und amouröse Achterbahn-, welche sich zum Ende hin zur bitteren Höllenfahrt entwickelt. Gedreht alles in einer einzigen Plansequenz, ohne einen einzigen Schnitt, entwickelt der Film über seine 140 Min. Laufzeit allmählich einen Sog und Intensität, welche man von unseren nördlichen Nachbarn noch nie so gesehen hat und ihn zu einem der besten deutschen Film aller Zeiten (wenn nicht der beste) macht. Die fiebrige Nachtoper stellt quasi das Gegenstück zu „Heat“ von Michael Mann dar und ist in letzter Konsequenz auch ein schauspielerisches Husarenstück von der Jungschauspielerin Laia Costa.

D 2015, LZ 140 Min, Directed by Sebastian Schipper  with Laia Costa, ‎Frederick Lau, ‎Franz RogowskiBurak Yiğit

 

3. Sicario

Im Grenzgebiet zwischen dem Süden der USA und dem Norden von Mexiko spielt sich bereits seit Jahrzehnten ein Drogenkrieg mit Abertausenden von Toden, wechselnden Konfliktparteien und ohne die geringsten Anzeichen einer Lösung ab. Filme darüber gibt es bereits (u.a. Traffic), wobei in jüngster Vergangenheit  ein spürbarer Anstieg zu dem Themenkomplex Drogenhandel und deren Mechanismen und Ursachen zu verzeichnen war. Wie zum Beispiel der preisgekrönte und von Kathryn Bigolow produzierte Dokumentarfilm „Cartel Land“.  Oder über Pablo Escobar, welcher im 2015 sogar zweimal prominent porträtiert wurde mit „Escobar – Paradise Lost“ und der fantastischen Netflix Serie „Narcos“.  „Sicario“, was Auftragskiller bedeutet, markiert aber klar einen neuen cineastischen Meilenstein und dies nicht nur für das  Drogenfilmgenre, sondern ist auch einer der besten Actionthriller der letzten Jahre. Knallhart und ohne Kompromisse. Benicio del Toro, Josh Brolin und Emily Blunt sind die Protagonisten in diesem „War against Drugs“, wo es nur schon deshalb keine Unterscheidung von Gut und Böse geben kann, da die politische Haltung und Vorgehensweise ausschliesslich auf einer realitätsfernen ideologischen Doktrin beruht und dadurch die handelnden Akteure auf beiden Seiten zur Abkehr von sämtlichen moralisch-humanistischen Prinzipen zwingt. So bleibt der Satz des Auftragsmörders oder eben Sicarios, gerichtet an die junge FBI Agentin, „you will not survive here. you are not a wolf, and this is a land of wolves now“ zusammenfassend für die gegenwärtige Situation hängen. Der Kanadier Dennis Villeneuve, der mit  „Incedies“, „Prisoners“ und „Enemey“ alles Filme gemacht hat, welche eine ganz eigene puristisch-unterkühlte Aesthetik und atmosphärisch ungeheure Dichte aufweisen, pusht in seinem Drogenthriller die Intensität nochmals auf ein ganz neues Level, so das man im Kino das Gefühl hat, die Luft mit einem Messer zerschneiden zu können. Der Klangteppich, welcher mehr einem Grummeln aus der Hölle gleicht, unterstreicht die beklemmende und bösartige Stimmung noch zusätzlich.  Und del Toro ist halt einfach eine coole Sau!

USA 2015, LZ 121 Min, Directed by Denis Villeneuve with Emily Blunt, Benicio del Toro und Josh Brolin 

4. Mad Max – Fury Road

Ein Grummeln aus der Hölle – Teil 2. Oder mehr ein Brummen. Und Raunen, Trönen und Krachen. Aber auch Streichen, Klagen und Schreien. Picaso‘s Guernica meets Dante’s Inferno. Irgendwo in der Wüste von Namibia (wo die Dreharbeiten stattgefunden haben) nach der grosser Apokalypse. Die meisten Einstellungen dieses Filmes könnten eingefroren als Oelgemälde grosser Meistermaler durchgehen, nur sind sie unterlegt entweder mit klerikaler Passionsmusik oder Punkrock, dazu räkeln sich Victoria Secrets Models in sehr knapp geschnittenen weissen Stofffetzen im fetten martialischen Truck herum, angeführt von der Haremsherrin Charlize Theron und eben Tom Hardy als Outlaw, Rebell und Rächer Mad Max, welche gegen die nicht minder eindrücklich motorisierte Armee des schrecklichen Endzeitherrschers Immortan Joe in die finale Schlacht um die letzten Wasserreserven der Erde steigen müssen. George Miller, der Regisseur der ersten 3 Teile, erschuf nach fast einem Vierteljahrhundert Vorbereitungszeit, mit weit über 100 Mio. USD Budget ein so noch nie gesehenes, wahnwitziges bombastisches Höllenspektakel, dass Filme wie „300“ wie eine Folge von „Magnum” aussehen lässt. Und der erste 4te Teil einer Filmserie in der Filmgeschichte, welche die 3 vorhergehenden Teile, welche ursprünglich ihren Platz in den Geschichtsbüchern gesichert hatten, zum nichtigen Trash degradiert.  Wurde sogar mit dem Preis von  Fipresci (The international federation of film critics) als bester Film 2015 ausgezeichnet, was doch sehr ungewöhnlich ist, heissen doch die Preisträger der vorhergehenden Jahre “Boyhood”, “La Vie d’Adèle” oder “The tree of live”.

