When Modern Art meets Cinema – Under the Skin

Wenn in nicht allzu ferner Zukunft die emanzipatorische Mission der Frauen ihr Ziel erfüllt hat und das Kräfteverhältnis zwischen Mann und Frau endlich in die naturgemäss korrekte Position gerückt ist, sprich die Männer ohne explizite Bewilligung ihrer Frauen die Häuser nicht mehr verlassen dürfen und sich das demokratische Wahlrecht nur noch auf das aufgeklärte weibliche Geschlecht beschränkt (auch Autofahren dürfen Männer nur noch an speziellen „Men-Fun-days“ ), könnte dem neuen Film von Jonathan Glazer „Under the Skin „ retrospektiv die prophezeiische Rolle zugesprochen werden, als erstes öffentliche Medium auf eine revolutionär unvermittelte Art den bevorstehenden gesellschaftlichen Wendepunkt der jahrhundertelang festgefahrenen Genderkonstellation aufgezeigt und gleichzeitig  – in einem gewissen Sinne – auch plausibilisiert zu haben.

Solche Gedanken schiessen einem beim Betrachten dieses Filmes spätestens dann durch den Kopf, wenn das von Scarlett Johansson verkörperte Alien scharenweise Männer nach kurzer Anrede in eine abgelegene verfügbare Unterkunft lockt und sie dort wie hypnotisierte ferngesteuerte Spielpuppen mit aufgerichtetem Marschkörper in eine schwarze, klebrige, undefinierbare Masse waten lässt, hinein in die eigene Selbstauflösung, in den sicheren Tod. Gefangen in ihrer biologischen Triebhaftigkeit, den Blick starr und geil auf das sich enthüllende Alienweibchen gerichtet, unfähig zur Erfassung weiterer Informationen. Stehengeblieben im Primatenstatut. Mann halt.

Dabei ist die naheliegende Thematik in diesem Film eine andere: Das erwähnte Alien fährt in einem weissen Van durch Schottland und gabelt wahllos Männer auf, welche dann das oben erwähnte Schicksal erleiden. Aber ihre Mission, so scheint es, ist nicht von bösartiger Natur, sondern mehr das Erkunden des Menschen oder des Menschseins aus der Sicht einer Ausserirdischen. Gefolgt wird sie von einem „Aufpasser“ auf einem Motorrad, welcher sicherzustellen scheint, dass sie ihre Aufgabe als Köder effizient und unbehindert ausführen kann. Dies klappt solange gut, bis das Alien selber emotionale Regungen anfängt zu verspüren und sich auch eine Form der Empathie mit ihren menschlichen Gegenübern einschleicht. Als sie ein schon sicheres Opfer aus Mitleid laufen lässt, wird aus der Jägerin plötzlich eine Gejagte…

Jonathan Glazer, nach seinem Regiedebut „Sexy Beast“ (2000) mit Ben Kinsley und „Birth“ (2004) mit Nicole Kidman als Regie-Shooting Star gefeiert, benötigte 9 Jahre um diesen Streifen zu realisieren. Einige davon alleine um sich selbst und Scarlett Johansson davon zu überzeugen, dass dies ein lohnenswertes Wagnis sein könnte. Was sicherlich gesagt werden kann ist, dass sich Scarlett Johansson mit der Zusage zu dieser Rolle einmal mehr von den meisten ihren derzeitigen weiblichen Shootings-Star-Kolleginnen  absetzt und selten gesehener Mut zur Radikalität auf der Leinwand zeigt. Und dies wahrhaftig überzeugend.

