A Short Way Down – Serena

In diesen Film haben mich drei Namen gelockt: Susanne Bier (dänische Oscar-Preisträgerin, „In A Better World“, 2009)), Jennifer Lawrence und Bradley Cooper (die dritte Zusammenarbeit nach “Silver Linings Playbook” und “American Hustle”), vielleicht noch die landschaftliche Pracht (Kameramann Morten Søborgs). Die Kritiken waren eher bescheidend, doch die Neugier war gross. Enttäuscht war ich keinesfalls, begeistert auch nicht. Von der Stimmung her erinnerte mich „Serena“ an „Cold Mountain“ (Anthony Minghella, 2003): im Vordergrund eine kraftvolle Liebesgeschichte mit einem starken Staraufgebot, widrige Lebensumstände rundherum, ein tragisches Finale und die beeindruckende Bergkulisse des amerikanischen mittleren Westens.

Eher zufällig sieht bei einem Reitturnier in Boston ein ambitionierter Holzunternehmer George Pemberton (Bradley Cooper) aus North Carolina eine blonde Schönheit. Sein Blick fixiert die junge Dame auf dem Pferd – Serena (Jennifer Lawrence). Gleich nach dem Turnier folgt er ihr, begrüsst sie und macht ihr im zweiten Satz einen Heiratsantrag. So fangen oft die guten Geschichten an. Die Zukunft ist ein ungeschriebenes Blatt;  keine Zeit und kein Platz für Zweifeln, Grübeleien, Vorausberechnungen… Es kann alles sein oder nichts. „Serena“ bietet beides: am Anfang – alles, zum Schluss – nichts. Die restlos romantischen Absichten können wir dem Holzbaron dennoch nicht ganz abnehmen. Als Geschäftsmann hat George die präzisen Informationen seiner Schwester bestimmt blitzschnell verarbeitet: Serena stammt aus einer bekannten Holzdynastie und hat ihre ganze Familie bei einem Feuerbrand verloren.

Und genau diese Komponente spielt im weiteren Verlauf der Geschichte eine entscheidende Rolle. Anfangs ist das Glück grenzenlos. Da haben sich zwei vom gleichen Schlag getroffen. Serena erweist sich als eine Traumpartnerin: in den Gedanken, im Geschäft, im Bett. Alles scheint leicht und bedeutungsvoll zu sein, wenn diese Frau die Dinge anpackt und Ihrem Mann tatkräftig zur Seite steht.  Mit ihrer unkonventionellen Art und ihrer Kompetenz hat sie das Herz von George und den Holzfällern im Sturm erobert.

Sie redet nicht viel, doch alles, was sie sagt hat eine unfehlbareTreffsicherheit. Viele Sätze klingeln zwar nicht besonders originell („I didn’t come here to embroider“, „Everything you did, you did it for us“ ,“Our love began the day we met. Nothing that happened before even exists”, „I’m not that kind of woman”…).  Doch wie sie es sagt, mit welcher Kühnheit und Anmut (in charakteristischer Lawrence-Manier) lässt die Herzen von Frauen und Männern höher schlagen. Und wir glauben ihr auf’s Wort – wenigstens solange es George tut.

Zunehmend kommen die unheimlichen Seiten dieser Frau zu Tage. Zu abrupt allerdings! Diese anfangs hinreissende Person durchläuft keine Entwicklung. Sobald Fortuna Serena verlässt und ihre Zukunftsaussichten bedroht erscheinen, wird sie zum kühlen Racheengel. Eine zweite Niederlage im Leben kann die schon einmal vom Schicksal betrogene Frau nicht mehr verkraften. Darum verwandelt sich Ihre Leidenschaft in Obsession.  Ab dem ersten Mord, welchen Serena herbeiruft, verliert der Film zunehmend seine erfrischende Wirkung. Da die Geschichte im noch wilden amerikanischen Westen und mitten in der Wirtschaftskrise von 1929 spielt, wo die Korruption an der Tagesordnung und die Strafgesetzbücher noch nicht geschrieben sind, ist der ganze Schlamassel, den Serena verursacht, dennoch irgendwie plausibel. Die Zeiten und die Menschen waren nicht unbedingt zimperlich. Der eigene Lebensentwurf galt als Mass aller Dinge.