USA 2015, Directed by George Miller. With Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Zoë Kravitz.

5. Corn Island – Simindis kundzuli

Ein alter abchasischer Bauer errichtet auf einer kleinen temporären Insel im Fluss Enguri im Grenzgebiet von Abchasien und Georgien eine Holzhütte, zusammen mit seiner heranwachsenden Enkelin, und beginnt anschliessend daneben ein Feld mit Mais zu bepflanzen. Gelegentlich fahren patrouillierende abchasische und georgische Soldanten auf ihren Booten an der Insel vorbei. Ab und an erklingen Schüsse aus der Ferne. Und einmal findet die Enkelin einen schwer verwundeten georgischen Soldaten zwischen den bereits hochgewachsenen Maisstangen, welchen sie mit ihrem Grossvater wieder gesund pflegt und vor einem abchasischem Suchtrupp, welches auch auf ihrer Insel nach diesem feindlichen Soldaten Ausschau hält, versteckt und unter Todesgefahr verleugnet. Entgegen der unterschiedlichen Ethnie, der damit verbunden Sprachlosigkeit und dem sie stetig als unterschwellig bedrohlichen Klangteppich umkreisenden militärischen Konflikt…. Am Schluss wird sich die Natur wieder alles nehmen, was sie gegeben hat und der unabdingbare Kreislauf der Dinge beginnt von neuem. Eine eindringliche, aber ganz und gar nicht aufdringliche poetische Abhandlung über das Leben, Tod, Krieg, Menschlichkeit, Verlust der Jugend, den bedächtigen Rhythmus der Natur und dies alles inszeniert auf dieser kleinen, malerischen „Maisinsel“, fast ohne Dialoge (erstes gesprochene Wort nach 25 Minuten)  oder musikalischer Untermalung,  aber mit einem cineastischen Sogeffekt der ersten Güte. Ein meditatives Erlebnis das sich tief in die Seele eingräbt. Unbedingt anschauen!

Georgia 2014, Directed by George Ovashvili with Ilyas Salman, Mariam Buturishvili, Tamer Levent, Ylias Salman.

6. Youth – La giovinezza

Wenn man von einigen Ausnahmen wie „La Vita e bella“, „Cinema Paradiso „ oder „Il postino“ jetzt mal absieht, ist die italienische Filmindustrie nach dem Ableben von Fellini, Antonioni, Visconti Passolini etc. jahrzehntelang mehr oder minder ereignislos vor sich hingedümpelt und hat im internationalen Vergleich – gerade auch zu Frankreich – stark an Bedeutung eingebüsst. Und dann kam Sorrentino. Spätestens seit „La grande bellezza“ hat la Belpaese wieder einen Meister, ein Magier, der es versteht, Bilder und Musik wie ein Dompteur an den richtigen Stellen zu zähmen, zu führen oder eben auch ab und an einen doppelten Saldo schlagen zu lassen. So ist auch die Geschichte von zwei älteren Herren und Lebensfreunden – einem ehemaligen Starkomponisten und Dirigenten, der sich selber in die Rente gesetzt hat und auch weigert, an der Geburtstagsfeier von Queen Elizabeth eine Komposition von ihm aufzuführen, und einem Starregisseuren, der sich noch nicht zur Ruhe gesetzt hat, da er gerade an den Vorbereitungen zu seinem ultimativen Alterswerk ist – die sich in einem Schweizer Wellnesshotel vor alpiner Kulisse zur alljährlichen “Standortbestimmung” treffen, von Einstellung 1 bis zum Abspann von einer solchen künstlerischen Erhabenheit und mit einem solchen Feingefühl inszeniert, dass es einem zeitweise die Sprache verschlägt und die stärksten Szenen kommen beinahe einer Gotteserfahrung gleich. Gegen die Bilder, die Sorrentino teilweise aus seinem Hut zaubert, wirkt der neue Channel Nr. 5 Werbespot wie ein verwackeltes Amateurvideo. Zudem ist auch hier die Schauspielergarde so erlesen, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Jane Fonda und Paul Dano. Holte 2015 den Europäischen Filmpreis als bester Film (und beste Regie, bester Hauptdarsteller etc.)