Gedreht wurde der Film u.a. mit Laiendarsteller und an öffentlichen Plätzen in Glasgow (teilweise ohne Drehgenehmigung). Im Einsatz waren auch versteckte Handkameras, zum Beispiel in den Szenen, in denen Scarlett Johansson aus dem Van hinaus völlig ahnungslose männliche Protagonisten nach dem Weg frägt und sie so in ein Gespräch verwickelt, oder auch wenn sie – und dies scheinbar völlig unerkannt – durch irgendwelche Shopping-Hallen wandelt oder vollgedrängte Discos besucht. Dieser rohe Authentizismus verleiht dem Film eine zeitweilen fast dokumentarische Note, welche dann aber wieder durch die experimentell und kunstvoll arrangierten Aufnahmen der vom „Alien“ wahrgenommen Sicht auf die Welt gebrochen wird.  Unterlegt ist dies alles mit der gespenstisch fremdartigen Klangwelt von Mica Levi, welche die Verwirrung, Orientierungslosigkeit und schlussendlich auch Einsamkeit des Aliens noch mehr hinausstreicht. Formal betrachtet würde es einen nicht verwundern, wenn „Under the Skin“ in ein paar Jahren als fixen Bestandteil im Repertoire des MoMa (Museum of Modern Art) oder an der Art Basel als permanente Video-Installation gezeigt werden würde.

„Under the Skin“ wurde an den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2014 präsentiert und erhielt neben zahlreichen Buhrufen und anfänglich hauptsächlich vernichtenden Kritiken, mit der Zeit immer mehr auch gegenteilige Resonanzen, welche das Werk als eines der grossen möglichen Meilensteine in der Kinogeschichte bezeichneten und sehr häufig wurde auch auf die – offensichtliche – Verwandtschaft mit  den Werken von Stanley Kubrick verwiesen. Die „Chicago Sun-Times“ nannte den Film als ein Werk, das in unsere Psyche eindringt und für immer dort bleiben werde und die „NZZ am Sonntag“  klassifizierte ihn, als den visionärsten Sci-Fi Film seit Kubricks „2001 Odyssee im Weltraum“. Ansonsten sind die Begriffe „verstörend, faszinierend, schockierend, erschütternd und rätselhaft“ die bevorzugten Adjektive bei den Rezensionen dieses Streifens.

Sicher ist, wer mit moderner Kunst im herkömmlichen Sinne nichts anzufangen weiss, wird auch hier keine lustvolle Zeit erleben. Wirklich nur für progressive Cineasten geeignet.

Konklusion: „Under the skin“ ist ein Versuch der Kern des Menschseins zu erfassen. Fast ohne Dialog, experimentell in der Form, radikal in der Umsetzung, aber nicht zuletzt tief berührend und zärtlich in der Aussage. Eine Ode an die Menschlichkeit. Wenn man sich darauf einlässt.

Prescription: alienation, loneliness, uptightness, intolerance, force to see Scarlett Johansson nude, anxiety for extraterrestrials, loss of humanity, modern art Lovers

http://undertheskinmovie.com/

Till Death Do Us Part – Gone Girl

 

Es gibt eine kleine erlauchte Gruppe von Regisseuren, wo man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass jedes ihrer Werke ein hohes Mass an unterhaltsamen spannenden Filmgenuss verspricht, selbst dann noch, wenn sie die Herbstedition des Neckermann-Kataloges verfilmen würden.

Einer von dieser Gruppe ist zweifelsohne David Fincher. Seine Filmografie liest sich wie die Auflistung der besten – oder die sich zuweilen am tiefsten ins Gedächtnis eingenisteten – Thriller-Klassiker seit den 90-er Jahren,  u.a. „Se7en“, „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“ und „The Girl with the Dragon Tattoo“. Zusätzlich sind da noch die “non-thriller” Evergreens à la „The Curious Case of Benjamin Button“, „The Social Network“ zu erwähnen, nicht zu vergessen die aktuell laufende vielgepriesene TV-Politshow „The house of cards“ auf Netflix.

