Catharsis in the bleakness of a star-bright night somewhere in the south

Watch it and try not to loose your faith in live!

“To realize that all your life – you know, all your love, all your hate, all your memory, all your pain – it was all the same thing. It was all the same dream. A dream that you had inside a locked room. A dream about being a person. And like a lot of dreams there’s a monster at the end of it”

Mit diesen Worten endet die 3. Folge der 8-teiligen Miniserie „True detective“, welche im Frühjahr 2014 auf HBO seine Premiere feierte und im August in Europa auf DVD/BlueRay erschienen ist.

Es sind die Worte von Rust Cole – selber benannt als „The Michael Jordan of being a son of a bitch“ – einer der beiden titelgebenden „True“ Detektiven, welcher seine Umwelt in verlässlich regelmässigen Abständen mit teilweise zutiefst irritierenden, immer nihilistisch geprägten und vorzugsweise pessimistisch philosophischen Ergüssen beglückt, was zugleich auch das Herzstück und unverwechselbare Erkennungsmerkmal dieses Epic-Film Noir und vor allem Psychogramm zweier Männer über den Zeitraum von 17 Jahren ist, welcher der neu gewonnenen und geschätzten künstlerischen Freiheiten der TV-Serien Formate der amerikanischen Bezahlsender (HBO/Showtime/Netflix) nochmals eine neue Note verleiht und sich radikaler als die bisher bekannten und gelobten Formate (Mad Men, Breaking Bad, Games of Throne etc.) von den konventionellen Erzählstrukturen verabschiedet.

Der vordergründige Plot ist zwar eine klassische Whodunit Geschichte im Gewand eines düsteren Psychothrillers à la „Seven“, mit der obligat schaurigen Leiche am Beginn – wie immer eine junge Prostituierte, pathologisch-dekorativ und symbolbeladen in einem Maisfeld vor einer ausladenden Eiche unter dem kalt blau-grau eingefärbten Abendhimmel von Louisiana „arrangiert“, – und der anschliessenden klassischen Suche von 2 Mordermittler nach dem Täter, welcher – wie sich schon bald herausstellt – mit okkulten Ritualmorden in Verbindung zu stehen scheint. Die Serie schlägt ein sehr gemächliches ja schon fast meditatives Tempo ein und lässt sich viel Zeit für die Befragungen von Zeugen, erstes Zusammentragen von Indizien, Schilderungen über die lokalpolitische Auswirkungen in der betroffenen religiös konservativ verbrämten Kleinstadt, man darf sie guten Gewissens auch als Kaff betiteln (Cole: „This place is like somebody’s memory of a town, and the memory is fading. It’s like there was never anything here but jungle“) mit dem dazugehörigen Druck der politischen Machtstellen auf die Polizeibehörde für eine schnellen Auflösungen des Falles. Vor allem aber steht von Anfang an die Charakterisierung der 3 Hauptdarsteller, Rust Cole (Matthew McConaughey), sein Partner Martin Hart (Woody Harrelson)  und dessen Ehefrau (Michelle Monaghanj), welche alle 3 den ursprünglichen eingangs erwähnten Mordfall vor einer polizeilichen Untersuchungskommission – in die im Verhörraum aufzeichnende Kamera – kommentieren müssen, da dieser sich im Jahre 1995 ereignete und in 2002 vermeintlich „gelöst“ wurde, was sich aber mit den ersten gleichgelagerten Morden, welche ab 2012 wieder auftauchen, als Trugschluss erweist. Da Cole und Hart sich wegen eines heftigen Streites (was könnte der Auslöser sein…?) vor 8 Jahren trennten und nie mehr wieder sahen, beide zwischenzeitlich auch nicht mehr als Ermittler in Staatsdiensten tätig sind und Cole für Jahre komplett von der Bildfläche abtauchte und für niemand mehr auffindbar war, stellt sich bald heraus, dass ihn die Behörden beim Aufflammen der neuen Mordserie im Verdacht haben. So stellen sich die angekündigt informellen Befragungen schleichend als ein offizielles Verhör dar mit der Absicht Cole zu entlarven. Dieser war aber zu seiner aktiven Zeit selber als effektiver Verhörexperte berüchtigt, insbesondere wegen seiner manipulativ perfiden Technik…