I/F/CH/UK 2014. LZ 124 Min. Directed by Paolo Sorrentino mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Jane Fonda und Paul Dano

7. Whiplash

Ein ambitionierter 19-jähriger Schlagzeugspieler wird vom Leiter der Studioband vom Shaffer Conservatory of Musik in New York entdeckt und in seine Band geholt. Dessen Unterrichtsmethoden sind aber versetzt mit einer fast schon faschistischen Autorität, sadistischer Strenge und regelmässigen Demütigungen, was aber bei dem von Ehrgeiz zerfressenen Jungen nicht nur Leid und Verunsicherung auslöst…Sie finden diesen Plot irgendwie langweilig? Vorhersehbar? Unsexy? Sie täuschen sich! Whiplash geht fast wortwörtlich durch Mark und Bein und unter Schweiss und Blut entwickelt sich allmählich ein Psychoduell erster Güte, das crescendo-artig in einem furiosen Finale mündet, das den Zuschauer mit dem letzten Schlag, dem letzten„Whiplash“, in den Orbit  schleudert. War heisser Aussenseiter-Favorit bei den Oscars 2015 (wo dann eben Birdman abräumte) und die über 100 internationalen Nominierungen für Film- und Kulturpreise können für diesen Low-Budget Streifen durchaus als Empfehlung verstanden werden.

USA 2014, LZ 106 Min. Directed by Damien Chazelle. With Miles Teller, J.K. Simmons, Melissa Benoist, Paul Reiser.

 

8. Inheritance Vice

Wir schreiben das Jahr 1970. Ein kiffender Hippie-Privatdetektiv, welcher in einem Küstenstädtchen in L.A. inmitten von Surfer und Hippies lebt, wird irgendwann von seiner Exfreundin auf einen möglichen Komplott hingewiesen, indem ihr Ex-Lover, ein schwerreicher Immobilienmagnaten, entführt werden soll und in welchem eine Psychiatrie in der Wüste eine Rolle spielen könnte, bevor sie dann selber spurlos verschwindet und bevor er – möglicherweise von einem Mitglieder der Black Guerrilla Family  – mit einem Baseballschläger niedergeschlagen wird und dann ist da noch so eine Drogenorganisation namens „Goldener Fang“ und eine Art “Massagesalon” und auch eine Neo-Nazi-Motorradgang, das FBI und ein spiritueller Erleuchter…Von Paul Thomas Anderson (nicht zu verwechseln mit Wes Anderson), der Macher von Werken wie „Magnolia“, „There will be blood“ oder „Boogie Nights“, weiss man, der er keine halbe Sachen macht und vor allem keine Kompromisse oder Zugeständnisse an die Sehgewohnheiten des Publikums. “Inheritance Vice” (natürliche Mängel) ist nun auch die erste Verfilmung eines Romans des Schriftstellers Thomas Pynchons, der mysteriösen Ikone der US Literaturszene,  welcher sich in den 60-iger Jahren komplett aus der Oeffentlichkeit zurückgezogen hat, von dem nur genau ein ca. 40-jähriges Foto existiert und man natürlich auch keine Ahnung hat, wo er derzeit lebt. Seine Romane galten als komplett unverfilmbar , da sie meistens über 1000 Seiten umfassend sind und mit ihren unzählbaren Figuren, verschachtelten Handlungszweigen und unendlichen Erzählsträngen auch für den überdurchschnittlich intelligenten Leser ohne Namensregister oder sonstige „Orientierungshilfen“ eigentlich kaum zu meistern sind. Das Erstaunliche an diesem Film ist daher, dass das Zusammentreffen von diesen beiden Extremkünstlern in einer komplett vollendeten Symbiose gemündet ist, da Anderson den Geist und Struktur des Romans in die „nur“ 150 Min. Laufzeit übertragen konnte und dies mit der für einen Hippie- und Kifferfilm gebührenden Lässigkeit und Nonchalance. Die Bilder vom sonnendurchfluteten L.A. , der coole 70er Soundtrack, der rabenschwarze und komplett durchgeknallte Humor und schlussendlich die beinahe unendlich lange Liste von A-Stars, wie Joachim Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon oder Benicio del Toro, die ihre „Mitarbeit“ an diesem Projekt offensichtlich sehr genossen, machen diesen Film zu einem grossartigen und extrem witzigen Spass, auch wenn man schlussendlich nicht die geringste Ahnung hat um was es überhaupt geht. Geeignet auch für Leute, denen “Mullholland Drive” zu gradlinig und „The big Lebowski“ zu spiessig war.