Wenn also der ehemalige Werbe- und Musikclipregisseur einen neuen Film präsentiert, ist Grund zur Freude angesagt, sofern man Freude hat,  an düsteren, zynischen und abgefahrenen Ausflügen in die dunklen Seiten der menschlichen Existenz, welche von Fincher inszenatorisch immer mit einer distanziert kühlen,  wuchtig kraftvollen und hyper-stylischen Art umgesetzt werden, die bevorzugten Farbtöne sind Grau, Blau und Braun. Zudem zieht sich durch sein Oeuvre seine Vorliebe für „ungewöhnliche“ sprich unvorhersehbare Geschichten, welche gerne die konventionellen Erzählstrukturen strapazieren, die Erwartungshaltung der Zuschauer unterwandern und auch gerne zwischen verschiedenen Genres umherspringen und fast immer mit einem unterwartet abgefahrenem Ende aufwarten können.

So ist also auch „Gone Girl“, die Verfilmung vom gleichnamigen Bestseller-Roman von Gillian Flynn (welche auch das Drehbuch mitverfasste), wo ein Ehemann (Ben Affleck) aufgrund seiner am helllichten Tag spurlos verschwundenen Ehefrau (Rosamunde Pike) unter Mordverdacht gerät, in der Grundkonzeption als klassischer Whodunit Psycho-Thriller angelegt, er entwickelt sich aber dann schleichend immer mehr in Richtung eines Psychogrammes eines sich entfremdenden Ehepaares oder der Sezierung des zwischenmenschlichen Beziehungsschemas ganz grundsätzlich, versetzt mit Ansätzen einer Mediensatire, bis er dann über Fetzen von Horror-Slasher Versatzstücken in einem typisch zynisch-perfiden Fincher-Finale mündet…

Getragen wird der – keine Sekunde langweilige – 150 Min. lange Streifen absolut souverän von Ben Affleck und Rosamunde Pike (ex Bond Girl Miranda Frost – Die Another Day), „der dem Zuschauer in von den Twists, Ueberraschungen und der konsequenten Darstellung moralischer Verdorbenheit Schwindelgefühle verursacht“ (Empire Magazin).

By the way: Ausführende Produzentin ist Reese Witherspoon, welche sich die Recht an dem Roman als erste unter den Nagel gerissen hatte. Sie war auch im Gespräch – neben Nathalie Portman, Charlize Theron und Emely Blunt, die Hauptrolle der Amy Dunne zu übernehmen.

Conclusion: Fincher ist zurück mit der Demontage einer amerikanischen Vorzeigeehe. Hochspannend, perfide, abgedreht, verwegen, smart und stylisch gepaart mit einem gehörigen Schuss schwarzem Humors. Frisch verheirateten, glücklichen oder gar verlobten Paaren wird dringendst vom Konsum dieses Filmes abgeraten!

Prescription for: Lover’s Grief, marriage problems, problems with the parents-in-law, facing a media shit storm, people under pressure

http://www.gonegirlmovie.com/

Manos Sucias

Ein weiteres Highlight des diesjährigen ZFF Zürich Film Festival war die Kolumbianische Produktion „Manos Sucias“. Aufgrund meiner Liebe zum Land Kolumbien bin ich natürlich etwas voreingenommen – dennoch ist der Film absolut sehenswert. Ich selber habe mich in der Nähe des Schauplatzes 7 Tage lang aufgehalten und hatte während den 84 Film-Minuten ständig das Gefühl ich sei selber wieder vor Ort an der Küste in Kolumbien. Dem Regisseur Josef Wladyka ist mit seinem Erstlingswerk ein sehr realistisches Drama respektive spannender Thriller gelungen.

Zum Inhalt: Die beiden dunkelhäutigen Kolumbianer, der Fischer Jacobo und der Hobby-Rapper Delio, haben in der Hoffnung auf das schnelle Geld den Auftrag gefasst, eine grosse Menge Kokain mit einem Fischerboot zur Grenze Panamas zu schmuggeln. Je länger der Auftrag dauert, desto mehr erkennen sie die hoffnungslose und gefährliche Situation in die sich die beiden begeben haben. Als dann das ganze Kokain plötzlich weg ist, haben sie nur noch ein paar Stunden Zeit um das Kokain zurückzuerobern. Es beginnt ein spannender Wettkampf gegen die Zeit!