Conclusion: Wer nach einer Beziehungsintensität  jenseits vom „Fifty Shades of Grey“ Ausschau hält,  kann ruhig zu diesem Film greifen. Er bietet eine ordentliche Prise „Femme Fatale“ und einen Kerl, der mit ihr umzugehen weisst. Trotz der moralischen Abscheu bleibt die Faszination von Stärke, welche Beziehungen zusammenhält und zerstört, erhalten. Das Tandem Jennifer Lawrence und Bradley Cooper hat sich auch diesmal bewährt. Ein Grund für  Vorfreude auf ihre vierte Zusammenarbeit im Film «Joy» (Anfang 2016).

Prescription for: an appealing romance about a doomed high-society couple in the time of America’s Depression with its corruption and capitalism;  a story about a plucky woman, struggling to establish herself in a pioneers’ country.

Serena, USA, France, Czech Republik, 2014, 109 min., directed by Susanne Bier, with Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Rhys Ifans, David Dencik, Toby Jones, Sean Harris.

Guest commentary by Benjamin Bögli – 50 Shades of Grey or Prickelnde Bürokratie

Die Verfilmung des Liebesbestsellers «Fifty Shades of Grey» wird im Feuilleton als simples Werk für unbefriedigte Hausfrauen belächelt. Zudem ist zu lesen, die Geschichte betreibe hinterwäldlerische Geschlechter-Propaganda. Zu unrecht. Buch und Film sind eine Wucht. 

Die Enttäuschung in den Kulturspalten ist gross. Da folgte die ehemalige Künstlerin und heutige Regisseurin Sam-Taylor Johnson dem Ruf Hollywoods und wagte es, den hocherfolgreichen Liebesroman «Fifty Shades of Grey» Vorlage-getreu als herrliche Hochglanz-Romanze zu verfilmen. «Langweilig», «banal», «platt» lauten die Attribute mit denen es die Filmkritik in steifer Überheblichkeit dem jüngsten Mainstream-Werk wieder einmal so richtig zeigt. Die Leute strömen derweil scharenweise in die Kinos. Das hat einen einfachen Grund: «Fifty Shades of Grey» ist eine inhaltliche und ästhetische Wucht.

Ein kurzer Überblick: Die kluge Literaturstudentin Anastasia Steele (eine lockere Anlehnung an Jane Austens Romanfigur Lucy Steele in «Sense and Sensebility») verliebt sich durch eine heitere Fügung in den jungen Unternehmer und Milliardär Christian Grey. Eine seiner «50 Schattierungen» ist mit einer landläufigen Liebesbeziehung nicht vereinbar. Grey, der von einer Prostituierten geboren, misshandelt und später von reichen Pflegeeltern sorgsam aufgezogen wurde, fürchtet sich vor unkontrollierter körperlicher Nähe. Er braucht sadistischen Sex. Deshalb hatte er noch nie eine Freundin im klassischen Sinn. Die Anziehungskraft der unschuldigen Studentin ist aber dermassen gross, dass er sich zum ersten Mal in so etwas wie eine zärtliche Liebesbeziehung hineinwagt. Vielleicht.

Und hier beginnt sich der Zauber von «50 Shades of Grey» zu entladen: Der Sog, den Grey und Steele mit der Besiedelung ihres eigenen Liebesplaneten verursachen, macht die Geschichte unwiderstehlich. Ein leidenschaftliches, romantisches Ringen um die Gebietshoheit des Denkens, Fühlens und des Sex beginnt.

Ist das banal? Nein. Im Gegenteil. Die Festlegung der physischen und psychischen Grenzen ist ein menschliches Urbedürfnis und ein hochinteressanter Vorgang in jeder Beziehung.