USA 2014, LZ 149 Min., Directed by Paul Thomas Anderson. With Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston.

 

9. Palo Alto

Es gibt Menschen, die sind mit einer aussergewöhnlichen Intelligenz, Kreativität und Sensibilität, sowie mit einem Auge für die Schönheit der Dinge gesegnet. Und können zudem ihre Wahrnehmungen in filmische Reflexionen umsetzen. Mit Gia Coppola und James Franco, zwei angehende kreative Ikonen der Generation X und Y, treffen zwei solcher hochbegabten Menschen in diesem Erstlingswerk zusammen und dieser kreative Superclash ist in jeder Sekunde des Films spürbar. Nicht mit Exaltiertheit und extravaganten manierierten Einfällen. Keine Posen. Sondern durch eine poetische Feinfühligkeit, mit welcher das letzte Collegejahr einer Gruppe Jugendlicher in Palo Alto gezeigt wird und den Fokus auf die kleinen Dinge vor und nach den Ereignissen richtet. Und schlussendlich über das unwiderrufliche Ende der Jugend und der Unschuld reflektiert. Emma Roberts (hat was von Amanda Peet) und James Franco führen kongenial eine Darstellerriege an, welche zumeist keine Kameraerfahrungen mitbringen und dadurch eine authentische fast schon semidokumentarischen Note einbringen. Der Soundtrack ist hypnotisch und der Film insgesamt wie ein trauriger Traum. Immer wenn es zu schmerzhaft werden droht, wacht man auf. Der Traum aber bleibt haften.

USA 2013, LZ 100 Min. Directed by Gia Coppola With Val Kilmer, James Franco, Chris Messina, Emma Roberts, Olivia Crocicchia, Nat Wolff, Zoe Levin

http://www.thedreamingsheep.com/das-kleine-madchen-im-weissen-kleid/

 

10. Eden – Lost in Music

Mia Hansen-Love, die Ehefrau von Olivier Assayas (Carlos, Clouds of Sils Maria) inszeniert in ihrem 4ten Spielfilm einen epischen Abgesang auf die hedonistische Clubszene der 90-ier Jahre und verknüpft diesen direkt mit den Ursprüngen der französischen Electro- und Houseszene und indirekt mit der Geschichte von „Daft Punk“. Unter einer radikalen Verweigerung eines klassischen Spannungsbogens in der Erzählung einerseits aber auch unter Weglassung von inszenatorischen Zuspitzungen oder Dramatisierungen anderseits, zeichnet „Eden“ fast schon dokumentarisch über 2 Dekaden den Aufstieg und Fall des DJ’s Paul (inspiriert vom Bruder von Hansen-Love, welcher ein DJ der French-Touch-Szene war) nach, welcher zur selben Zeit wie seine Kumpels Thomas und Guy-Man (Daft Punk), Anfangs der 90-ier Jahre, mit seinem DJ Duo „Cheers“ in der Pariser Nachtclubszene und später auch in den USA Erfolge feiert, aufgrund seinem Verharren auf dem Status Quo sprich fehlender Erneuerung seines musikalischen Oeuvres nach der Milleniumswende aber seinen schleichenden Untergang einläutet, welcher durch seinen zunehmenden Drogenkonsum, fehlendem persönlichem Antrieb und wechselnden amourösen Beziehung noch beschleunigt wird, bis ihn die finanzielle Notlage zu einer Neuorientierung zwingt. Dies stetig begleitet, aufgrund des zunehmenden internationalen Erfolges seiner ehemaligen Weggefährten, mit einer quasi musikalischen Omnipräsenz von Daft Punk. „Eden“ ist ein schmerzhaft schöner Trip in die noch nicht allzu lang zurückliegenden Vergangenheit für die Vertreter der Generation X, welcher die angeboren zu scheinende Orientierungslosigkeit und Unentschlossenheit dieses Jahrgangs auch filmisch konsequent und dadurch teilweise ungewohnt ereignislos darstellt, durch die eingefangene Poesie der flüchtigen Momente aber die hoffnungslos melancholische Monotonie schlussendlich in eine zarte Zuversicht zu wandeln vermag. Und seien Sie versichert, wenn das nächste Mal irgendwo ein Song von Daft Punk ertönt, werden unweigerlich die Bilder der verlorenen Epoche von Hansen-Love vor Ihrem inneren Auge wieder ablaufen. Auch lange nachdem Sie den Film gesehen haben. One more time.