Die Gegend selber ist tatsächlich ein heisses Pflaster. Als ich mit meiner Freundin selber da war haben wir viele dubiose Gestalten kennengelernt, die vermutlich selber auch in ähnliche Geschäfte verwickelt sind. Bis vor wenigen Jahren war die Gegend für ausländische Touristen nicht erschlossen und viel zu gefährlich. Noch heute ist die Route an der Pazifikküste eine der wichtigsten Verbindungen des Kokain-Schmuggels Richtung USA. Die ganze Küste ist nur per Boot und kleinen Flugzeugen erreichbar. Wenn man das natürlich selber gesehen hat ist der Film noch packender.

Im Film kommen praktisch keine Frauen vor und um dieses Gleichgewicht ein bisschen auszugleichen hat der Regisseur absichtlich viele kolumbianische Lieder gewählt mit Frauengesang. Die Musik ist im ganzen Film sehr gut und passend gewählt, weshalb ich auch ein paar Lieder als Links verfügbar gemacht habe.

Der durch Spike Lee co-produzierte Streifen lief beim New Yorker Filmfestival „Tribeca“ und wurde dort sehr gut aufgenommen. Auch die Schweizer Presse hat den Film gelobt. Ob er schlussendlich in Europäische Kinos gelangt, ist leider noch nicht bekannt. Seit Anfang Oktober läuft er in Kolumbien und es bleibt zu hoffen dass er sich durchsetzen kann und es auch in die Schweizer Kinos schafft.

Wer gerne Südamerikanische Kost schaut und oft Fernweh verspürt der sollte Manos Sucias unbedingt schauen sobald er anläuft. Wer gerne spannende Thriller schaut, der wird auch auf seine Kosten kommen.

Bleibt mir noch zu sagen, dass Kolumbien in Wirklichkeit ein friedliches Land mit den (statistisch betrachtet) glücklichsten Menschen ist und leider hilft dieser Film nicht, den immer noch schlechten Ruf von Kolumbien zu verbessern. Immerhin ist es gelungen dadurch gute und realistische Unterhaltung zu schaffen!

Sofia’s World… like Angelina Jolie but even stronger

 

Zuerst muss mal klar vorangestellt werden, dass Sofia Coppola meine Lieblingsregisseurin ist, dies jetzt mal abgesehen, dass ich eigentlich nur 3 Regisseurinnen wirklich präsent habe (neben Sofia ist da noch Kathrin Bigolow – Point Break, Strange Days – und Susanne Bier – Brother, In a better World) Nicht nur, weil sie doch sehr adrett ausschaut – sie sieht mit zunehmenden Alter immer besser aus, da ich die gleiche Aussage, als sie die Cousine von Andy Garcia im 3. Teil der Godfather-Serie ihres Daddies Francis Ford Coppola spielte (im richtigen Leben ist sie die Cousine von Nicolas Cage) noch nicht getätigt hätte – und immer sehr geschmackvoll anzogen ist, sondern weil sie einer meiner absoluten All-Time-Favourite Movies gemacht hat und zwar „Lost in Translation“, wo sie der auch nicht gerade verunstalteten Scarlett Johansson zum internationalen Durchbruch verhalf und ich für Jahre einen filmischen Seelenverwandten (Bill Murrey) während den ganz einsamen Stunden auf meinen Geschäftsreisen im Laptop per Knopfdruck konsultieren konnte.