Ist das langweilig? Könnte es sein – und vor allem anstrengend. Hier nicht. Denn der instinktive Riecher für intelligente Erzählformen von «Fifty Shades of Grey»-Erfinderin E.L. James dringt auch im Film durch: Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist der mehrseitige Vertrag, den Grey seiner Möchtegern-Freundin vorlegt, um das unorthodoxe Sexleben, das sie irgendwie auch fasziniert, zu regeln. Die trockene bürokratische Angelegenheit wird in «Fifty Shades of Grey» zu einer genialen prickelnden Formalität. Zum einen weil sich Grey und Steele erfreulicherweise auf derselben intellektuellen Reiseflughöhe befinden (sie schenkt ihm fast nichts). Zum anderen – und darin liegt eine weitere zentrale Stärke des Stoffs – weil die Art, wie die beiden miteinander umgehen, betörend charmant und entwaffnend direkt ist. Steele und Grey zermürben sich nicht in gespieltem Schwermut, sondern treiben sich in spielerischer Leichtigkeit gegenseitig an. Schliesslich haben sie ja Schmetterlinge im Bauch.

Text- und Filmanalytiker, die in anderen Fällen jeder Sichtbetonwand Tiefgründiges zuzuweisen wissen, wollen ausgerechnet hier nicht gemerkt haben, dass Greys Vertrag neben seiner konkreten Umsetzung eine symbolische Bedeutung hat. Er steht stellvertretend für Ansprüche, Kompromissbereitschaft und Machtverhältnisse in der Liebe. Einen Vorwurf, den man im Zusammenhang mit «Fifty Shades of Grey» auch immer wieder hört: Der Einfall um Greys grässliche Kindheit sei «platt». Dieses Argument greift nicht. Das ist, als hielte man dem gelobten Thriller «The Silence of the Lambs» (5 Oscars) das Lämmer-Trauma der Hauptdarstellerin vor. Die Erwähnung eines tragischen Erlebnisses, im Jargon «Backstory Wound» genannt, ist der Schlüssel zur Vergangenheit und damit ein entscheidendes Element, als Zuschauer die Handlungen einer Figur nachzuvollziehen. Dem gnadenlos erfolgreichen, kontrollsüchtigen Grey eine «Backstory Wound», wie die oben genannte, in die Wiege zu legen, war bestimmt keine schlechte Idee.

Die Glaubwürdigkeit eines Films hängt selbstverständlich zu einem grossen Teil auch von den Schauspielern selber ab. Bei der Kritik herrscht im grossen Ganzen Einigkeit darüber, dass die Besetzung von «Fifty Shades of Grey» gelungen sei. Die berühmte «Chemie» des Liebespaars stimmt. Es funkt gewaltig. Wer das Buch gelesen hat, muss sogar zugeben, dass Hauptdarstellerin Dakota Johnson (Tochter von Don Johnson und Melanie Griffith) der Romanheldin Anastasia Steele fast schon gespenstisch nahe kommt. Wo der hoch elegante Film gar noch stärker ist als das Buch: Die für den reiferen Leser irritierende teenagerhafte Beschreibung von Steeles Salto schlagendem Innenleben blendet er komplett aus.

Die Darstellung von Christian Grey (Jamie Dornan) dürfte indes die grösste Herausforderung der Produktion gewesen sein. Die Absturzgefahr war riesig, weil ein 27-Jähriger, der sich wie ein 50-Jähriger verhält, optisch schwer vermittelbar ist. (Im Buch vergisst man das Alter irgendwann.) Der Fokus im Film liegt wohl deshalb mehr auf den unverfänglicheren Dingen, also vor allem auf der packenden Zweisamkeit, als auf Greys Geschäftswelt, in der er altershalber etwas deplatziert wirkte. Auch dazu kann man nur sagen: Hervorragend gelöst.