F 2013, LZ 131 Min., Directed by Mia Hansen-Løve. With Félix De Givry, Pauline Etienne, Laura Smet, Vincent Lacoste, Vincent Macaigne, Greta Gerwig

http://www.thedreamingsheep.com/eden-the-rhythm-poem/

 

11. Ain’t them body Saints 

Wenn dieser Film in den 60er oder 70er Jahren rausgekommen wäre, könnte er nun allenfalls als ganz grosser Klassiker im Stille von „Bonnie and Clyde“ oder „Days of Heaven“ gelten. Das ist er aber nicht, sondern hatte seine Premiere im Januar 2013 am Sundance Film Festival und kam dann bei uns 2 Jahre später direkt als DVD Release raus. Das Melodrama handelt von Ruth (Rooney Maara) und Bob (Casey Affleck), die in den frühen 70er Jahren irgendwo im mittleren Westen der USA nach einem misslungenen Coup und der danach resultierenden Schiesserei mit der Polizei getrennt werden, da Bob die Schuld für einen von Ruth erschossenen Polizisten auf sich nimmt, ins Gefängnis muss um dann nach 4 Jahren auszubrechen um zu seiner grossen Liebe und seiner kleinen Tochter, welcher er noch nie gesehen hat, wieder zurückzukehren. Was sich nach ganz grossem und kitschigem Heulsusen-Stoff anhört, ist in diesem Film aber mehr eine ungemein  poetische und feinfühlige Charakterstudie über die Einsamkeit und Verlust von Illusionen mit Mut zu Leerstellen und einer sehr bedachten, eigenwillig elliptischen Erzählweise. Dies visualisiert mit kunstvollen Bildern, unterlegt mit einem fiebrigen, eingängigen Soundtrack.  Wenn Terrence Malick zusammen mit Alejandro González Iñárritu in ihren jungen Jahren einen Film zusammen gemacht hätten, so sähe er aus.

USA 2013, LZ 97 Min. Directed by David Lowery. With Rooney Mara, Casey Affleck, Ben Foster, Nate Parker.

 

12. Carol

La grand dame des amerikanischen Kinos, Cate Blanchet, und Rooney Mara in einer wunderschön und elegant inszenierten Liebesgeschichte von Todd Haynes nach dem Roman von Patricia Highsmiths, welchen sie 1952 unter einem Pseudonym veröffentlichte und der im Kern ihre eigene Geschichte erzählt, als sie Ende der 40er Jahre als Verkäuferin bei Bloomingdales gearbeitet hat und sich dort unsterblich in eine Kundin verliebte.

“Carol“ ist Todd Haynes bisher bester Film, da er es schafft, ganz grosses elegisches Gefühlskino ohne Pathos oder Kitsch und einem verblüffenden Pragmatismus, endveredelt wie ein funkelnder Diamant, auf die Leinwand zu zaubern. Die knisternde Chemie zwischen Mara und Blanchet ist fast schon physisch spürbar und sie schaffen es beide mit ihrer grossen Klasse zu keinem Zeitpunkt sich auf glitschiges oder voyeuristisches  Terrain herabzulassen.  Exquisit und Erhaben.

USA/GB 2015, LZ 118 Min. Directed by Todd Haynes. With Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Kyle Chandler.

 

13. A most violant year

Nach “Margin Call” und “All is lost” liefert nun J.C. Chander seinen 3ten Film zum Thema Menschen unter Druck ab, der genau gleich wie seine Vorgänger eine Art verdichtete und bis zum letzten Hemdknopf durchkomponierte Verhaltensstudie des menschlichen Wesens ist. Oscar Isaac spielt den hispanischen Einwanderer Abel Morales, der es mit seiner Firma im Heizölhandel im New York des Jahres 1981 zu Wohlstand gebracht hat, aber von seinen Konkurrenten durch kriminelle Methoden zu Fall gebracht werden soll. Obwohl er sich standhaft weigert, seine Angestellten mit Waffen auszustatten, damit die sich gegen die stetig ansteigenden Raubzüge auf seine Oeltanklastwagen schützen könnten, gerät er auch noch ins Visier der Staatsanwaltschaft und dann ist da ja auch noch seine Frau, welche in der Firma die Buchhaltung macht und auch nicht unbedingt eine zimperliche Person ist…ein hoch intensives Gangsterdrama mit einem ganz starkem symphonischen Soundtrack und furios aufspielenden Hauptdarstellern. Oscar Isaac’s charismatische Performance erinnert an den jungen Al Pacino.