Der gute Geschmack von Sofie spiegelt sich aber nicht nur in ihrer Kleidung – ich würde sie als die stillvollste gekleidete Person im Hollywoodzirkus bezeichnen – sondern auch in ihrem Musikgeschmack, welcher bei sämtlichen Streifen von ihr eine tragende aber nicht aufdringliche Rolle spielt. Für ihren Durchbruchsfilm „The Virgin Suicides“ hat die französische Elektroband „Air“ ein eigenes gleichnamiges Album, auf welchem teilweise die Dialoge vom Film verwendet werden, veröffentlicht. Bei „Lost in Translation“ steuerte neben „Air“ auch „Phoenix“ zum Soundtrack bei. Für „Marie Antoinette“,  welcher so oder so ein auf spielfilmlänge ausgedehnter knallbunter Videoclip ist, untermalte „Air“, „Steve Severin“ (u.a. Gründer von Siouxsie and the Banshees und The Glove) und „New Order“ das Geschehen und in „Somewhere“ übernahm wieder „Phoenix“ das musikalische Zepter, mit dessen Leadsänger sie auch seit 2005 verheiratet ist (nach Spike Jonez – Regisseur von „Beeing John Malkovic“ und „Her“ und nach einer Affäre mit Quentin Tarantino, was ihr zumindest den Gewinn des Goldenen Löwen für „Somewhere“ an den Filmfestspielen von Venedig einbrachte, wo Tarantino den Vorsitz der Jury innehatte).

Und ihr guter Geschmack zeichnet sich nicht zuletzt auch in ihrem Stil aus, wie sie ihre Filme arrangiert und inszeniert, da man innerhalb kürzester Zeit ihre Handschrift bei jedem ihrer Filme sehr schnell erkennt. Es ist diese unbelastet unvermittelte und – dies im positiven Sinne gemeint – noch kindliche Art, die Welt und das Geschehen darin zu betrachten, neugierig, respektvoll, zärtlich und vor allem ohne jegliche Hast oder bedeutungsschwangeren Effekten oder sonstigen künstlerischen Spielereien. Eine völlig entschlackte Art des Erzählens, so als würde man einfach durch ihre Augen die Geschichten erleben und an denselben Stellen der Geschichte wie sie innehalten und dieselben Passagen wie sie einfach überspringen. Auf diese ungekünstelte Weise hat jeder ihrer Filme diese magische Balance aus nachhallender Intensität und federleichter Unbeschwertheit. Quasi das pure Gegenteil von ihrem Vater…wie so oft  in Familien.

Dies ist auch der Grund, hier ihr neuestes Werk zu erwähnen, obschon es in ihrer bisherigen Vita der deutlich schwächste Film ist, aber der schwächste Film von Sofia bewegt sich halt immer noch in den besten 10% von sämtlichen filmischen Ausflüssen.

Schwach ist „The Bling Ring“ deswegen, weil er wirklich keinerlei Ambitionen in sich trägt, an irgendeiner Stelle der Geschichte, irgendein – sei es wie immer gearteten – Tiefgang zu entwickeln, irgendwelche Fragen zu den Beweggründen der Handlungen der Hauptakteuren zu stellen, ja er verzichtet eigentlich sogar darauf, irgendeinem Protagonist dieses Filmes (und es sind doch ein paar) eine wirkliche Charakterisierung oder tieferen biographischen Hintergrund zu verleihen. Stark ist er wiederum genau wegen den oben genannten Punkten, da er in seiner konsequent wertfreien Schilderung einen schon fast dokumentarischen Touch hat, dies einfach kunstvoll arrangiert mit dem handwerklichen Talent von Mme. Coppola.