 

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The Facets of Revenge – Wild Tales

 

To be, or not to be, that is the question:
Whether ’tis nobler in the mind to suffer
The slings and arrows of outrageous fortune,
Or to take arms against a sea of troubles,
And by opposing, end them? To die: to sleep…

Wohl eine der bekanntesten Aussagen des Welttheaters, welche einen Monolog Hamlets einleitet, ist der Höhepunkt im Ringen des dänischen Prinzen mit sich selbst: soll er das Leid und Unrecht dieser Welt ertragen oder den Wiederstand leisten… Zur Tatkraft der Rache will er nicht gedankenlos übergehen, ihn plagen die Zweifel…

Rache… Die Rache ist süss und allgegenwärtig. Keinem sind Rachegelüste fremd. Sie erinnert uns an unsere heidnische Vergangenheit und spaltet die Geister in theologischen und rechtswissenschaftlichen Disputen. Rache hat immer etwas Unverhältnismäßiges und funktioniert wie die Vergeltung im Sinne des antiken les talionis („Auge um Auge“). Schließlich führt dieses Prinzip zur Guillotine, zur Lynchjustiz und zur Todesstrafe, welche die Vollstreckung des Urteils zum Sühneopfer macht.  Doch trotz all der Niederträchtigkeit kann die Rache als etwas Positives angesehen werden, z.B. als Treibkraft des Schöpfertums. Sie kann zerstörend und fatal, aber auch kreativ und befreiend sein. Rachegelüste treiben Menschen oft zu Hochleistungen an, schärfen ihren Gerechtigkeitssinn und bewirken tief greifende gesellschaftliche Wandlungen.

In der Filmgeschichte ist die Rache, welche um der Gerechtigkeit willen vollzogen werden muss, ist fast schon ein sakrales Motiv. Eine ganze Reihe von Genres (Western, Gangsterfilm, Kriminalfilm, Actionfilm) bedienen sich seit Jahrzehnten der Dramaturgie der Vergeltung. Dieses Thema ist auch ein roter Faden in den Werken vom Grossmeister des Rachefeldzugs Quentin Tarantino. Seine Filme (Pulp Fiction, Kill Bill, Inglourious Basterds, Django Unchained) sind die fulminantesten Rache-Streifen der Filmgeschichte. Das Böse wird ausgerottet, das Gefühl der Genugtuung wird glorifiziert.. Einem neuen Anfang steht nichts mehr im Wege… Die Welt  wird zu einem besseren Ort, wenn die Helden, die verstandesmässig dem Grafen von Monte Christo ebenbürtig sind, ihren Job erledigen… Jeder versteht diese einfache Logik und den deterministischen Zwang, ihr zu folgen.

Auf die ähnliche  Art und Weise, mit der gleichen Dreistigkeit, unverschämten Provokation, mit dem gleichen Tempo, Mut  und bitterbösen Humor erzählt der argentinische Regisseur Damiàn Szifron seine sechs Rachegeschichten im von den Brüdern Almodovar produzierten Film „Wild Tales“ (Originaltitel – Relatos salvajes).  Schon jetzt wird er als der beste argentinische Film aller Zeiten bezeichnet, hat vor kurzem grosse Erfolge (auch kommerzielle) in Amerika und Europa gefeiert (Goldene Palme-, Golden Globe-, Oskar-Nominierungen).

1. Pasternak: Rache als kategorischer Imperativ

Die Rache in der ersten Geschichte ist nicht spontan. Gabriel, ein gescheiterter Musiker, hat alle, die ihm je im Leben übel mitgespielt haben, in einem Flieger versammelt, an dessen  Steuerknüppel er selbst gerade sitzt. Die erste Szene gibt den Ton an und führt uns unsanft, aber gewieft in das thematische Schatzkiste des Episodenfilms ein.

2. Die Ratten: Rache als Mittel zum Zweck

Die zweite Episode ist die Einzige, wo die Frauen an einem Rachecoup tüfteln.  In einem Restaurantgast erkennt die Kellnerin Moza(Julieta Zylbergberg) den Kredithai (Cesar Bordon), der ihren Vater in den Selbstmord getrieben hat. Die ruppige Köchin (Rita Cortese) hat sofort einen Tipp parat, wie sie es dem Übeltäter heim zahlen können – Rattengift!  Ihre Entschlossenheit begründet die mollige Frau mit einem Exkurs in die Vergangenheit als sie noch eine zufriedene Knastinsassin war, für sich selbst nicht sorgen musste und das vergnügliche Kartenspiel in einer Damenrunde geniessen konnte. Nun wittert sie die Chance auf einen erneuerten Gefängnisaufenthalt und übernimmt die Regie in dieser Vergeltungsepisode.