USA 2014, LZ 125 Min., Directed by J. C. Chandor. With Oscar Isaac and Jessica Chastain, Albert Brooks

 

14. Knight of Cups

Ja, ja, ja, ich weiss, die Kritiken war mässig bis schlecht und die meisten Leute mögen Terrence Malick nicht nur nicht, sondern werden bisweilen leicht aggressiv oder gereizt, beim – wohlmöglich versehentlichen oder erzwungenen – Betrachten seiner Werke. Dies gilt zumindest für seine letzten Werke seit „The tree of Life“ und „To the wonder“. Abgehobene, klerikal-philosophische Selbstfindungstrips ohne jegliche erkennbare Handlung und zumeist auch fast ohne direkte Dialoge, da eine Off-Stimme die vertrackten Gedanken des Protagonisten vermittelt. Nun, aber eben, es gibt halt auch das andere Lager, welches ihn nach wie vor als den grössten Poeten des New Hollywood Kinos feiert und diese werden dann auch beim Betrachten seines jüngsten Werkes eine 2-stündige Gänsehaut haben, denn Malick liefert hier seinen Jüngern genau noch mehr von dem Stoff, von dem sie abhängig sind. Grossartige und teilweise völlig neuartige, rauschhafte Bildkompositionen, geliefert von seinem Stammlieferanten, dem derzeit wohl besten Kameramann Emmanuel Lubezki (Gravity, Birdman) unterlegt mit melancholisch-klassischen Klängen (u.a. Arvo Part, Claude Debussy). Im Bild sind fast ausnahmslos wunderschöne Menschen – in diesem Film sind es u.a. Cate Blanchet und Natalie Portmann (und für die, die es mögen: Christian Bale…) – vorzugsweise vor wunderbarer Kulisse, wie am menschenleeren Strand des rauen pazifischen Ozeans vor L.A. , meist bei Abendlicht, vor den entrückt anmutenden Landschaften mit seinen archaischen Felsformationen beim Joshua Tree Nationalpark, vor schlossparkähnlichen Gärten, wo rauschende opulente Feste gefeiert werden,  vor gigantischen Poolanlagen, postmoderner futuristischer Architektur, einsamen Luxuswohnungen am Strand mit durchdesignter Innendekoration und so weiter und so fort. Story? Genau. Völlig egal. Dem Christian Bale geht’s halt einfach irgendwie nicht so gut,  obschon er alles hat…Zusammengefasst darf man sagen, „Knight of Cups“ ist pures Heroin für Aestheten und Hedonisten, welche Form über Inhalt stellen. Und dies ganz und gar nicht wertend gemeint. Denn wenn man solche Formen hat, bedarf es nun wirklich keinem Inhalt mehr. Und sonst gäbe es ja immer noch dieses esoterische Geschwafel.

USA 2015, LZ 118 Min., Directed by Terrence Malick With Christian Bale, Cate Blanchett, Natalie Portman, Brian Dennehy, Antonio Banderas, Freida Pinto, Wes Bentley,

 

15. Face of an Angel

Der englische Regisseur Michael Winterbottom nähert sich mit „Face of an Angel“ dem wohl zu den spektakulärsten und medienwirksamsten zählenden Mordfällen der jüngeren Geschichte an und zwar dem grausamen Mord an der 21-jährigen Britin und Austauschstudentin Meredith Kercher am 1. November 2007 in Perugian, Italien. Obwohl ihre unter dringendem Tatverdacht gestandene Mitstudentin Amanda Knox, besser bekannt als „der Engel mit den Eisaugen“, inzwischen von höchster Instanz freigesprochen worden ist (März 2015), wird der tatsächliche Tatvorgang wohl nie aufgeklärt werden. Umso enttäuschter waren die Reaktionen auf diesen Film von den Leuten, die eine schlüssige Theorie zur Auflösung dieses Mysteriums erwartet haben. Tatsächlich spielt Winterbottom ganz bewusst mit diesen Erwartungen oder hintergeht sie sogar, indem er Daniel Brühl als einen Hollywood Filmemacher nach Siena (die Ortschaften und auch Namen wurden abgeändert) schickt, um dort dem Gerichtsprozess beizuwohnen und sich dort für ein Drehbuch für einen Blockbuster nach klassischer Hollywoodmanier – 2 hübsche Tennager, Sex, Blut und Tränen – inspirieren zu lassen. Da er aber selber immer tiefer in eine persönliche Lebenskrise stürzt und er keine Spekulationen über den möglichen Tathergang anstellen will, teilt er seinen Produzenten mit, den geplanten Film analog zu Dantes Göttliche Komödie in 3 Teile zu strukturieren. Hölle, Fegefeuer und Paradies. Dass dies in Hollywood keine Begeisterung auslöst ist das Eine. Dass der Film „Face of an Angel“ ebenfalls die gleichen, negativen Reaktionen ausgelöst hat das Andere. Und dass er genau so strukturiert ist, wie es der Protagonist in dem Film eigentlich möchte, die Pointe an der ganzen Sache. Aber nicht zum Selbstzweck, sondern um die eigentliche Absicht, welche Winterbottom mit diesem Film hatte, herauszustreichen, und zwar die Erinnerung an das Opfer dieses grausamen Mordes – egal wer es getan hat – Meredith Kercher am Leben zu erhalten, ihr nochmals tiefen Respekt zu zollen und sich der Schönheit des Lebens, des Privilegs am Leben sein zu können, wieder vor Augen zu halten. Der wohl am meisten unterschätzte und am meisten missverstandene Film im 2015. Mit einem grandiosen schauspielerischen Einstand des Supermodels Cara Delevingne.