„The Bling Ring“ erzählt schlicht und einfach den auf einer „Vanity-Fair“- Story basierenden wahren Fall einer Jugendgang in den Hügeln von L.A., welche aus übermässiger Verzückung vom „In touch“-Promikult, verbunden mit einer chronischen Ueberfluss-Langweile und einem ganz leicht pathologischen Verlangen nach Luxus- und Markenartikel, beschlossen in deren Abwesenheit in die Anwesen von Paris Hilton, Lindsey Lohan & Co. einzusteigen (der Schlüssel liegt unter dem Teppich beim Eingang – Fakt!) um dort einerseits die Bleibe zu besichtigen und anderseits natürlich ein paar der persönlichen Gegenstände, anfänglich vor allem Kleider, Handtaschen und Sonnenbrillen, mit der Zeit aber auch Schmuck und Bilder „zu stipitzen“, nur beim Hausaffen von Paris Hilton, den sie schon am raustragen sind, halten sie inne und lassen für einen kurzen Moment den Restbestand ihrer im dortigen Moment noch aktiven Gehirnwindungen spielen und lassen ihn dann – in der Befürchtung das der Mehrwert dieser Beute doch eher limitiert sein könnte – dort.  Es versteht sich von selber, dass die ganze Geschichte vom lustigen Jugendstreich und quasi Mutprobe immer ausgeprägtere Formen annimmt und die ernsthaften Konsequenzen nur eine Frage der Zeit ist, zumal sie ihre Heldengeschichten auch in ihrer ganzen Clique mit stolzer Brust verkünden und auch gleich die erbeuteten Accessoires überall vorführen inkl. Bildchen im Facebook. Aber auch als dann über die amerikanischen TV Sender Bilder von ihren Raubzügen ausgestrahlt werden – aufgenommen von den jeweiligen Ueberwachungskameras der „Promi-Häuschen“ – und die Luft langsam dünn wird, treiben sie ihren Luxusrausch unbeiirt weiter, bestehend aus weiteren Raubzügen (u.a. auch Orlando Blooms Villa, die von Paris Hilton etwa 4 x) und den anschliessend Siegesfesten in den L.A. Clubs – selbstverständlich mit den obligaten Drogen, welche dann mit der Zeit auch einen immer grösseren Einfluss auf ihr Verhalten einnehmen…Sucht halt und so. Auch als dann nach fast 2 Jahren ungehemmten Party-Robbering mit einer immer grösser werdenden Gang (da jeder doch auch mal bei Paris zuhause an ihrer Polestange tanzen will) dann doch das FBI dem lustigen Treiben ein Ende bereitet und sämtliche Mitglieder festnimmt, stellt sich die grosse Einsicht und Reue immer noch nicht wirklich ein – zumindest nicht bei den coolen Girls, weil dies eigentlich ja zum Werdegang und Erfahrungsschatz eines jeden durchschnittlichen L.A. Collegegänger gehören sollte, da dies ja schliesslich auch wichtige charakterbildende Lebensbildungselemente beinhalte. Dies mündet dann auch in diesem weltpolitisch bewegenden Statement, welches eines der Hauptakteurinnen Alexis Neiers  (Harry-Potter Emma Watson) bei ihrer Verhaftung den Medien heroisch (und selbstverständlich ironiefrei) verkündet:

“I’m a firm believer in Karma and I think that this situation was attracted in my life because it was supposed to be a huge learning lesson for me to grow and expand as a human being. I don’t think the universe could have really chosen a better person than me because for this — it’s not just affecting me, it’s affecting the media, it’s affecting everyone — and I think that I’m meant to bring truth to all this.

“I think that my journey on this planet is to be a leader. I see myself being like Angelina Jolie but even stronger, pushing even harder for the universe and for peace and for the health of our planet.

“God didn’t give me these talents and what I look like to be sitting around and just being a model or be famous or whatever path I want. I want to do something that people notice, so that’s why I’m studying business because eventually I want to be a leader. I want to lead a huge charity organization. I want to lead a country, for all I know. I don’t know where I’m going just yet, but eventually I can see myself taking a stand for people.”

 

Dieses Statement wurde wortgetreu von Alexis Neiers übernommen, welches sie im Vanity Fair Interview spontan so geäussert hatte (trotz Versuchen Ihres Anwaltes sie zum Schweigen zu bringen) und man kann es wahrhaftig so stehen lassen. Die besten Geschichten (und Dialoge) schreiben wir halt immer noch selber.