3. Strasse zur Hölle: Jenseits von Gut und Böse

Auf einer einsamen Landstrasse in einem schicken Wagen geniesst ein entspannter Mann (Leonardo Sbaraglia) seine Fahrt. Der elegante Anfang dieser Geschichte könnte als Audi-Werbespot durchgehen. Doch in wenigen Kilometern macht ihm ein anderer Autofahrer  (Walter Donado) auf einer vollbeladenen Schrottkarre die Fahrbahn streitig und versucht sein Überholungsmanöver auszubremsen. Der Audi-Fahrer schafft es dann doch, den bockigen Spinner zu passieren – gewiss nicht ohne eine Fluchtirade auszulassen und den obligatorischen Stinkefinger zu zeigen. Eine durchaus verbreitete Form der Kommunikation auf der Strasse, wo die Mobilität, Anonymität und  Schutzhülle des eigenen Autos eine gewisse Gesetzlosigkeit vortäuschen.

Nun, wie im Leben, passieren auch auf der Strasse Pannen. Der Reifen platzt, der Audi bleibt stehen, in der Ferne hören wir ein donnerndes Geräusch des klapprigen Autos. Die Vergeltung ist in der Sichtweite. So fängt eine unabdingbare verhängnisvolle Kettenreaktion aus Gewalt und Verbrechen an, die einprägsam das bekannte Sprichwort illustriert: wer auf Rache aus ist, grabe zwei Gräber. Doch endet dieser extreme Fall von „road rage“ mit einem herrlichen Missverständnis. „Verbrechen aus Leidenschaft?!“ – rätseln Ermittlungsbeamten als sie die verkohlten Leichen in einer friedlichen Umarmung vorfinden. Eine grossartige Geschichte mit lehrhaften Anregungen!

4. Bombita: Rache als Wiederstand

Die vierte Episode liegt dem hamletischen Dilemma am nächsten – hinnehmen oder rebellieren? Doch für den Sprengmeister Simon Fischer (Ricardo Darin, der bekannteste argentinische Schauspieler) ist es keine Qual der Wahl. Für ihn scheint es selbstverständlich zu sein, gegen  bürokratische Willkür zu protestieren, anfangs noch zaghaft, sachlich und höflich, zu guter Letzt doch radikal und rücksichtslos.

Auch hier wird die Dramaturgie der Verheerungen an die Spitze getrieben. Ein gemachter Mann, der die monumentalen Gebäudekomplexe in Schutt und Asche legt, wird von einem scheinbar unbedeutenden Zufall aufgehalten – sein Auto wird wegen Falschparken abgeschleppt, er kommt zu spät zum Geburtstag seiner Tochter, was schon ein angespanntes Familienverhältnis erneut auf die Probe stellt… Als ihm am nächsten Tag das gleiche widerfährt, verliert er schnell die Geduld, wird handgreiflich… Im Nachhinein scheitert er im Beruf und in der Familie. Wie bekommt man sein Leben und seinen inneren Friede zurück? Mit einer kleinen feinen Sprengaktion, die tatsächlich einiges bewirkt: Simon wird als Volksheld gefeiert und gewinnt seine Familie wieder.

5. Vorschlag: Rache im handelsrechtlichen Sinne

Die nächtliche Stille eines Ehepaars wird vom aufgewühlten Sohn unterbrochen, der eine schwangere Frau überfahren und eine Fahrerflucht begangen hat. Nun, da der Papa (Oskar Martinez) ziemlich reich und mächtig ist, und alle der Meinung sind, dass dem Sohn die argentinische Haftanstalt erspart werden muss, versucht die Familie einen Ausweg zu finden. Für eine hübsche Summe erklärt sich der Gärtner bereit, den Tat auf sich zu nehmen. Doch der Staatsanwalt  findet die Wahrheit heraus und will auch selbst, genau so wie der Anwalt der Familie, ein Teil am Kuchen haben.