UK 2014, LZ 101 Min. Directed by Michael Winterbottom. With Daniel Brühl, Kate Beckinsale, Valerio Mastandrea, Cara Delevingne.

 

16. City of Mc Fairland 

Der wegen unkontrollierten Wutausbrüchen mehrfach geschasste Sportlehrer Jim White, gespielt von Kevin Costner, zieht 1987 mit seiner Familie in die abgelegene und ärmste kalifornische Kleinstadt McFarland um an der dortigen Highschool eine neue Stelle anzutreten, die auch gleich eine seiner letzten beruflichen Chancen darstellt. Die Ortschaft ist hauptsächlich von Hispanics bewohnt, die oft als einfache Feldarbeiter ihr Auskommen haben. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten erkennt White das läuferische Talent einiger seiner Schüler und beschließt ein Laufteam für die Cross Country Meisterschaften aufzubauen, was aber gar nicht so einfach ist, weil nicht alle im Team überhaupt die Erlaubnis zu einem regelmässigen Training von den Eltern erhalten, da diese ja für den Lebensunterhalt auf den Feldern arbeiten sollen… Diese Disney Produktion erzählt diese Geschichte nach wahren Begebenheiten nach und ist ein kleiner feiner Film über Sozialengagement, Mitgefühl, Menschlichkeit, Durchhaltewille und Zivilcourage. Er tut dies aber angenehm bodenständig und zurückhaltend, mit einer leichten Ironie und Augenzwickern und verzichtet auf jeglichen fahnenschwingenden Patriotismus, welcher ja oft bei solchen Sportlerdramen anzutreffen ist. „Mc Fairland“ ist die Art von Film, wo sensible Menschen ab ca. 30 Min. durchgehend feuchte Augen haben werden. Nicht, weil irgendwas Schlimmes oder Tragisches passiert wäre, sondern weil diese Art von ungeheuchelter Menschlichkeit einfach rührt. Und noch eines, Kevin it’s good to have you back!

USA 2015, LZ 129 Min. Directed by Niki Caro With Kevin Costner, Maria Bello, Carlos Pratts

 

17.  Salz der Erde

Es gibt Regisseure, die werden aufs Alter nicht unbedingt besser, da sie sich nur noch selber zitieren und halt einfach der kreative Peak durch ist. Nicht so bei Wim Wenders. Der mittlerweile 70-jährige stellte gerade wieder in diesem Jahr seine Vielseitigkeit unter Beweis und brachte neben dem exzellenten Drama in 3D „Every thing will be fine“ mit James Franco, Charlotte Gainsburg und Rachel Mc Adams (bald muss eine Top 30 Liste her) auch noch den ungemein beindruckenden Dokumentarfilm über den brasilianischen Starfotografen Sebastião Salgado in die Kinos, welchen er zusammen mit Salgados Sohn gemacht hat. Salgado, der als erster Fotograf die Hungerkatastrophen in Afrika für den Westen schmerzlich sichtbar machte, aber auch mit seinem legendären Fotoprojekt „Genesis“ wieder an den Ursprung allen Lebens zurückkehrte und die noch von Menschen unberührte Orte der Erde zeigte, welches er erst nach einer langen Abkehr von der Fotografie realisierte. Ob den Grausamkeiten, die er in den diversen Hungers- und Kriegsgebieten mitansehen musste, erkrankte er seelisch und legte eine lange Schaffenspause ein, forstete aber in dieser Zeit – zusammen mit seiner Frau-  in seiner Heimat, im Norden von Brasilien, aus vertrocknetem unfruchtbarem Boden wieder einen Regenwald auf, der jetzt ein öffentlich zugänglicher Nationalpark ist. Diese selbstredend spektakulär und wunderschön bebilderte Dokumentation müsste Pflichtprogramm in den Schulen werden!