Conclusion: The Bling Ring ist für Leute, die gerne Magazine wie das „In-touch“ und „Vanity Fair“ lesen (oder Glanz&Gloria gucken) und trotzdem mal einen Schulabschluss gemacht haben, im idealen Fall sogar einen Sensor für Ironie haben. Ebenfalls werden Leute diesen Film mögen, welche die Bücher von Bret Easton Ellis schätzen, aber einfach mal kein Bock auf etwelches Ausloten der menschlichen Abgründe und schockierende Elemente haben und auch für Leute, welche sich einfach ganz generell für Innendeko und Mode interessieren.

 Prescription for: fashion- and interior fetishists, hang-over, searching for a light und harmless Sunday eve entertainment, clebtomania, alcohol- and drug problems, LA./Beverly Hills/Bret Easton Ellis Mania, People-Magazine addicts, striving for endorsement

http://theblingring.com/

Vonarstræti / Life in a Fishbowl

 

Bereits zum zehnten Mal findet das ZFF Zürich Film Festival statt, für den Filmfreak die schönste Woche des Jahres. Als passionierter “Arthouse” Film Schauer und Liebhaber von Filmen fremder Kulturen komme ich an diesem Festival immer zum Genuss sehenswerter Filmperlen. Herausragend in diesem Jahr im “Internationalen Spielfilm” Wettbewerb war sicherlich der Isländische Streifen “Vonarstræti / Life in a Fishbowl” welcher meiner Meinung nach den Siegerpreis verdient hätte.

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Die drei parallel verlaufenden Erzählstränge verflechten sich im Verlaufe des Filmes immer enger miteinander. Zum einen die Geschichte der 24-jährigen alleinerziehenden Mutter und Kindergärtnerin “Eik”, die sich nachts als Prostituierte verkauft um so Ihren Kredit der Bank abzahlen zu können. Die zweite Geschichte erzählt die des Schriftstellers Mori, der zwar nie nüchtern angetroffen wird, aber in Wirklichkeit sehr intellektuell ist. Er hat soeben sein neustes Werk fertig geschrieben indem er seine Lebensgeschichte beschreibt und dieses Manuskript wird von seinem Verleger in den Himmel gelobt. Die dritte Erzählung beschreibt das Leben des Ex-Fussballer Sölvi welcher ein glückliches Familienleben führt und als sehr erfolgreicher Banker arbeitet.

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Nach und nach erfährt man mehr über die Gründe der Trunkenheit des Schriftstellers und wie er im Rausch vor Jahren seine Tochter verloren hat. Auch wird die düstere Vergangenheit von Eik aufgerollt und natürlich kommen sich Mori und Eik durch eine zufällige Begegnung näher und es entsteht eine Freundschaft und Eik vertraut dem Schriftsteller während ihrem 5-tägigen Florida Trip Ihre Tochter an. Zeitgleich befindet sich auch der Banker Sölvi mit seinen Arbeitskollegen in Florida und trifft dabei auf Eik. Viel mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten.

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Während den 130 Minuten Spielzeit reiht sich ein Puzzle Teil ans nächste und wird dadurch nie langweilig. Dem Regisseur Baldvin Zophoniasson ist ein bemerkenswerter Film gelungen den man weder einem Drama noch Liebesfilm zuordnen kann.  Zophoniasson hat mit der Wahl der Schauspieler ein goldenes Händchen bewiesen. Der Streifen ist zeitweise sehr hart und traurig aber nach kurzer Zeit immer wieder fröhlich und lustig. Dank einem sehr glücklichen Ende bleibt er einem  als Feelgood Movie in Erinnerung.

Zu hoffen bleibt, dass es der Film in die Kinos bringt und möglichst viele Leute zu sehen bekommen. Ich würde ihn sicherlich ein zweites Mal schauen gehen!