Alle sitzen dem Geschäftsmann am Nacken und erwarten von ihm Schweigegeld. Doch dann dreht er plötzlich den Spiess um und beschliesst, dass alle leer ausgehen sollten und der fahrerflüchtige Sohn sich stellen muss. Auch wenn er nicht genug konsequent bleibt, reduziert er mit diesem Einfall erheblich seine finanziellen Einbüsse. Eine spontane Taktik, die mindestens ihm eine Erleichterung verschafft, wird dann aber doch dem Gärtner zum Verhängnis. Ein Rachemord führt erneut in die Irre.

6. Bis dass der Tod uns scheidet: Rache als Ursache und Wirkung

Auch in der letzten Geschichte geht es um eine spiralförmige Chronik einer Eskalation. Zu sehen ist, was passiert, wenn eine junge temperamentvolle Braut (Erica Rivas) in weissem Kleid, dem Symbol der Reinheit und Unschuld, sich auf den Pfad der Rache begibt als sie instinktiv begreift, dass der Bräutigam (Diego Gentile) eine Geliebte hat.  In der Tat ziemlich viel: zerschlagenes Geschirr, eine ruinierte Torte, ein blutbeflecktes Brautkleid, ein heftiges Wortgefecht zwischen dem Paar und den Familienangehörigen, Sanitäter, die den mehreren Gästen den Blutdruck messen und die schöne Konkurrentin reanimieren müssen… Wilder geht’s nicht mehr!

Doch der richtige Knaller kommt erst zum Schluss als niemand mehr eine Hoffnung auf die Besinnung hatte.  Wie geht man mit einer äusserst peinlichen Angelegenheit um? Lässt man sich selbst und die komplette Hochzeitsgesellschaft mit einer lebenslangen psychischen Trauma zurück? Soll der Racheorkan alles vernichten? Als wir total entsetzt, fast schon beschämt die Flucht oder Mordabsichten des Bräutigams vermuten, greift er tatsächlich erwartungsgemäss zum riesigen Messer. Doch was dann passieren wird, übersteigt alle Erwartungen und beschenkt dem Streifen ein grandioses unvergessliches Finale. Am Ende wird es der Mann sein, der die zerstückelten Welten zusammenflickt und so zum Schöpfer der neuen Zukunftsaussichten wird. Diese frustrierendste und zum Schluss doch verheissungsvollste Hochzeit ist ein vorbildlicher Stoff für die cineastischen Geschichtsbücher.

Conklusion: Oft wird „Wild Tales“ mit der Frage konfrontiert: Ist es eine Reaktion auf die Dauerkrise in Argentinien? Mag sein, dass die südamerikanischen Begebenheiten eine Inspirationsquelle für Damiàn Szifron waren. Doch die subversiv erzählten Geschichten haben eine universelle Sprengkraft. Sie betreffen uns alle:  Männer und Frauen, Eltern und Kindern, Mächtigen und  Erfolglosen, Täter und Opfer, Bürger, Beamte, Autofahrer… So viel Lebenserfahrung und Weisheiten beinhalten nur wenige Filme. Obendrauf werden uns die Lösungen präsentiert. Gewiss nicht unbedingt brauchbare und nachahmungswürdige, aber auf jeden Fall präventive. Dabei löst der Film die ganze Palette von Emotionen aus, fasziniert mit raffinierten Affekten, überrascht mit Wendungen und belohnt mit einer Lawine vom rabenschwarzen Humor. Ein rasanter explosiver Film mit erheblichem Kultpotenzial! Mehr kann man von einem Kinoerlebnis kaum wünschen!

Prescription for: actually all of us

Relatos salvajes (Wild Tales – Jeder dreht mal durch!), Argentinien,  2014, 122 min., directed by Damiàn Szifron, with Ricardo Darin, Erica Rivas, Leonardo Sbaraglia, Dario Grandinetti,Oscar Martinez, Julieta Zyberberg, Rita Cortese, Diego Gentile

Elementary – Sherlock Holmes goes West

 

Elementary is based on Sir Arthur Conan Doyle’s iconic tale of Sherlock Holmes. The series stars Jonny Lee Miller as Sherlock Holmes and Lucy Liu as Dr. Joan Watson and plays in the contrary to the original story, not in London but in America. However, it is not robbed of all its British brilliance, as Jonny Lee Miller is himself a marvellous export of the good old empire. He plays a modern day recovering addict/Londoner living in New York, teaming up with the NYPD as a consultant to (you may have guessed) solve crimes.