Die Befragung der 3 Hauptpersonen in der Jetztzeit zum zurückliegenden Fall, ist dann auch einer der inszenatorischen Kniffs, da sich diese immer mehr zur Plattform für ausgiebige Monologe und Reflektionen über den Verlauf ihres eng mit dem Fall verknüpften privaten Lebens entwickelt, welches unvermeidbar mit schmerzhaften Brüchen, Enttäuschungen und Desillusionierungen durchsetzt ist und schlussendlich unausweichlich auch zum Auseinanderbrechen ihrer gemeinsamen Verbindungen führen musste. Dieser stetig kommentierende dramaturgische Unterbau, teilweise überlagernd oder parallel verlaufend zum Hauptplot, verleiht diesem eine philosophische Vertiefung und verschiebt die Geschichte weg vom konventionellen Psychothriller, hin zum intensiven, wortgewaltigen Kammerspiel und Psychogramm von 3 gescheiterten Existenzen, für welche sich aber die Möglichkeit zur seelischen Reinigung noch nicht komplett verschlossen hat…

Es ist beinahe obsolet zu erwähnen, dass das Schauspiel der 3 Hauptfiguren (McConaughey, Harrelson und auch Monaghani) sich hier auf höchster Ebene abspielt, wobei McConaughey schon alleine vom Plot und Charakterisierung dominant auf die Bühne gehievt wird, was er aber nicht nur mit einer erwartungsmässig starken Leistung (Oscarpreisträger für „The Dallas Buyers Club“ 2014) quitiert, sondern derart intensiv und abgefahren in seiner Figur aufgeht, dass er – falls dies kein TV – Konzept wäre – auch für den Oscar 2015 in der Pole-Position stehen würde. Sein Verkörperung dieses selbstzerstörerischen, nihilistischen Soziopathen, welcher im Dauerrasch, kettenrauchend, von Visionen geplagt, pessimistische Weisheiten à la Nitsche von sich rezitierend und trotz alledem komplett fatalistisch und obsessiv dem Täter nachjagendem menschlichem Wrack, ist gerade deshalb so wuchtig und kraftvoll, weil sein Spiel ungemein zurückhaltend, ja fast schon gespenstig abwesend aber umso mehr empfindlich und präzise angelegt ist. Es ist schon erstaunlich, wie sich dieser McConaughey vom stetig oben entblössten, kiefenden Bongospieler, dauergrinsend die Wunschwahl in schmerzfreien „Wohlfühl“-Romantic-Comedy Filmen à la „The Wedding Planner“, „The Womanizer“ oder „Wie werde ich ihn los in 10 Tagen“ zum monströsen agnostischen Misanthropologen mutierien konnte. Quasi die Verkörperung des diametralen Werdeganges von Nicolas Cage. Dies ist aber wieder ein anderes Kapitel (By the way, Wendepunkt in seiner Karriere war der 2012 erschienen Streifen „Mud“ von Jeff Nichols, welcher auch Chris Nolan davon überzeugte McConaughey in seinem Ende 2014 erscheinenden Sci-Fi Drama „Interstellar“ die Hauptrolle anzuvertrauen)

Geschrieben wurde der Plot zu True Detective alleine von dem amerikanischen Schriftsteller Nic Pizzolatto, geboren 1975, welcher für seinen Roman „Galveston“ von der New York Times mit Grössen wie James Ellroy verglichen worden ist und an der University of North Coarolina kreatives Schreiben unterrichtet. Erstaunlich und einzigartig ist diese Tatsache sicherlich insofern, dass normalerweise an solchen sehr kostspieligen Referenz-Serien der grossen US-Sender grössere Teams von Creative-writers arbeiten. Er war es auch, der unter anderem auch T-Bone Burnett ins Boot für das musikalische Konzept holte, T-Bone Burnett, der Altguru der amerikanischen Country- und Folkszene u.a. ehemaligen Produzent von Bob Dylen, Elvis Costello und auch Verantwortlich für Soundtracks von „O Brother, Where art thou“, „Inside Llewyn Davis“ (Coen-Brothers) , „Walk the line“ (Johnny-Cash-Biography) und „Crazy Heart“ (Oscargewinn).