F/BR 2014, LZ 110 Min, Directed by Wim Wenders and Juliano Ribeiro Salgado

 

18. Une rencontre

Ein französisches Filmsoufflé, das einmal mehr aufzeigt, wo die Stärken dieser Filmnation liegen. Grosse Themen wie Liebe, Treue, Lüge und Betrug mit einer spielerischen Leichtigkeit, voller Lust, Witz und vor allem aber mit einer sublimen Eleganz zu präsentieren. Francois Cluzet spielt darin einen verheirateten Mann, der auf einer Party Sophie Marceau begegnet…spielt stark mit Traum- und Fantasiesequenzen, so dass man nie wirklich weiss, was jetzt wirklich passiert ist oder nicht. Obschon er als romantisch-leichte Liebeskomödie daherkommt, hat er das gewisse Etwas. Er bleibt haften, wie eine angenehme flüchtige Erinnerung, die immer wieder mal zurückkommt. Zudem fantastischer Soundtrack.

F 2014, LZ 81 Min. Directed by  Lisa Azuelos With Sophie Marceau, François Cluzet.

 

19.  Les Combattans

Erster Satz, siehe oben (Une Rencontre)… Franzose Nr. 3. Die mit 9 Nominierung bei den Cesar 2015 Verleihung versehene Liebeskomödie handelt von Arnaud, ein sanftmütiger und eher introvertierter Schreiner, der in den Ferien an der südfranzösischen Atlantikküste auf die eigenwillige und störrische Madelaine trifft, die eine sehr negative Weltsicht pflegt und sich auch deshalb mittels einem selbst auferlegten Survival Training für den bevorstehenden Weltuntergang vorbereitet. Da Arnaud ihr gern näherkommen würde, nimmt er mit ihr gemeinsam an einer Art Vorbereitungskurs der französischen Armee teil, wo sich dann aber plötzlich das Training in einen Ernstfall wandelt und beide alleine in den französischen Wäldern ums Ueberleben kämpfen müssen …Die sehr ungewöhnliche, gewohnt direkte, aber ungemein frische, geerdete und vor allem auch witzige Liebesgeschichte funktioniert vor allem – aber nicht nur – wegen dem neuem französischen Shootingstar Adèle Haenel (welche dann auch zusammen mit ihrem Filmpartner Kevin Azais mit den Césars ausgezeichnet wurde), die eine Leinwandpräsenz aufweist, die atemberaubend ist und man unmittelbar spürt, dass da noch viel mehr kommen wird. Man würde ihr wahrscheinlich auch zusehen, wenn  sie 3 Stunden lang eine Schlafende spielen würde.

F 2014, LZ 98 Min. Directed by Thomas Cailley With Adèle Haenel, Kévin Azaïs

 

20. It follows

Und dann noch was für Freunde des gepflegten Grauens. In einer amerikanischen Kleinstadt wird der 19-jährigen Jay nach dem ersten sexuellen Verkehr von ihrem Geliebten mitgeteilt, dass sie jetzt mit einem Fluch infiziert sei und dieser eine Person ist, die praktisch jedermann sein könnte, auch jemand Vertrautes, und falls diese Person sie erwische, würde sie sterben. Sie könne diesen Fluch erst dann ablegen, wenn sie wiederum mit jemandem Anderen schlafe um ihn so weiterzureichen. Blöderweise käme er aber wieder auf sie zurück, falls die neu infizierte Person von dem Fluch, dem “It”, getötet werden würde….Wunderschön anzuschauender Indi-Tennie-Schocker Film, der durchaus auch ernsthafte und dramatische Ansätze aufweist und mehr auf subtiles Grauen, denn auf blutige Sequenzen setzt und statt klischierte und überzeichnete Tennies glaubwürdige und zurückhaltende Protagonisten aufspielen lässt. Die Story vermischt raffiniert verschiedene Themenkomplexe wie die Angst vor dem Erwachsenwerden, Angst vor Geschlechtskrankheiten, die generelle heranwachsende gesellschaftliche Paranoia, aber auch die nach wie vor, gerade in den Kleinstädten der USA, vorherrschende Bigotterie. Das Setdesign erinnert stark an Twin Peaks, Donnie Darko oder auch Blue Velvet mit starken Farbkontrasten. Absolutes Highlight ist aber der wummernde Klangteppich, ein bedrohlicher Synthie- Sound, der so schnell verschwindet wie er gekommen ist, aber absolut essentiell für die Spannungsmomente und die herausragend dichte Atmosphäre ist. Und die Hauptdarstellerin Maika Monroe, welche das erste Mal mit „At any price“ in Erscheinung getreten ist, hat man sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen.

USA 2014, LZ 100 Min. Directed by David Robert Mitchell. With Maika Monroe, Keir Gilchrist, Olivia Luccardi, Lili Sepe