Before I continue, let me mention that I am deliberately posting this in sequence to the previous Dexter – Part Three Entry – where I have mentioned Jonny Lee Miller and his role in Elementary. I am not totally hooked on it, and I do find Elementary, elementary flawed (sorry the bad word game but I couldn’t resist) but there are two components that make it worthwhile.

Firstly, Jonny Lee Miller and secondly, Lucy Liu. I have said it before and I say it again, this guy is GOOD. He manages to pull out an otherwise average crime series that in my opinion only lives from its’ famous name and saves it almost single handily from mere meritocracy (with a little help from his wing woman – Lucy Liu of course). I doubt that it would have been as successful without him and his uncanny wit. He portrays Sherlock in a way that we have not yet seen before. In comparison to his counterparts such as the phenomenal Benedict Cumberbatch (my absolute hero) or Robert Downie Jr, JLM plays a torn addict who taunts the audience constantly and hence creates great and entertaining tension. It is a fine line yet he always manages to pull it together just in time before conclusively breaking off all the bridges to the viewers` hearts and saves the day. Horray!

Lucy Liu, I was not sure what to make of her for a long time. What do you think of her? I mean, she is just there. She looks good. Certainly has her own style of fashion in the series, she plays the role of the right hand woman of our main character…but she seems to me a bit like a ghost. Never quite there, never quite not. As many things in the series, I suspected there for a second that she lived from her reputation and fame, rather than from actual substance. But then again, it works. She is like a great painting! She has those eyes that look at you and you get the feeling that there might be more to her.

Next to him you might need a calming force to balance out his yin. And she does play the perfect yang. Calm, soothing, peaceful to look at. Not only her appearance but also her voice seems to smoothen out edges effortlessly. Even if she just asks for the most mundane thing like a cup of coffee, is comforting the soul. (Next time listen out for it, dear Sheep.)

Opposites attract. A universal law? Although our goal seems to be to come to our middle, we seem to attract our mirror images, to complete us. We see this often in our social circles. The problem with those constructs however, is that these relationships are delicately interwoven. They can be rather unstable and rely on the status quo. As soon as one individual commits to change the intricate structure starts to unravel as the partners rely on each other. No villain without a victim, no weakness without strength no yin without yang and so forth.

This is nicely illustrated in the series and superbly played by JLM and Lucy!

Before resting my case on this brilliant UK export I would like to know a little more about Ms Liu. Who is she? So little is known about her really? She seems aloof and translates this air of mystery brilliantly to the TV screen.

lucy liu

She is an American actress of Chinese decent who was discovered by an agent on the subway in NYC when she was 19 years old. She gained fame in the series Ally McBeal, which BTW was one of the first series that got me totally hooked – apart form Pinocchio etc. (No judgement please).

She is super private. Which makes her even more intriguing. And as it just so happens, rumours have just gone haywire in recent days that she might have just tied the knot.

Almost nothing is known about her private life although she was linked to Hollywood’s hunks such as George Clooney once upon a time. It is now being speculated that she has married her long time boyfriend and American Jewish billionaire, Noam Gottesman, in a very private ceremony on the weekend of the 22nd of February 2015. The couple has been dating for four years and has rarely been spotted out in public together. Now, this man is said to be worth 2 billion dollars (Beyonce’s and Jay Z’s combined estimated net worth is 1 billion). Just to give you perspective, Noam has sold his London mansion in 2008 for USD196 million making it the most expensive home in England at the time.

Lucy Liu partner

So, Ms Liu is a dark horse indeed and those deep calm eyes have caught my attention. I am curious to see what she does next. I have found great respect for how she brings presence through her tranquillity to the screen and if she really did get married…mazel tov!