Regie führte durchgehend bei allen Folgen Cary Joji Fukunaga, Sohn eines Japaners und einer Schwedin, welcher 2009 mit dem Film „Sin nombre“ der internationale Durchbruch schaffte  und 2010 „Jane Eyre“ mit Mia Wasikowska und Michael Fassbinder in die Kinos brachte. Erklärtes Vorbild und grösster Beeinflusser seines Schaffens sei ganz klar „David Lynch“ und dessen „Twin Peaks“.

„True detective“ ist als sogenannte Anthologie konzipiert, was bedeuted, dass in der geplanten 2. Staffel ein neuer Plot, mit neuen Darstellern (voraussichtlich Colin Farrell und Vince Vaughn) und neuem Set Up entwickelt wird.

„The man is the cruelest animal“ – Der Subliner, in welchem in den USA für die Serie geworben wird, trifft die Essenz haargenau (Pizzolatto wird sich wahrscheinlich auch für Vermarkting das „final go“ ausbedungen haben) und bringt die Radikalität dieser Serie auf den Punkt: Es sind nicht die gezeigten Brutalitäten, die Gräueltaten des Serienkillers, welche schockieren, auch nicht die relativ freizügigen Sexszenen oder die harsche unzensierte Wortwahl der Protagonisten, es ist schlussendlich die Abkehr von jedem Prinzip des Menschlichen und Tröstlichen, sei es Liebe, Gott, Familie, Kinder oder Moral, nennen wir es die humanistischen Eckpfeiler der Menschheit, die hier bis fast zur Unerträglichkeit durch Cole’s Zynismus ausradiert und zur Lächerlichkeit preisgegeben werden. Ist in den bisher bekannten Psychothriller immer noch der Ausgleich da zwischen dem perversen, unmenschlichen Täter und den gegenüberstehenden Ermittler, welche bisweilen auch mit moralischen Grundsatzfragen und allzu menschlichen Schwächen zu kämpfen haben, aber schlussendlich immer noch ihrem Glauben an Menschlichkeit und Gerechtigkeit nachfolgen, lösen sich in True Detective sämtliche moralische Trennlinien in nichts auf. Cole hat den Glauben an alles schon längst verloren und begründet die Tatsache, dass er am Morgen überhaupt noch aufsteht mit einem biologischen Reflex. Phasenweise löst seine radikale Verachtung des Lebens mehr Grauen aus, als das vermeintlich „Böse“ hinter dem er her ist. Aber wie wir wissen, müssen wir nicht nur uns selbst, sondern alles, an das wir seit je zu glauben dachten, verlieren, um das zu finden, was wir wirklich sind…ein Weg durch die Dunkelheit, schmerzhaft und verstörend…und nicht alle werden ans Ziel gelangen.

Nach dem Internetportal GIGA ist True detective ein „Meilenstein in der Entwicklung von Film und Fernsehen“ und, dass es das „Kino neu erfinde“. Ob dem so ist, wird man noch zu beurteilen haben,  da es fraglich ist, wie gross das Publikum für solche existenziellen, desillusionierenden Philosophiediskurse auf längere Sicht wirklich sein wird, denn eines ist klar, wer auf der Suche ist nach einem „spannenden“ Krimi oder einer schaurigen „Horrorstory“ ist, wird sich hier relativ rasch von den Geschehnissen lossagen. Wer aber an Schwermut, düsteren Gedanken und Lebensüberdruss leidet oder sich aber auf seiner Sinnsuche zwischen Zeugen Jehovas, Hatha Yoga, Geistheiler und Veganismus verirrt hat und die ersten schmerzhaften Enttäuschungen erleiden musste und wieder mal einen mentalen Reset benötigt, verbunden mit einer adäquat düsteren Story, elektrisierend trostlose Bilder und verlorenen Charaktere wird hier das richtige Programm vorfinden. Denn eines ist klar,

“The world needs bad men. We keep the other bad men from the door”. Cole.

Conclusion:

Apart from a world with love, relieve and moral integrity the truth is waiting for all of us. True Detective is from the conception a search for a murderer but in fact it’s the path to the darkness of humanity before capturing the capability to see the sparkles of the stars…a painful way to the light. Catharsis in its purity. And the opus magnum of the actor Matthew McConaughey.

Prescription for: depression, weariness of life, chronical pessimism, chronical happiness and naivety, addiction problems (tobacco and alcohol), marriage problems.

To listen: The Handsome Family – Far From Any Road

True detective, US 2014, 480 min. available in DVD/Blue Ray

Official website: Click here